Nachdem die Impala mit ihrem Einspruch gegen die Fusionsgenehmigung für Sony BMG Music Entertainment erfolgreich war, prüft der Independentverband nun auch ein ähnliches Vorgehen im Fall eines weiteren Deals. Sollte BMG Music Publishing an die Majorkonkurrenz verkauft werden, müsse die EU besonders genau hinsehen.
Das zumindest berichtet die „New York Post“ unter Berufung auf interne Quellen. Mit diesem Vorgehen wollten die kleinen und mittelständischen Musikfirmen Europas offenbar Druck auf Bertelsmann ausüben. BMG Music Publishing solle nicht an einen der direkten Mitbewerber Universal, EMI, Warner oder Sony verkauft werden, um eine Marktkonzentration im Verlagsgeschäft auszuschließen.
Gegen eine Übernahme des Bertelsmannverlags durch Investmentbanken oder Beteiligungsgesellschaften würden sich die Indies indes nicht wehren. Beim VUT in Berlin und bei der Impala-Vertretung in Brüssel zeigten sich die Verantwortlichen auf Nachfrage von MusikWoche allerdings überrascht. Es gebe in dieser Angelegenheit noch keine verbindliche Position der Indievertretung. Das Thema werde intern noch geprüft, erklärten Impala-Generalsekretär Philippe Kern und VUT-Geschäftsführerin Eva Kiltz.
Mit ihrer unnachgiebigen Haltung gegen Monopolbildung in der Musikwirtschaft hatten die unabhängigen Firmen am 13. Juli vor dem zweithöchsten Gericht der EU die Annullierung der Mergererlaubnis für Sony Music und BMG erwirkt. Auch ein Zusammenschluss von EMI und Warner Music liegt vorerst auf Eis. Sollte demnächst einer der Majorverlage den Zuschlag für BMG Music Publishing erhalten, entstünde je nach Käufer ein Unternehmen mit einem Weltmarktanteil zwischen 25 und 32 Prozent.
Offizielle Zahlen liegen nicht vor, doch eine Marktanalyse von Morgan Stanley schätzt BMG auf 12,5 Prozent Anteil am Verlagsgeschäft, auf gleichem Niveau bewegt sich Universal Music Publishing. Warner/Chappell kommt demnach auf 15,5 Prozent, Marktführer ist EMI Music Publishing mit 19,7 Prozent. Sony/ATV – ohnehin ein unwahrscheinlicher Aufkäufer – kommt lediglich auf 7,4 Prozent. Ein Bertelsmannsprecher erklärte zu den aktuellen Gerüchten lediglich, dass das EU-Urteil keinen Einfluss auf die laufende Versteigerung von BMG habe.
Neben den Majors gibt es ganze Reihe von potenziellen Kandidaten, denen Interesse an der BMG-Übernahme nachgesagt wird: Elevation Partners, die Beteiligungsfirma von U2-Mann Bono und dem ehemaligen Warner/Chappell-Chef Les Bider, BMG-Chairman Nicolas Firth und eine Buyout-Alllianz unbekannter Investoren, der Viacom-Konzern mitsamt seiner Musikverlagstochter Famous, der scheidende EMI-Verlagschef Martin N. Bandier zusammen mit solventen Bankern, die Hedge Funds Cerberus Capital Management und Apax Partners sowie eine Gruppe um die Equity-Firma GTCR Golder Raunder, den ehemaligen Warner-Music-Chef Roger Ames und den früheren EMI-Nordamerikachef Charles Koppelman.





