Recorded & Publishing

Halbjahresbericht des Bundesverbands Phono: Branche hofft auf baldige Wende

Mit einem erneuten Minus bilanziert die deutsche Musikwirtschaft die erste Hälfte des Geschäftshalbjahres 2002. 10,2 Prozent weniger Tonträger konnte die Branche absetzen; Lichtblicke bietet vorerst nur der Hoffnungs-Träger DVD.

“Der Absatz von Musik-DVDs boomt, und die neuen hochauflösenden Tonträgerformate DVD-Audio und SACD geben dem Markt Impulse für die Zukunft“, konstatierte Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, im Vorfeld der Popkomm. Für die gesamte Musikbranche ergäben sich daraus „positive mittelfristige Perspektiven“. Negativ fällt dagegen erneut die Gesamtbilanz des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft für das erste Halbjahr 2002 aus: Über zehn Prozent weniger Tonträger setzten die im Verband organisierten Firmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an den Handel ab. Zum Jahresende 2001 lag dieser Wert bei 8,4 Prozent, zum ersten Halbjahr 2001 bei 10,8 Prozent. In Stückzahlen: 97,1 Millionen Tonträger im ersten Halbjahr 2002 stehen 108,1 Millionen Einheiten im Vorjahreszeitraum gegenüber. Optimisten können daraus immerhin eine Verlangsamung des Minustrends ablesen. Allerdings nur in der Theorie, denn Umsatzstatistiken veröffentlicht der Verband traditionell nur zum Jahresende. Endeutig lässt sich jedoch feststellen, dass der Hauptgrund für das Absatzminus im Produktsegment Singles zu finden ist: Ein Stückzahlenrückgang von 26,4 Prozent (von 22,7 Millionen auf 16,7 Einheiten) lässt darauf schließen, dass speziell die Internetpiraterie der Musikwirtschaft zu schaffen macht. Unter Experten gilt als sicher: Wer sich im Netz mit Musik versorgt, kauft weniger Singles. Wer hingegen seine CDs selbst brennt, schadet den Longplay-Absätzen. In diesem Segment scheinen die Anstrengungen der einzelnen Firmen, mit Kopierschutzsystemen dem „brennenden Problem“ beizukommen, langsam aber stetig Früchte zu tragen. Während im Gesamtjahr 2001 das Minus der Longplay-Formate noch bei 9,2 Prozent und zum ersten Halbjahr 2001 bei 10,1 Prozent lag, verzögerte sich dieser Abschwung in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres deutlich: Der Absatz sank nur noch um 6,7 Prozent, bei CDs alleine gar nur um 6,1 Prozent. Auch hier der Stückzahlenvergleich: Statt 84,8 Millionen Alben setzte die Industrie nur noch 79,1 Millionen Einheiten ab. Für Lichtblicke im traditionellen Geschäft sorgt nach Meinung des Verbands der Vorstoß einiger Firmen, die nun Two-Track-Singles mit günstigem Preis am Markt etablieren wollen. „Der Singles-Markt ist und bleibt der Markt für schnelle Trends“, so der Verband. „Die Unternehmen erwarten starke Nachfrage nach der kleinen ‚hippen“ Single.“ Die größten Hoffnungen auf Marktbelebung verspricht indes weiterhin das Trägermedium DVD. Auch wenn der Anteil am Gesamtmarkt noch unter zwei Prozent liegt: Dreistellige Steigerungsraten verheißen für die Zukunft signifikantes Umsatzpotenzial.