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HMV rückt von Hochpreismodell ab

Rückgänge bei Umsatz und Ertrag führen bei HMV zum Umdenken: Ab September 2006 will das Unternehmen ein einfacheres Preismodell einführen – oder auch einfach günstiger werden. Weitere Ansatzpunkte sind das Online- und das Games-Geschäft.

Die aktuelle Jahresbilanz mit Rückgängen bei Umsatz und Ertrag führt bei der international agierenden HMV Group zum strategischen Umdenken: Ab September 2006 will das Unternehmen ein einfacheres Preismodell einführen – oder auch einfach günstiger werden. Das zumindest kündigte der zum Jahreswechsel scheidende Konzernchef Alan Giles bei der Präsentation der Bilanz für das Ende April abgelaufene HMV-Geschäftsjahr an.

Die Umsätze des Unternehmens seien in den 52 Wochen bis zum 29. April um zwei Prozent auf knapp 1,83 Mrd. Pfund oder umgerechnet rund 2,63 Mrd. Euro gesunken. Flächenbereinigt lag das Minus gar bei 5,6 Prozent. Noch deutlicher bergab ging es bei den Gewinnen: Vor Steuern und Sondereinflüssen fuhr der Handelskonzern mit Erträgen von 98,2 Mio. Euro oder 141,4 Mio. Euro ein Minus von 20,7 Prozent im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr ein.

Auch der Beginn des neuen Geschäftsjahrs lief offenbar nicht ganz nach den Vorstellungen des Unternehmens: „Wie erwartet blieb das Umfeld in den ersten paar Wochen des neuen Fiskaljahres schwierig“, räumte Giles ein. In den ersten neun Wochen bis zum 1. Juli habe das Umsatzminus flächenbereinigt bei 10,1 Prozent gelegen. Dennoch mache HMV im Rahmen seines Zweijahresplans gute Fortschritte. Er freue sich nun auf das Weihnachtsgeschäft und darauf, den Konzern weiterhin zu einem Multi-Channel-Retailer der Weltklasse umzumodeln – einen neuen CEO als Nachfolger Giles‘ konnte HMV wie erwartet noch nicht präsentieren.

Im Heimatmarkt UK & Ireland büßte HMV nach eigenen Angaben erstmals Marktanteile ein. Grund seien die Preiskämpfe mit SB-Märkten und Onlinehändlern, sagte Carl Symon, Non-Executive Chairman des Unternehmens. Darauf will HMV nun mit neuen Preismodellen für Charts- und Katalogware bei CDs und DVDs reagieren. Erste Testläufe an ausgewählten Standorten hätten bereits zu Umsatzzuwächsen von mehr als acht Prozent im Vergleich zu anderen HMV-Standorten geführt. Seinen Rückzug vom deutschen Markt hatte HMV einst noch mit dem harten Wettbewerb und der mangelnden Bereitschaft der Kunden begründet, für ein Fachhandelsangebot angemessene Preise zu zahlen.

Weitere Ansatzpunkte für künftiges Wachstum sieht die Kette im Ausbau des Online- und des Games-Geschäfts, wobei HMV vor allem im Zuge der Markteinführung neuer Konsolen profitieren will. Symon nannte die bisherigen Ergebnisse in diesem Bereich „ermutigend“, HMV habe bereits jetzt Marktanteile hinzugewinnen können.

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