Einen Tag nach der Vorstellung des iPhone rätseln Experten, interessierte Beobachter und Laien über die Erfolgsaussichten der neuesten Apple-Entwicklung. Selten war das internationale Medieninteresse an einem Handy derart groß. Vor allem die musikalischen Fähigkeiten des Geräts und die Möglichkeiten zum direkten digitalen Konsum regen zu Diskussionen und Spekulationen an.
Angesichts der umfassenden technischen Ausstattung des iPhone wäre eine Funktion zum mobilen Download im iTunes Store machbar, doch bei der für Juni geplanten Markteinführung in den USA werden sich iPhone-Nutzer ihre Songs und Videos zunächst über eine Verbindung zum Rechner auf das Gerät laden müssen. Ein mobiler Over-the-Air-Download bei iTunes ist nicht vorgesehen. Das liegt einerseits daran, dass Apple den mobilen Datentransfer über ein Mobilfunknetz nicht kostengünstig – zumindest nicht für die gewohnten 99 Cents pro Titel – gestalten kann.
Ein weiterer Grund für die angezogene mobile Handbremse ist das in Bezug auf die verfügbare Bandbreite eher unterentwickelte Funknetz von Apples Mobilfunkpartner Cingular. Im Vergleich zu den mit transferbeschleunigenden Systemen wie EV-DO und HSDPA arbeitenden Mitbewerbern hinkt Marktführer Cingular beim Ausbau seines Breitbandnetzes merklich hinterher. Das derzeit verwendete EDGE-Konzept bringt es innerhalb des GSM-Netzes auf Verbindungsgeschwindigkeiten, die unterhalb von UMTS liegen und für eine zügige Übertragung von Soundfiles eher ungeeignet ist.
Doch die beim iPhone ebenfalls eingebaute WLAN-Tauglichkeit in Verbindung mit dem abgespeckten Betriebssystem Mac OS X und dem Web-Browser Safari könnte Nutzern zumindest theoretisch ermöglichen, sich Dateien online zu besorgen. Bei webbasierten Downloadshops wie eMusic – der obendrein iPod-verträgliche MP3-Dateien verkauft – sollte also ein Einkauf mit dem iPhone möglich sein.
Ob und wann Apple die mobilen Funktionen seines Multimediatelefons aufbohren wird, ist unklar. CEO Steve Jobs ließ durchblicken, dass eine Erweiterung hin zu UMTS oder schnelleren mobilen Verbindungen in der Zukunft machbar sei. Laut Informationen des „Wall Street Journal“ müssten die Plattenfirmen jedoch für einen mobilen Verkauf über iTunes zuerst die Rechte erteilen – ein möglicher Knackpunkt bei künftigen Nachverhandlungen über die Vertriebsrechte.
Kritiker des Zune-Players von Microsoft werden zudem gespannt darauf sein, ob sich iPhone-Besitzer auch musikalisch austauschen können. Unbeklärt ist nämlich noch, ob innerhalb des Einzugsbereichs eines WLAN-Hotspots Daten zwischen mehreren iPhones verschoben werden können. Mit FairPlay-geschützten AAC-Files aus dem iTunes Store dürfte das nicht gelingen. Doch DRM-freie MP3-Dateien, Fotos oder Kontaktdaten könnten sich unter Umständen auf diesem Weg austauschen lassen.





