Recorded & Publishing

Interview mit den Zombies

Nach 37 Jahren gibt es wiede eine reguläre neue Veröffentlichung der legendären Sixties-Band The Zombies. Mit dem neuen Studioalbum „As Far As I Can See“ knüpfen Keyboarder/Songwriter Rod Argent und Colin Bluntstone wieder an ihre große Zeit in den 60er Jahren an, als sie mit komplexen, aber eingängigen Pop-Songs wie „She’s Not There“ oder „Time Of The Season“ Musikgeschichte schrieben.

mw: Sie hatten mit „Out Of The Shadows“ 2002 ein Album veröffentlicht, das als ein gemeinsames Album von Rod Argent und Colin Bluntstone veröffentlicht wurde. Die neue CD erscheint jetzt wieder unter dem Zombies-Namen. Hat es sich wieder mehr nach einem richtigen Band-Album angfühlt?

Rod Argent: Das ist absolut richtig. Seitdem wir uns getrennt hatten – und das war bereits 1967 – haben wir uns widersetzt, uns jemals wieder die Zombies zu nennen, egal was wir passieren würde und obwohl danach auch immer wieder zusammengearbeitet haben. Aber dann vor drei Jahren war Colin zufällig im Publikum, als ich ein Wohltätigkeitskonzert gab und kam spontan auf die Bühne, um ein paar Songs mit mir zu singen. Danach haben wir ein paar Konzerte gespielt. Das lief alles so natürlich ab, als ob wir uns erst vor zwei Wochen getrennt hätten. Und irgendwann schlug Colin vor, doch auch einmal gemeinsam wieder im Studio zu arbeiten.

mw: Und daraus wurde dann „Out Of The Shadows“?

Argent: Richtig. Von den Songs, die ich zu dem Zeitpunkt bereits geschrieben hatte, suchte Colin diejenigen aus, die ihm gefielen und wir nahmen das Album auf, das dann Koch Records veröffentlichte. Es gab damals bereits Druck von kommerzieller Seite, uns wieder Zombies zu nennen, aber wir haben nein gesagt, denn es fühlte sich nicht nach den Zombies an. Es war eben ein Album von uns beiden, wie wir im Studio herum experimentiert haben – und nicht die Zombies. Auf das Album sind wir jedoch nach wie vor stolz und wir sind dann auch mit einer fantastischen Band auf Tour gegangen und haben in den vergangenen drei Jahre unzählige Konzerte gespielt.

mw: Und wie kam es dann zum Zombies-Album?

Argent: Wir sind dann im März 2003 ins Studio gegangen, um ein neues Album aufzunehmen, aber dieses Mal hatte ich Songs geschrieben, bei denen ich immer Colins Stimme im Hinterkopf hatte – genau so wie es früher war. Gleichzeitig hatten wir nun diese eingespielte Band, auch das habe ich beim Schreiben berücksichtigt. Aber wir wollten es immer noch unter dem Namen Rod Argent & Colin Bluntstone veröffentlichen. Dann haben wir uns jedoch die ersten Mixe angehört und plötzlich gemerkt, dass es dort eine echte Verbindung gab zu dem, was wir damals gemacht hatten. Das war vielleicht unvermeidbar, denn die selben Zutaten waren wieder da. Und zum ersten Mal fühlte es sich für uns beide ehrlich danach an, auf das Cover wieder The Zombies zu schreiben, auch wenn wir noch immer unsere beiden Namen dort ebenfalls aufführen.

mw: Dennoch gab es 1991 auf RCA ein Album mit dem Namen Zombies. Ist das so etwas wie ein dunkles Kapitel in Ihrer Vergangenheit?

Colin Bluntstone: Das war ein interessantes Projekt, aber im Grunde habe ich es nur gemacht, weil es damals eine Band gab, die unter dem Namen Zombies tourte und einige Aufmerksamkeit erregte, obwohl kein einziges Mitglied der echten Formation dabei war. Das hat uns sehr besorgt. Weil der Name Zombies jedoch nicht so geschützt war, wie wir dachten, gab man uns den juristischen Rat, wieder aktiv zu werden Dadurch taten sich ein paar von uns wieder zusammen und nahmen „The Return Of The Zombies“ auf.

Argent: Ich hatte damit nichts zu tun, auch wenn mich Chris White, unser Bassist gebeten hatte, auf einem Track als Gast zu erscheinen.

Bluntstone: Es waren hauptsächlich ich, Chris und Hugh Grundy, unserer Drummer, auch Paul Aitkenson spielte auf einigen Stücken Gitarre. Aber im nachhinein wäre es besser gewesen, diese falschen Zombies einfach weiter spielen zu lassen. Denn ich habe eine wundervolle Geschichte gehört, dass ein Fan, als sie in Amerika ein Konzert spielten, ein Gewehr auf sie gerichtet und gerufen haben soll: „Ihr seid nicht die Zombies!“ Dann drohte er abzudrücken und das stoppte sie. Das war eine so viel einfachere Lösung: wir hätten uns die ganzen rechtlichen Kram und das Album sparen können – einfach hingehen und drohen, sie zu erschießen. Und das machen wir auch, wenn noch einmal so eine Band auftaucht… (lacht).

mw: Der Oldie-Markt mit Oldie-Festivals blüht in Deutschland noch immer, obwohl dort viele Bands spielen, von denen beispielsweise nur noch der Drummer von der Originalbesetzung dabei ist. Hatten Sie auch Angebote für diese Art von Veranstaltungen?

Blunstone: Glücklicherweise brauchten wir sie nicht, wir hatten bereits neben einer großen US- und UK-Tour weitere Angebote, die wir abgelehnt haben.

mw: Zurück zum neuen Album, auf dem Chris bei drei Stücken Backing-Vocals singt. Wie kam es dazu?

Argent: Ich liebe es einfach, die Stimmen von Colin, Chris und mir zusammen zu hören. Aber er wollte kein Vollzeitmitglied sein. Er schreibt zwar noch immer Songs und produziert, hat als Musiker jedoch schon lange nicht mehr professionell gespielt. Und auch Hugh hat sich aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Und Paul, der ja nach dem Ende der Zombies viele Jahre als A&R-Manager für verschiedene Plattenfirmen gearbeitet hat, ist leider sehr krank (Anmerkung der Redaktion: er verstarb am 1. April 2004, wenige Wochen nach dem Interview).

Bluntstone: Wir haben im Februar ein Benefizkonzert für ihn gespielt, das war ein sehr bewegender Abend. Er ist mit uns noch einmal auf die Bühne gegangen, Brian Wilson ist ebenfalls aufgetreten, sowie viele Künstler, die Paul während seiner A&R-Zeit unter Vertrag genommen hatte: Mister Mister, Patti Smythe und xxxxxxxxxxxxxxxxx.

Argent: Es wäre aus diesen Gründen einfach nicht praktikabel gewesen, unsere alten Kollegen wieder zu involvieren. Und wie ich bereits gesagt habe, passierte die ganze Geschichte mit mir und Colin auf so eine natürliche Weise, als wir wieder zusammen kamen ohne die erklärte Absicht, jetzt wieder die Zombies zu reformieren. Wir haben nie daran gedacht, die alten Freunde wieder hinzuzuholen, da wir in der aktuellen Band so viel Spaß und einfach ein sehr gutes Gefühl dabei hatten. Um ehrlich zu sein: Die neue Besetzung ist unsere Version der Zombies. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Chris und auf ein paar Konzerten als Gast auftritt. Zudem planen wir, das gesamte „Odessey & Oracle“ wieder aufzuführen. Und das wird ein Rückblick, für den wir ihn einfach brauchen, da seine Stimme einfach in diese Gesangssätze gehört.

mw: Haben Sie einen künstlerischen Druck verspürt – mit einem Album wie Odessey und all den anderen Meisterwerken in Ihrem Katalog?

Bluntstone: Da ist überhaupt kein Druck. Der Gedanke an das, was vorher war, kam mir bei den Aufnahmen niemals in den Sinn. Denn mit jedem neuen Album ist es wie mit einer unberührten Leinwand. Man fängt immer wieder völlig von vorn an. Ich frage mich viel mehr, ob wir dieses Mal ein gutes Album schaffen, aber das geht nur bis zu jener weißen Leinwand zurück. Was davor liegt, interessiert mich nicht.

Argent: Dem kann ich nur zustimmen. Wir haben schon immer unsere Energie daher bekommen, nach vorn zu schauen.