Weil im Downloadgeschäft einzelne Songs zumeist stärker gefragt sind als vollständige Alben, gerät das Longplay-Format als Produktbündel immer stärker in Bedrängnis. Neuartige Kombiangebote im iTunes Music Store sollen diesem Trend entgegenwirken und damit der Musikwirtschaft zu zusätzlichen Umsätzen verhelfen. Der Köder, der iTunes-Kunden mehr Geld aus der Tasche ziehen soll, ist dabei das Musikvideo. Im Musikfernsehen immer weiter an den Rand gedrängt, erleben Videoclips seit Monaten im Internet eine Renaissance.
Diese Entwicklung greifen die Shopbetreiber von Apple nun auf und versuchen ihr Glück mit Video-Alben und so genannten Vingles. Unter Video-Alben versteht iTunes ein Bündel aus sechs oder sieben Clips eines Künstlers oder einer Band, als Vingle bezeichnet der Onlinehändler die Kombination eines Clips mit der zugehörigen Songdatei. Die Preisgestaltung der Video-Alben soll flexibel bleiben – erste Pilotangebote mit einer größeren Anzahl von Clips signalisieren jedoch deutliche Rabatte für die Kunden, die Videos im Paket kaufen wollen: „Bullet In A Bible“, eine Zusammenstellung von 15 Live-Videos der Band Green Day, kostet 14,99 Dollar.
Wer 15 Clips einzeln kauft, zahlt bei iTunes sonst 29,85 Dollar. Die 14 Clips umfassende „Video Retrospective“ der Foo Fighters kostet 12,99 Dollar und die Video Collection „Fade To Red“ mit 21 musikalischen Kurzfilmen zu Songs von Tori Amos schlägt mit 24,99 Dollar zu Buche. Dieses Paket enthält zudem eine fast eineinhalbstündige Datei mit einem Audiokommentar zur Clipsammlung. Noch günstiger sind die Vingles: Das Musikvideo mit dem zugehörigen Song gibt es bei Apple für 1,99 Dollar. Erste Titel in diesem Bundle gibt es von John Legend, Nelly, den Pussycat Dolls oder Josh Turner.
Aber das ist erst der Anfang: „Künftig gibt es eigentlich keinen Grund, warum es nicht zu jedem Clip auch eine Vingle geben soll“, meint Eddie Cue, der als Vice President Applications bei Apple für das Marketing und die Entwicklung von iTunes zuständig ist. „Es gibt zwar nicht zu jedem Song ein Video, aber zu jedem Video einen Song. Und wir wollen damit in unserem Store die Vorteile des neuen Mediums nutzen.“ Diese digitalen Sonderformate seien zwar kein Ersatz für traditionelle Albumverkäufe, doch sie böten Labels die Möglichkeit, den Fans von etablierten Acts Premiumware zu verkaufen.






