Die europäischen Netzanbieter sind von den juristischen Drohungen der IFPI wenig begeistert. Eine Interessenvertretung der Provider erklärte, im Kampf gegen Filesharer müsste die Musikindustrie erst mit stichhaltigeren Beweisen aufwarten.
Michael Bartholomew, Generaldirektor der European Telecommunications Network Operators‘ Association (ETNO), wies die aktuellen Vorwürfe der Branche gegen Internetprovider entschieden zurück. IFPI-Chef John Kennedy hatte im Rahmen des in der vergangenen Woche vorgestellten Digital Music Reports angekündigt, vermehrt den Rechtsweg gegen alle ISPs beschreiten zu wollen, die sich sträubten, Netzpiraten den Onlinezugang zu kappen. Kennedy sprach in diesem Zusammenhang von einer Verschleppungstaktik der Netzanbieter.
Derlei Vorwürfe seien „ganz weit weg von der Realität“, sagte Bartholomew. „Juristisch gegen uns vorgehen zu wollen, wäre äußerst unangebracht.“ ISPs könnten ihren Kunden den Zugang zum Netz nur dann sperren, wenn eine richterliche Anordnung vorliegt. Und da seien die Datenschutzgesetze in der EU noch eher auf Seiten der Provider.
Doch bei der ETNO zeigt man sich auch kooperationsbereit. Der Netzanbieter Tiscali erklärte bereits, man sei für einen gemeinsamen Ansatz zu haben. Doch dafür müsse sich die Musikbranche noch mehr Zeit für Gespräche nehmen, die sicherstellen sollen, dass eine konzertierte Aktion sowohl praktikabel als auch legal unanfechtbar ist. Der Umgang mit diesen Filesharing-Fällen sei für die ISPs zeitaufwändig und bedürfe noch besserer Beweise der IFPI, bevor man zu härteren Maßnahmen gegen seine Kunden greifen werde, ließ Tiscali erklären.





