Recorded & Publishing

Indie-Spezialist bedient Fans am Prenzlauer Berg

Für Berliner Fans von Punk, Ska und Rock’n’Roll zählt VoPo Records am Prenzlauer Berg zu den allerersten Adressen. Firmengründer Henry Voss fand in diesem Repertoirebereich eine Nische, die auch in schwierigen Zeiten funktioniert.

Obwohl VoPo Records auf dem Gebiet der früheren DDR liegt, hat der Name nichts mit der Geschichte zu tun: Er setzt sich aus den Nachnamen der beiden Gründer Henry Voss und Knut Pommeter zusammen. Inzwischen ist Voss alleiniger Besitzer des 100 Quadratmeter großen Geschäfts an der Danziger Straße, das er mit Freundin Jeannette Unterdörfer betreibt. Am 1. Mai 1991 öffnete VoPo Records zunächst in der Lychener Straße seine Pforten. Zuvor musste Voss jedoch bei den Geldinstituten vorsprechen: „Vier Banken hatten gar kein Interesse. Die Deutsche Bank wollte mir dann zwar keine 50.000 Mark bewilligen, aber sie gab mir 30.000 Mark. Fünf Jahre später hatte ich den Kredit zurückgezahlt.“ Voss kannte seinen Kiez und wusste, was seine Kunden hören wollten. „Damals hatte ich zur Hälfte CDs, zur anderen Hälfte Vinyl.

Musikalisch setzte ich hauptsächlich auf Indies wie EFA, SPV und Rough Trade. Zu der Zeit war es aber auch noch kein Problem, mit den Majors zu arbeiten. Repertoirewissen hatte ich bereits, und die ersten Kenntnisse über den Geschäftsbetrieb habe ich mir von anderen Plattenhändlern besorgt. Ich bin herumgefahren und habe gefragt.“ Der 35-Jährige studierte zuvor Kulturwissenschaft in Meißen und absolvierte ein Praktikum beim DDR-Jugendsender DT 64. Nach der Wende sprang er ins kalte Wasser des Unternehmertums: „Ich war halt jung und naiv“, schmunzelt er. VoPo Records ist auch heute noch ein guter Kunde der Indie-Firmen und des niederländischen Großhändlers Bertus. „Inzwischen liefert Bertus pünktlich und ist billiger als viele Majors. Auch Vinyl-LPs beziehe ich über Bertus, obwohl die deutschen Major-Firmen inzwischen wieder anfangen, Vinyl zu pressen. Leider sind die Preise meist ziemlich hoch, aber immerhin gibt es die Ware wieder.“

Mit der Umsatzentwicklung ist er zufrieden. „Ich habe mich jedes Jahr steigern können. Auch in diesem Jahr läuft es – trotz Euro – sehr gut. Ich bin flexibel: Wenn ich eine Nische erkenne, springe ich hinein.“ Die Mittel des Einzelhändlers sind dennoch knapp: „In so einem kleinen Laden muss man eine Vorauswahl treffen. Außerdem führe ich viel Backprogramm, das geht besonders gut bei der Laufkundschaft, die ungefähr 40 Prozent ausmacht.“ Ein Sommerloch kennt er nicht, in dieser Jahreszeit durchstreifen Touristen den Prenzlauer Berg und nehmen die eine oder andere CD mit. Kritische Beratung gehört ebenfalls zum Service bei VoPo: „Wenn eine Platte mies ist, dann sage ich das auch.“ Die Arbeitsdevise des Rock-Kenners ist eisern: „Du musst das ganze Geld, das du verdienst, wieder in den Laden stecken, um aktuell zu sein. Und du musst immer 100-prozentig dabei sein, sonst wird det nüscht.“