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Haentjes tadelt GermanSounds, Heisel widerspricht

Die Diskussion um das deutsche Musikexportbüro GermanSounds geht in eine neue Runde: Kritik kommt dabei von Michael Haentjes im Rahmen der Jahrespressekonferenz der deutschen Phonoverbände in Berlin.

Die Diskussion um das deutsche Musikexportbüro GermanSounds geht in eine neue Runde: „Ich halte GermanSounds für überflüssig“, erklärte Michael Haentjes im Rahmen der Jahrespressekonferenz der deutschen Phonoverbände am 21. März in Berlin. Allerdings handele es sich dabei um seine Meinung als „unabhängiger Marktteilnehmer“ und nicht als Verbändechef, betonte Haentjes.

„Ich verstehe die Idee überhaupt nicht“, ergänzte er. „Für mich ist die ganze Einrichtung nur ein Reisebüro für Funktionäre“. Es gebe unabhängige Firmen, die die gleichen Aufgaben privatwirtschaftlich erfolgreich und ohne Einsatz von Steuergeldern erledigten. Als Beispiel nannte Haentjes das Unternehmen G-Pop des früheren edel-records-Geschäftsführer Jens Geisemeyer.

Beim Aufsichtsratsvorsitzenden von GermanSounds, Mike P. Heisel, stoßen diese Äußerungen auf Unverständnis: Michael Haentjes fehle der Zugang zu dem Problem, sagte Heisel im Gespräch mit MusikWoche: „Seine Meinung, die er kürzlich auch auf der Midem öffentlich machte, beruht auf seinem eigenen Arbeitsmodell, nur arrivierte Künstler unter Vertrag zu nehmen. Er kennt wahrscheinlich den Bedarf der Künstler gar nicht, da er den Künstleraufbau seinen kleinen Vertragslabels überlässt.“

Im Übrigen solle sich Haentjes erst umfassend über die Arbeit von GermanSounds informieren, bevor er solche Aussagen treffe. Selbst Ungarn verfüge über ein größeres Budget und mehr Personal als das deutsche Musikexportbüro. „Trotz der Unterfinanzierung ist es GermanSounds gelungen, über 70 Künstler und Gruppen bei ihren Aktivitäten und Aufritten im Ausland zu unterstützen.“

Man müsse sich nur das europäische Umfeld ansehen, um zu erkennen, wie wichtig der Zugang zu den internationalen Schlüsselmärkten sei. Wie Phonoverbands-Geschäftsführer Peter Zombik erklärte, habe die GVL im Jahr 2005 einen Zuschuss von 20.000 Euro für GermanSounds leisten müssen, da sonst die Existenz des Büros gefährdet gewesen wäre. Eine Insolvenzgefahr bestehe aktuell jedoch nicht. Man könne nur abwarten. Außerdem forderte er eine „strategischen Neukonzeption“ des Büros.