Die aktuelle Misere bei der HMV Group könnte in Kürze zu Liquiditätsproblemen führen. Angeblich plant die britische Facheinzelhandelskette die Ausgabe weiterer Aktien oder die Kürzung der eigentlich zugesagten Dividende.
Das Unternehmen braucht trotz der angekündigten Sparpläne erhebliche Geldmittel, um die laufenden Betriebskosten zu decken. Vor allem die Ausgaben für Mieten werden auf absehbare Zeit nicht weniger werden. Laut einem Bericht der „Times“ sind die Pachtverträge von HMV durchschnittlich auf eine Laufzeit von 15 Jahren ausgelegt. Sollte HMV vorzeitig kündigen wollen, fallen hohe Ausfallsummen an. Daher wird die Schließung von 30 Waterstone’s-Filialen die Bilanz mittelfristig kaum verbessern.
Goldman Sachs schätzt, dass HMV im laufenden Jahr gut 165 Millionen Pfund (umgerechnet mehr als 243 Millionen Euro) an Mieten zu tragen hat. Die Investmentbank geht daher davon aus, dass der Händler seine ursprünglich versprochene Dividende in Höhe von 1,80 Pfund pro Aktie deutlich kürzen wird, um flüssig zu bleiben und nicht gegen die Auflagen seiner Banken zu verstoßen. Aber auch eine Kapitalerhöhung sei denkbar.
Die Kreditvereinbarungen der HMV Group sehen vor, dass alle Fixkosten durch das Ebitdar – den Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen, Amortisierung und Miete – mit dem Faktor 1,5 gedeckt sein müssen. Derzeit kommt HMV auf eine Deckung mit Faktor 1,58. Zudem summieren sich die Nettoschulden auf ein Fünffaches des Ebitdar.
HMV hatte vor einer Woche seine zweite Gewinnwarnung innerhalb von drei Monaten abgegeben. CEO Simon Fox will mit einem Sanierungsplan bis 2010 jährlich 40 Millionen Pfund einsparen. An der Londoner Börse gab die HMV Group indes weiter nach: Nach der Gewinnwarnung sank der Kurs noch auf knapp über 130 Pence, am 20. März schloss das Papier mit nur noch 115 Pence.






