Recorded & Publishing

Harvard-Forscher rät zu Kooperation mit P2P-Netzen

Die Autoren einer in der Musikindustrie umstrittenen Harvard-Studie, wonach P2P-Netzwerke den Verkauf von Tonträgern nicht negativ beeinflussen, rücken von ihren Ergebnissen nicht ab. Statt dessen empfehlen sie der Branche einen Strategiewechsel.

Die Autoren einer in der Musikindustrie umstrittenen Harvard-Studie, wonach P2P-Netzwerke den Verkauf von Tonträgern nicht negativ beeinflussen, rücken von ihren Ergebnissen nicht ab. Stattdessen empfehlen sie der Branche einen Strategiewechsel. Prof. Felix Oberholzer-Gee von der Harvard Business School und Koleman Strumpf von der University of North Carolina bezweifeln weiterhin, dass die Hauptklientel der P2P-Dienste, die Teenager und College-Kids mit wenig Geld und viel Zeit, tatsächlich als CD-Käufer verschwunden sind. Ihre Ansicht: Sie hätten die CDs auch ohne P2P aus Geldmangel nicht gekauft. Die Zahlen des ersten Halbjahres bestätigten dies: Während die Nutzerzahlen in den P2P-Netzwerken weiter gestiegen sind, zeigten auch die Verkaufszahlen der US-Branche wieder nach oben. Selbst die RIAA, die das Ergebnis der Harvard-Untersuchung zunächst heftig kritisiert hatte, habe ihre Ansicht inzwischen in Teilen revidiert, so Oberholzer-Gee in einer Veröffentlichung von „Harvard Business School Working Knowledge“. Vielmehr spreche die RIAA nun nur noch davon, dass Filesharing ein Grund neben anderen für die Probleme der Branche sei. Laut den Forschern sollten Plattenfirmen erwägen, die P2P-Netze zu Promotionzwecken zu nutzen. Ihre Studie belege, dass überwiegend Top40-Material heruntergeladen wird. Dies lege den Schluss nahe, dass P2P ähnlich genutzt wird wie Radio. Die Labels sollten dies als Marketingtool in Betracht ziehen. Gerade Nutzer jenseits der 25 ließen sich von den Lieblingssongs, die sie downloaden, zum Kauf der ganzen CD animieren. Den Kampf gegen die Nutzer der P2P-Netze bezeichnet Oberholzer-Gee als aussichtslos. Potenzielle Kunden zu verklagen sei kein Lehrstück in Sachen Customer Relation Management sondern eher Ausdruck von kurzsichtiger Panik.

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