Der US-Downloaddienstleister MusicNet besitzt keine mechanischen Lizenzen der amerikanischen Urheber mehr. Die Harry Fox Agency (HFA) hat dem Lieferanten von Downloadhändlern wie Yahoo! Music, HMV, MTV, Virgin, MusicGremlin oder iMesh die Rechte für sogenannte interaktive Streams entzogen. Die Urheberrechtsgesellschaft begründete diesen Schritt damit, dass der Verband Digital Media Association (DiMA), der für Firmen wie MusicNet oder Apple als Interessenvertretung in Tarifverhandlungen geht, es versäumt habe, einen verbindlichen Vergütungsvorschlag für Streams einzureichen.
Vor dem Copyright Royalty Board, einer staatlichen Schlichtungsstelle, hinterlegen Urheber und Verwerter derzeit ihre Vorstellungen für eine angemessene Vergütung der verwendeten Rechte. In den kommenden Monaten soll dann über die Höhe der künftigen Tantiemensätze entschieden werden.
Im Fall von MusicNet muss zudem rückwirkend eine Lösung gefunden werden: Der Vertriebsdienstleister war einst als Gemeinschaftsunternehmen von BMG, EMI, Warner und RealNetworks gegründet worden und fiel daher unter eine Lizenz, die die RIAA mit der HFA im Jahr 2001 ausgehandelt hatte. Im April 2005 wurde MusicNet jedoch an die Investmentfirma Baker Capital verkauft, die Tonträgerfirmen stießen damit ihre Beteiligungen ab und laut HFA erlosch gleichzeitig die bestehende Lizenzvereinbarung, da keine RIAA-Mitglieder mehr mit MusicNet assoziiert waren.
In dem sich nun abzeichnenden Streit mit den Urhebern wird vermutlich auch die Frage zu klären sein, ob Verwerter wie MusicNet bei einer Nutzung von Musik in Form von Streaming überhaupt Tantiemen für mechanische Vervielfältigung abführen müssen. Nach Ansicht der DiMA-Fraktion handelt es sich ja schließlich nur um eine Wiedergabe, die mit einer Aufführungstantieme abgegolten sein sollte. Egal, wie diese Auseinandersetzung endet: Für MusicNet und seine Kunden könnte das Fehlen einer Lizenz zunächst zu Urheberrechtsklagen von Musikverlagen führen.





