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Handel und Politik drängen auf Ende der Steuerbefreiung für Kanalinseln

In Großbritannien erhöht sich der politische Druck auf die Regierung: 10 Downing Street solle endlich etwas gegen die von der Mehrwertsteuer befreiten Importe von den Kanalinseln unternehmen, bevor der Mittelstand vollends „mit dem Rücken zur Wand“ stehe.

In Großbritannien erhöht sich der politische Druck auf die Regierung: 10 Downing Street solle endlich etwas gegen die von der Mehrwertsteuer befreiten Importe von den Kanalinseln unternehmen, bevor der Mittelstand vollends „mit dem Rücken zur Wand“ stehe, fordert der Labour-Abgeordnete Jim Sheridan, der das Thema bereits im Unterhaus in die Debatte einbrachte. Onlinehändler wie Amazon, Tesco oder HMV sollten gezwungen werden, dieselben Mehrwertsteuern zu bezahlen wie stationäre Händler in Großbritannien.

Aufgrund eines EU-Vertrags aus dem Jahr 1983 sind Wareneinfuhren in die EU mit einem Wert unter 18 Pfund (rund 27 Euro) von einer Besteuerung ausgenommen. Die Kanalinseln Guernsey und Jersey beherbergen diverse Distributionslager von großen Handelsketten und E-Tailern. Weil Guernsey und Jersey weder Teil des Vereinigten Königreichs noch Kronkolonien sind, sondern direkt der britischen Krone unterstellt sind, werden sie von der EU wie Nichtmitglieder behandelt. Wer als Händler in UK also seine Waren von dort liefern lässt, kann sich und seinen Kunden die 17,5-prozentige Mehrwertsteuer ersparen.

Dieses Verfahren habe inzwischen dazu geführt, dass viele kleine und mittlere Unternehmen vor dem Aus stehen, erklärte Sheridan und führte als Beispiel einen Händler aus seinem Wahlkreis an, der befürchtet, dass er in den kommenden fünf Jahren Insolvenz beantragen muss, wenn der benachbarte Supermarkt weiterhin CDs und DVDs billiger verkaufen kann, als er für die gleichen Produkte im Einkauf bezahlt. Finanzstaatssekretärin Dawn Primarolo habe zwar versichert, dass die Regierung das Thema in Angriff nehmen wolle, aber Sheridan geht es nicht schnell genug. Dem Fiskus entgingen durch die Steuerbefreiung der Inseln jährlich 85 Millionen Pfund Einnahmen und das Forum for Small Business klage unablässig, dass viele seiner Mitglieder „mit dem Rücken zur Wand“ stehen.

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