musikwoche.de: Wann haben Sie die Rechte am Namen Rough Trade wieder zurückbekommen?
Geoff Travis: Ungefähr vor neun Monaten. Als Anfang der 90er Jahre die Firma zusammenbrach, haben wir die Rechte daran verloren.
mw: Gab es während dieser elf Jahre eine Zeit, in der sie die Hoffnung aufgegeben haben, den Namen wieder verwenden zu dürfen?
Travis: Um ehrlich zu sein, es gab eine Phase, in der ich meine Anstrengungen in dieser Richtung sehr zurückschraubte. Das Gute war, dass niemand anderes ein richtiges Interesse hatte, mit dem Namen etwas anzufangen. Wir haben dann Ende der 90er Jahre begonnen, auf dem Label Tugboat neue Platten zu veröffentlichen. Das war auch die Zeit, in der mich immer mehr Leute darauf ansprachen, warum ich nicht die Rechte am Namen Rough Trade zurückholte. Ich bin nicht besonders nostalgisch veranlagt und finde es immer besser, neu anzufangen, als sich auf alten Dingen auszuruhen. Aber die Symbolkraft eines eingeführten Namens ist nicht zu unterschätzen.
Und so griff ich jetzt zu und holte mir die Rechte zurück. Da ich seit 18 Jahren auch damit beschäftigt bin, das Label Blanco Y Negro, das zum Warner-Konzern gehört, zu betreiben, gab es in meinem Leben eigentlich keine Phase, in der Musik nicht die erste Rolle gespielt hat. Und wenn sich jetzt viele Leute freuen, dass ich wieder im Geschäft zurück bin, dann wissen sie offensichtlich nicht, dass mein Leben in den letzten 20 Jahren nicht nur aus Rough Trade bestanden hat.
mw: Wird es da in Zukunft nicht oft einen Interessenkonflikt geben, welche Band auf welchem Label ihre Platten veröffentlichen soll?
Travis: Nein, das glaube ich nicht. Die Entscheidung ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Das liegt nicht zuletzt auch an der Band, die wissen muss, wie sie ihre Musik präsentieren will. Auf einem Majorlabel hat man ganz andere Verpflichtungen, als wenn man seine Platte auf einem kleinen Independentlabel herausbringt.
mw: Letzes Jahr hat Rough Trade in England mit der Veröffentlichung des ersten Albums der Strokes einen Charts-Hit gelandet. Wie wichtig war dieser Erfolg, um den Namen des Labels auch einer neuen Generation von Musikhörern nahezubringen?
Travis: Es ist ein gutes Omen, mit einem so großen Erfolgserlebnis zu starten. Das erleichtert doch viele Dinge. Ich hoffe, das war erst der Anfang und wir haben noch viele ähnliche Platzierungen zu verzeichnen.
mw: In Deutschland wird der Rough-Trade-Katalog jetzt von Sanctuary vermarktet. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Travis: Erst einmal bin ich wirklich froh, beim Vertrieb wieder mit Heino Drecker und Kurt Thielen (Zomba) zusammenzuarbeiten, die ja beide lange Jahre die deutsche Niederlassung von Rough Trade geleitet haben. Es ist schön, nach so langer Zeit wieder auf alte Freunde zu treffen. Der Vertrag mit Sanctuary hat verschiedene Vorteile. Einer davon ist, dass wir jetzt auch wieder Platten in Amerika veröffentlichen können. Wir haben gerade ein Büro in New York eröffnet und werden auch dort versuchen, denNamen wieder bekannt zu machen.






