Recorded & Publishing

Hille Hillekamp verstärkt die Indie-Kontakte

Mit einem New-Age-Produzenten betritt Hillekamps Verlag Grand H Neuland, während er sich mit seinem angestammten Pop- und Dance-Repertoire weiterhin in den Top Ten der Publisher hält. Die Marktlage zwingt jedoch zur Umorientierung.

Die Branchenkrise habe mittlerweile auch das Verlagsgeschäft erreicht, klagt Hille H. Hillekamp, Geschäftsführer des 1987 gegründeten Verlags Grand H Music und der später hinzugekommenen Firma Little H Music & Media. „Weil die großen Plattenfirmen ihren Künstlerstamm derzeit in einigen Fällen auf die Hälfte heruntertrimmen, kaufen sie immer weniger Songs ein.“ So sei es schwieriger geworden, die von Grand H verlegten Songs zu platzieren.

„Das Verhalten der Majors kann ich nicht nachvollziehen, denn neue Songs sind doch die Lebensader für die Musikindustrie. Und was man heute einkauft, ist das Geld von morgen.“ Aber auch tiefer greifende Änderungen hätten das Verlagsgeschäft umgekrempelt, seitdem Hillekamp 1981 bei Intersong anfing. „Damals haben wir viel mehr Geld mit mechanischen als mit den Aufführungsrechten verdient. Das hat sich heutzutage verlagert, nicht zuletzt wegen der Privatsender, aber auch wegen der Klingeltöne.“ Allerdings sei der Ringtones-Markt, so Hillekamp, „kein Geschäftsmodell für eine längerfristige Zukunft, sondern nur eine vorübergehende Welle“.

Er arbeitet vorrangig mit den Kreativen im Dance-Segment, bewegt sich aber auch in allen Facetten von Pop bis MOR. Zudem betreut Hillekamp den amerikanischen New-Age-Komponisten Michael Hoppe, dessen Album „Solace For You“ in Deutschland bei edel erschien und in den USA für einen Grammy nominiert war. Hillekamp mag nicht in den verbreiteten Pessimismus einstimmen: „Irgendwoher kommt irgendwann immer ein Hit, denn die Kreativen bleiben nicht stehen, auch wenn es mal eine schlechte Phase gibt. Im vergangenen Jahr haben alle gesagt, Dance sei tot – so ein Schwachsinn.“ Aus diesem Grund habe er zuletzt viel stärker mit Indie-Firmen zusammengearbeitet. „Das funktioniert wunderbar. Denn die Indies sind die Nutznießer der derzeitigen Lage. Die Großen stagnieren, weil sie nicht können oder dürfen – und die Kleinen agieren.“

Jetzt freut sich Hillekamp über das Resultat seiner Bemühungen: das gute Abschneiden in der Verlagsauswertung von Media Control. „Auch wenn die Liste nur die Charts-Präsenz widerspiegelt, bin ich als kleiner Verleger über diesen Erfolg sehr froh“, kommentiert Hillekamp den elften Platz in der Jahresauswertung 2003 sowie im ersten Quartal 2004. Zählt man „Copyright Control“ und „diverse Verlage“ nicht mit, so ergibt sich sogar ein neunter Platz für den von Warner/Chappell administrierten Verlag, der 2003 unter anderem mit Seal und t.A.t.U. punktete.