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Interview mit Franz Koch: „Die Besten gehören jetzt zu den Besten“

Mit dem Verkauf großer Teile seines Konzerns an Universal Music hat Franz Koch die Konsequenzen aus der schwierigen Situation des Musikmarktes gezogen. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutert er die Details.

musikwoche.de: Wie haben wichtige Koch-Partner und die Künstler auf die Nachricht reagiert? Franz Koch: Wir haben eigentlich nur zustimmende Äußerungen gehört. Das hat sicher viel mit der Tatsache zu tun, dass das Koch-Team erhalten bleibt und in der Lage sein wird, noch spezialisierter zu arbeiten.

mw: Wie lange haben die Verhandlungen gedauert? Koch: Die Kernverhandlungen fanden in der Zeit von Anfang November 2001 bis Ende Januar 2002 statt.

mw: Übernimmt Universal die einzelnen Koch-Firmen komplett zu einem vereinbarten Kaufpreis, oder behält Koch Anteile? Koch: Es handelt sich um eine hundertprozentige Übernahme zu einem vereinbarten Kaufpreis.

mw: Gab es bereits früher Kaufangebote? Koch: Immer wieder, und zwar von verschiedenen Interessenten.

mw: Was hat nun dazu geführt, dass Sie doch verkauften? Koch: Das Umfeld ist im Musikbereich rau geworden; für Brancheninsider ist das keine Neuigkeit. Es gilt in einer solchen Situation, neue Strukturen aufzubauen. Das erfordert aber einen langen Atem. Ohne Zweifel lässt sich jetzt sagen, dass die besten der Volksmusik- und Schlagernische nun zu den besten der gesamten Branche gehören. Denn das Führungsteam von Universal mit Jorgen Larsen und Boyd Muir, beide UK, sowie Tim Renner und Victor Antippas an der Spitze ist das mit Abstand engagierteste Management in der Musikbranche, das ich kennenlernen durfte. Hier gibt es klare Visionen, Entscheidungskraft, Begeisterung – alles Eigenschaften, die sonst leider häufig fehlen. Sie haben die Entscheidung für Universal stark beeinflusst.

mw: Die Presseerklärung vom 14. Februar erwähnte nicht, was mit Norbert Gubo und dem Team von Koch Classics geschieht. Wird die Abteilung nach Hamburg verlegt, wenn sie unter Christian Kellersmanns Leitung stehen soll? Oder bleibt sie in Planegg bei München? Koch: Es lassen sich mehrere Lösungsvarianten für diese Frage denken, und sie sind auch angedacht. Aber im Moment gibt es keine endgültige Entscheidung. Eine abschließende Klärung wird sich erst nach einer weiteren Strategiebesprechung mit beiden Seiten erreichen lassen.

mw: Personalabbau in Planegg oder Höfen soll mit der Übernahme nicht einher gehen. Heißt das, dass in Planegg mehr Aufgaben und Arbeit auflaufen, weil Polydor-Künstler dazu kommen? Koch: Wir freuen uns natürlich über die Übernahme der bisherigen Polydor-Aktivitäten in unseren Schwerpunktbereichen. Ein direkter Personalabbau in Verbindung mit der Übernahme ist in der Tat nicht angedacht. Aber Veränderungen in der Ausrichtung der Schwerpunkte und in der Aufgabenstellung sehr wohl.

mw: Werden Lager und Distribution in Höfen als Servicebetrieb für Universal weitermachen? Koch: Wir werden in Höfen den Service für Universal auch weiterhin durchführen.

mw: Ist es richtig, dass Universal 65 Mitarbeiter in Höfen übernimmt? Koch: Das stimmt so nicht ganz. Im reinen A&R-, Promo- und Marketingbereich sowie bei den Verlagen sind in Österreich insgesamt 65 Mitarbeiter betroffen, in allen anderen Ländern zusammen weitere 140 – und das bedeutet, dass letztlich 205 Mitarbeiter in die Verantwortung von Universal übergehen. Der Koch-Konzern hat aber weiterhin nahezu 800 Mitarbeiter – inklusive USA und ohne kdg.

mw: In der Presseerklärung steht, Universal übernimmt das „europäische Musikgeschäft von Koch International“. Das wären die Firmen Koch Music, Koch Records, Koch Classics, der Musikvertrieb, Koch Österreich, Koch Schweiz, die Tonstudios, die Musikverlage, der Direktversender Abella, Koch Polen, Koch Ungarn, Koch UK – fehlt noch was? Koch: Koch Benelux kommt noch hinzu. Und es geht um die Studios in München, Lienz und Elbigenalp.

mw: Umgekehrt heißt das, Koch Media, Koch USA, die Koch International AG mit Lager und Distribution in Höfen sowie die Druckerei Artpress und die Immobiliengesellschaften werden nicht von Universal übernommen. Ist diese Aufzählung vollständig? Koch: Bei Koch verbleiben neben den genannten Firmen noch Koch Canada, das Service Center in Höfen und die CIS Software AG, Hannover. Und neben der Immobiliengesellschaft bleiben auch alle anderen Immobilien im Koch-Besitz.

mw: Bleibt Koch International als Holding bestehen? Sind die Beteiligungen, wie die bei kdg, von der Übernahme betroffen? Koch: Die Koch International AG verbleibt ebenso bei uns wie die Koch Beteiligungs-GmbH, und auch die Beteiligung an der kdg ist nicht von der Übernahme betroffen.

mw: Warum hat Universal nicht auch Koch Media übernommen? Koch: Es ist doch nicht mein Ziel, meine Tätigkeit als Unternehmer gänzlich an den Nagel zu hängen.