“Diese Zahlen sind enttäuschend, kommen aber nicht unerwartet“, kommentierte IFPI-Chairman Jay Berman bei der Bekanntgabe der Halbjahresbilanz am 10. Oktober in London. „Die Musikindustrie befindet sich in einer Umbruchsphase, in der das weitverbreitete Brennen von CD-Rs und Downloads aus dem Internet die Verkäufe weiterhin negativ beeinflussen.“ Das Geschäft mit Tonträgern brach nach Umsätzen im ersten Halbjahr 2002 weltweit um 9,2 Prozent ein. Nach verkauften Stückzahlen verzeichnete die IFPI sogar ein Minus von 11,2 Prozent. Bei der Halbjahresbilanz 2001 verbuchte die Tonträgerbranche noch ein Umsatzminus von fünf und ein Absatzminus von 6,7 Prozent. Der Abschwung im Musikgeschäft hat sich demnach deutlich beschleunigt. Unter dieser Entwicklung leiden fast alle großen Musikmärkte: Neun der zehn weltgrößten Tonträgernationen mussten Umsatzeinbußen hinnehmen. Selbst in Großbritannien kehrte sich der bis zum Jahreswechsel positive Trend nun mit einem Minus von mehr als fünf Prozent nach Stückzahlen und von mehr als sechs Prozent nach Umsätzen um. Die größten Einbrüche nach Umsätzen gab es unter den zehn größten Musikmärkten in Mexiko mit 15 Prozent, in Deutschland mit 14,4 und in Japan mit 14,2 Prozent.
Schlechter als der internationale Durchschnitt fielen auch die Umsätze in Kanada, Spanien und Italien aus. Aus den Top-Ten wies einzig Frankreich ein Plus nach Umsätzen von 5,2 Prozent und nach Stückzahlen von 3,6 Prozent aus. Damit verdrängte Frankreich in der Reihenfolge der international umsatzstärksten Märkte Deutschland von Rang vier auf Platz fünf. Dabei lagen die Umsätze in Frankreich um rund 57 Millionen Dollar über denen in Deutschland, obwohl hier zu Lande rund 20 Millionen Tonträger mehr verkauft wurden als im Nachbarland. In Europa weist neben Frankreich nur Schweden Zuwächse aus: Obwohl dort allerdings die Zahl der verkauften Tonträger um gut sieben Prozent stieg, verzeichnete das Land nach Umsätzen nur ein Plus von 0,7 Prozent. Mit einem Marktvolumen von rund 114 Millionen Dollar rangiert Schweden in der IFPI-Statistik auf Rang zwölf. Nach IFPI-Angaben profitierten Frankreich und Schweden von starken Verkäufen heimischer Produktionen.
Im Tonträgergeschäft in Westeuropa traf es Dänemark und Spanien am härtesten: Die Dänen müssen Umsatzrückgänge in Höhe von 22 Prozent und ein Absatzminus von 25,7 Prozent verkraften, die Spanier bei einem Absatzminus von 23 Prozent immerhin noch einen Umsatzrückgang von mehr als elf Prozent. Zur aktuellen Halbjahresbilanz steuerten die CD-Alben insgesamt ein Absatzminus von sieben Prozent bei, die Verkäufe von CD-Singles gingen gar um 17 Prozent zurück. Die Zahl der verkauften MCs brach um weitere 31 Prozent ein.
Dagegen zeigen die von der IFPI erstmals ermittelten Zahlen für Musikvideos teils interessante Zuwächse, meist im zwei-, manchmal sogar im dreistelligen Prozentbereich. Der deutsche Markt rangiert im Segment Musikvideo zwar nach Umsätzen ebenfalls nur auf Rang fünf, die nationale Zuwachsrate ist mit 100 Prozent aber nach den Niederlanden mit 211 Prozent und Brasilien mit 157 Prozent die dritthöchste. Laut IFPI hat sich die Zahl der verkauften Musikvideos auf DVD im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im internationalen Durchschnitt mehr als verdoppelt. Am stärksten wuchsen die Märkte in Europa und in der Region Australasia. Obwohl auch in Nordamerika die Zuwachsraten für DVDs im Bereich Musikvideo bei mehr als 60 Prozent lagen, konterkarierten Einbrüche bei den traditionellen VHS-Kassetten diesen Trend.
Erfreuliche Zahlen vermeldete die IFPI dagegen für die Formate DVD-Audio und SACD, die der Branchenverband erst seit dem vergangenen Jahr verfolgt: Hier stieg die Zahl der weltweit verkauften Exemplare von 600.000 Stück im gesamten Jahr 2001 bereits zur Jahresmitte auf 700.000 Einheiten, obwohl die Formate längst nicht in allen Nationen präsent sind. In den meisten Märkten lagen die Zuwachsraten bei rund 200 Prozent, in Deutschland immerhin bei 100 Prozent.
“ Ausführlicher IFPI-Bericht (pdf-Format)






