Das Ansehen des Deutschen Schallplattenpreises Echo hat Gerd Gebhardt in den vergangenen Jahren kontinuierlich vermehrt. In seiner Funktion als Cheflobbyist der deutschen Musikbranche sprach er mit musikwoche.de über Echo und mehr.
musikwoche.de: Wird die diesjährige Echo-Gala wieder ein vierstündiges Marathon?
Gerd Gebhardt: Ich will doch sehr hoffen, dass sich bei den bisherigen Verleihungen niemand gelangweilt hat. Wir haben aber für heuer den Zeitrahmen gestrafft und alles ein wenig verkürzt. Wir planen diesmal mit zweieinhalb bis maximal drei Stunden. Das wird alle diejenigen, die Probleme mit ihrem Sitzfleisch haben, besonders freuen. Abgesehen davon muss man grundsätzlich aus jeder Veranstaltung und aus gemachten Fehlern lernen, weshalb wir uns bekanntlich bis heute immer wieder verbesserten. Der Deutsche Schallplattenpreis Echo ist ein lebendiges Ereignis, das sich jedes Jahr wandelt und fortentwickelt und sich an aktuelle Trends und Gegebenheiten anpasst.
mw: Wie waren Sie mit der After-Show-Party 2001 zufrieden?
Gebhardt: Die Location im Congress Centrum fanden wir für die Party in der Tat nicht so ideal. Deshalb haben wir sie jetzt in das nahe gelegene Palais am Funkturm verlegt. Und ein wenig Auslauf tut nach rund drei Stunden Sitzen jedem gut.
mw: Teilen Sie die Kritik, die letztes Jahr an den VIP-Bereichen laut wurde?
Gebhardt: Ja. Denn auch mir wurde teilweise der Zugang von breitschultrigen wichtigen Menschen verwehrt, da ich natürlich nicht für alle Anlaufstellen der einzelnen Firmen einen Pass hatte. Diesmal haben wir das geändert. Es gibt sie zwar wieder, die Anlaufstellen, jedoch ohne Pass.
mw: Hamburg hat sich im Vorfeld des diesjährigen Echos wieder als Veranstaltungsort ins Spiel gebracht. Wollen Sie auf dieses Werben eingehen, oder ist Berlin ein für allemal gebucht?
Gebhardt: Wir sehen diese Frage nicht dogmatisch, sondern bleiben offen und prüfen jedes Jahr von neuem das Für und Wider. Und letztlich muss das dann jeweils der Vorstand entscheiden.
mw: Was spricht für Berlin?
Gebhardt: Berlin stellt sich sehr positiv für uns dar. Letztes Jahr sind wir hier ins kalte Wasser gesprungen, aber wir hatten eine tolle Veranstaltung, die mit einem sensationellen TV-Ergebnis endete. Wenn es heuer wieder genauso läuft, warum sollten wir dann etwas an der Erfolgskonstellation ändern?
mw: Braucht die Branche die Nähe zur Politik in Berlin?
Gebhardt: Ja – wobei Echo nur einmal im Jahr stattfindet, die Nähe zur Politik aber jeden Tag notwendig ist.
mw: Ergibt sich im Umfeld des Echos die Chance zu informellen Gesprächen mit Politikern? Welche Punkte wären Ihnen als Cheflobbyist dabei besonders wichtig?
Gebhardt: Unsere Punkte sind mittlerweile klar. Peter Zombik und ich sind seit Monaten im Auftrag des Vorstands unterwegs, um an allen wichtigen Stellen der Politik unsere Forderungen zu hinterlassen, und das wird auch rund um den Echo so sein.
mw: Sehen Sie eine reelle Chance, dass sich zumindest in der Frage der digitalen Kopie noch vor der Bundestagswahl ein greifbares Ergebnis erzielen lässt?
Gebhardt: Unser vorrangigstes Ziel bleibt die Forderung „das Schützbare schützen und das Nichtschützbare vergüten“. Als Optimist glaube ich nach dem Besuch beim Bundeskanzler und nach vermehrten Besuchen im Justizministerium, dass wir dort auf verhältnismäßig große Sympathien für unsere Forderungen gestoßen sind.
mw: Was halten Sie von der Festsetzung einer Neuheitenquote im Radio, wie sie in der aktuellen Bundestagsdebatte ins Spiel gebracht wurde?
Gebhardt: Dies ist jedenfalls ein Ansatz, der sehr ernst diskutiert werden muss. Wenn ich sehe, dass in Frankreich die Quote für das nationale Produkt enorme Unterstützung gebracht hat, so denke ich, dass wir uns in Deutschland mit dem „Quotengedanken“ ernsthaft beschäftigen müssen. Eine Neuheitenquote wäre dabei sicherlich ein überlegenswerter Anfang.
mw: Stimmt es eigentlich, dass der Echo der „zweitgrößte Musikpreis der Welt“ ist?
Gebhardt: Ja, das betonen wir immer wieder, und es ist gut, dass die Öffentlichkeit diese Einschätzung inzwischen auch teilt. Wir sehen uns in einer Reihe mit den großen Musikpreisen dieser Welt, wobei der Grammy der Übervater bleibt.
mw: Die rund 2000 Karten, die in den freien Verkauf gingen, waren in wenigen Minuten ausverkauft. Aber viele Freischaffende aus der Branche und viele kleinere Firmen gingen im Vorfeld leer aus. Sehen Sie da ein Problem?
Gebhardt: Unser größter Wunsch wäre es, wenn alle dabei sein könnten. Wir wollen und dürfen niemand ausgrenzen. Letztlich gibt es aber nur eine begrenzte Anzahl von Karten, die entweder fürs Publikum oder innerhalb der Branche verteilt werden.
mw: Sollte man nicht schon jetzt den Vorverkauf für 2003 starten, zumindest in Form eines speziellen Kontingents für kleine Firmen? Gebhardt: Wir werden uns dieses Problems annehmen und hoffentlich zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis kommen.






