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Japanische Labels blockieren iTunes-Start

Weltweit erfolgreiche Downloadshops wie Napster oder der iTunes Music Store bereiten zwar seit langem einen Start auf dem japanischen Markt vor, doch die dortigen Rechteinhaber sehen zwei Probleme: Zu niedrige Preise und ungenügende Kopierschutzvorrichtungen.

Apple-Chef Steve Jobs wollte ursprünglich schon in diesem Jahr seine Nippon-Filiale eröffnen. Doch das Weltprojekt Digitalvertrieb stößt in Japan auf Widerstände. Erfolgreiche Downloadshops wie Napster oder der iTunes Music Store bereiten zwar seit langem einen Start auf dem dortigen Markt vor, doch die Rechteinhaber sehen zwei Probleme: Zu niedrige Preise und ungenügende Kopierschutzvorrichtungen. Während Apple weltweit auf einem Verkaufspreis von 99 Cents pro Song besteht, bieten die meisten auf dem japanischen Markt vertretenen Webshops ihre Songs für durchschnittlich 200 Yen (1,51 Euro) an. Plattenfirmen fürchten, dass iTunes-Preise einen zu starken Kannibalisierungseffekt auf die Verkäufe von CDs haben könnten und verweigerten deshalb Apple die Lizenzen. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Titelfreigabe ist laut der Zeitung „Asahi Shimbun“ das FairPlay-DRM von Apple, das Kunden erlaubt, ihre Downloads auf CD zu brennen. Ein Zugeständnis, das keiner der japanischen Downloadshops derzeit macht. Branchenvertreter sind sich indes ihres Dilemmas bewusst: Während sie nur ungern freiwillig die Preise für Downloads senken wollen, müssen sie in Konkurrenz zu dem in Japan weit verbreiteten Verleih von CDs treten. Die Miete für eine CD-Single kostet rund 100 Yen.

Wie lange die Verhandlungen über den Start des iTunes Store noch dauern werden, ist unklar. Yoshiaki Sakito, Apples japanischer Marketingchef, meinte jedoch: „Die Plattenfirmen können nicht für immer gegen den Strom schwimmen.“ Zumal das Downloadgeschäft in Japan ein ähnlicher Erfolg wie in USA und Europa zu werden verspricht. Das Nomura Research Institute prognostiziert für das Jahr 2008 Download-Umsätze von 88,3 Mrd. Yen (667 Mio. Euro) – im Jahr 2003 waren es erst 1,5 Mrd. Yen (11,3 Mio. Euro). Der Download-Dienst Mora, ins Leben gerufen von 18 japanischen Labels, darunter auch Sony Music und Avex, verkaufte allein im August 156.000 Songs – aus einem Titelbestand von lediglich 40.000 Tracks.

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