Recorded & Publishing

Halbjahreszahlen: Immer noch kein Licht am Ende des Tunnels

Die Talfahrt der deutschen Tonträgerbranche hat sich
im ersten Halbjahr 2003 fortgesetzt und sogar noch an Geschwindigkeit zugelegt. Ein Absatzminus von 16,3 Prozent sorgte nach der Bekanntgabe durch den Bundesverband Phono auf der Popkomm. für besorgte Mienen.

“Die ungebremste Zunahme massenhafter digitaler Musikkopien ist der Hauptgrund für das erneute Umsatzminus. Hinzu kommt die Wirtschaftslage am Rande einer Rezession“, erklärte Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. Ein wenig Hoffnung versprechen allein DVDs, neue Formate wie SACD und ein gestiegener Anteil nationaler Produktionen bei Singles und Longplay. Doch der Gesamtmarkt ist düster: Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 80,4 Mio. Ton- oder Bildtonträger verkauft, im Vorjahreszeitraum waren es noch 96,1 Mio. Stück. Am gravierendsten gingen die Verkaufszahlen bei den Compilations zurück, die im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002 von zwölf Mio. Exemplaren auf 6,3 Mio. Einheiten sanken. Dies entspricht einem Minus von 47,5 Prozent. Diese Tendenz war im vergangenen Jahr ebenfalls zu erkennen, allerdings sank damals die Zahl der verkauften Compilations nur um relativ moderate 12,3 Prozent. Der Bundesverband vermutet, dass bei den Compilations die illegalen digitalen Musikkopien am deutlichsten zu Buche schlagen. Die vor einem Jahr geäußerte Hoffnung, dass Kopierschutztechnologien das Raubkopieren bei den Alben langsam stoppt, machen aktuelle Zahlen zunichte: Der Umsatz mit CDs, MCs und Vinyl-LPs sank um 17,5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002. Von 2001 auf 2002 waren die Longplay-Verkäufe lediglich um 6,7 Prozent zurückgegangen. Auch bei den Singles ist kein Hoffnungsschimmer zu erkennen: Der Absatzrückgang beträgt hier 21 Prozent, in absoluten Zahlen wurden 13,2 Mio. Stück verkauft. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000, als 26,5 Mio. Singles über die Ladentische gingen, ist dies mehr als eine Halbierung der Verkaufszahlen innerhalb von drei Jahren. Einzig bei den Two-Track-Singles stiegen die Zahlen von 100.000 auf 500.000 verkaufte Exemplare. Die Phonoverbände machen die illegalen Filesharing-Börsen im Internet als Hauptverursacher des Rückgangs bei den Singles-Verkäufen aus. Positive Tendenzen kommen von den MCs: Hier konnte die Tonträgerbranche eine Mio. Einheiten mehr absetzen, der Sprung von 6,3 auf 7,3 Mio. MCs bedeutet eine Zunahme von 15,9 Prozent. Als einziger wirklicher Hoffnungsträger entpuppt sich einmal mehr die DVD: 2,5 Mio. Stück dieses Formats konnten im ersten Halbjahr verkauft werden, im Vergleich zum Vorjahr (1,1 Mio.) entspricht dies einer Steigerung um 127,3 Prozent. Die DVD entwickelt sich zwar kontinuierlich positiv, ist aber, was die Absatzzahlen angeht, noch weit davon entfernt, den krankenden CD-Markt auffangen zu können. Der VHS-Absatz ist dagegen weiterhin stark rückläufig (800.000 statt 1,1 Mio. Stück, Minus 27,3 Prozent). Premiere in der Halbjahresstatistik feierten die High-End-Formate DVD-Audio und SACD, die insgesamt Verkäufe in Höhe von 200.000 Einheiten generierten. Neben den alles in allem traurigen Zahlen hatte Gerd Gebhardt auch zwei erfreuliche Werte mit nach Köln gebracht: Der Anteil nationaler Künstler an den Album-Charts kletterte von 23,03 auf 29,2 Prozent, bei den Singles stieg er gar von 41,05 auf 53,3 Prozent. „Grönemeyer, Superstars, Catterfeld, Naidoo, Jeanette und andere deutsche Künstler sind das Rückgrat der deutschen Phonowirtschaft und die Basis für eine erfolgreiche Arbeit, die auf nationales Repertoire setzt“, kommentierte der Chef der Phonoverbände. Gebhardt formulierte zudem auch ein paar positive Aspekte zur Lage der nationalen Tonträgerwirtschaft: „Die Firmen haben sich in den letzten Monaten auf die Marktentwicklung einstellen müssen. Diese Anpassung geschieht mit hoher Flexibiliät. Die Strukturen sind auf die Zukunft des Marktes vorbereitet.“ Gebhardt geht davon aus, dass der Markt sich mittelfristig stabilisiere und dann wieder Chancen für eine positive Entwicklung bieten werde.