Recorded & Publishing

Gespräch mit Universals DVD-Chef Florian Lamp: Neuer Chef soll Umsatz verdoppeln

Mit Florian Lamp als neuem Leiter des DVD-Departments von Universal will die Firma ihr Engagement im DVD-Bereich noch verstärken. Dazu sollen Titel im Special-Interest-Bereich wie auch eine SACD-Kampagne beitragen.

“Universal hat den geplanten DVD-Umsatz 2002 mehr als verdoppelt – welcher Bereich kann das in diesen Zeiten schon von sich behaupten?“, erklärt Florian Lamp, als Senior Director DVD & New Formats der neue Chef der DVD-Abteilung von Universal, die nach wie vor bei der Universal Marketing Group (UMG) angesiedelt ist. Dies bewirkte, wie Lamp gegenüber musikwoche.de erläutert, eine Aufstockung des Departments um eine Person. An UMGs bisherigen General Manager Content & Creation berichten nun Andrea Kossin als Senior und Till Egelhoff als Produktmanager DVD & New Formats, wobei die Arbeitsteilung im Team noch nicht festgeschrieben sei, eine strikte Label- und Genre-Aufteilung gibt es nicht. „Mit meiner Ernennung übertragen wir jetzt die langjährige Polystar-Erfahrung in den DVD-Bereich. Themen, die wir für stark halten, versuchen wir durch gezieltes Marketing jetzt noch stärker zu machen“, umreißt Lamp die Aufgaben der Abteilung. Dazu gehört auch die engere Verzahnung der Abteilungen bei UMG, wodurch auch die Polystar-Produktmanager Konzepte für DVD-Compilations realisieren sollen.

Damit stärkt Lamp auch die Struktur eines eigenen DVD-Departments im Gegensatz zu der Verteilung der Zuständigkeiten auf die jeweiligen Produktmanager: „Der Vorteil eines eigenständigen Departments ist natürlich zunächst das gebündelte Know-how, das in einer derartigen Abteilung liegt. Wir sind Ansprechpartner für alle Produktmanager und Heads der jeweiligen Labels. Da der Produktionsprozess einer DVD komplexer ist, macht es durchaus Sinn, ein,Expertenteam‘ im Hause zu haben. Für den gemeinsamen DVD-Auftritt nach außen sowie die Kommunikation mit dem Vertrieb ist ein eigenes Department notwendig, um neben den Einzelprodukten auch das Format Musik-DVD zu pushen“, schildert Lamp. Die Zukunft des jungen Bildtonträgers beurteilt er sehr positiv: „Denn wo der Umsatz verdoppelt wurde, da geht auch noch mehr.“ So teilt er auch nicht die Befürchtung, dass die Archive, aus denen bislang ein großer Teil der DVD-Veröffentlichungen bestritten wurde, ausgeschöpft seien: „Die Archive sind viel größer, als dass sie bald leer sein können. Und die Potenziale steigen und steigen. Wer hätte im letzten Jahr gedacht, dass man von einer Abba-DVD mehr als 60.000 Einheiten verkaufen kann – jetzt haben wir den Beweis.“ Im Übrigen würden die DVD-Käufer nicht Clip-Collections aus Archivbeständen, sondern Konzerte und Dokumentationen bevorzugen, sagt Lamp: „Zudem geht es uns auch nicht nur um die Veröffentlichung von nationalen und internationalen One-Artist-Themen. Wir sehen Special-Interest-Bereiche wie Fun, Sport, Erotik oder Kinder-DVDs als Schwerpunktfeld.“ Gleichzeitig kündigt Universal 50 nationale Titel für 2003 an, unter anderem Discs von Rosenstolz, E Nomine, Kelly Family, André Rieu oder Helge Schneider. Ebenfalls im Fokus der Aktivitäten des Departments steht die Beschäftigung mit der SACD. Hier wollen Lamp und sein Team das Engagement intensivieren: „Die SACD ist ein sehr spannender Tonträger. Durch die Tatsache, dass wir ab sofort nur noch hybride SACDs, die also auf CD- sowie SACD-Playern laufen, veröffentlichen, ist die erste Hürde genommen. Das Klangerlebnis der SACD wird vor allem durch den Mehrkanalton deutlich – sicherlich hat nicht jeder eine entsprechende Anlage zu Hause, aber der Trend dahin ist ungebrochen.“

Mitbewerber Warner Vision betont indes stets, dass nicht die SACD, sondern die DVD-Audio die CD „ablösen“ wird. Lamp verweist in dieser Frage auf die breite SACD-Front: „Mit dem Zusammenschluss von Philips, Sony und Universal in der Unterstützung der SACD als neuem Tonträger haben wir eine sehr starke Allianz, mit der wir dieses Jahr noch richtig durchstarten werden.“ So erscheinen am 17. März die sechs Studioalben plus einer Best-Of-Compilation von The Police: „Wir glauben, dass diese Wiederveröffentlichungen der SACD einen richtigen Push geben können, denn The Police ist schon seit zwei Jahrzehnten ein beständiger Seller im Backkatalog. Dieses Jahr nun hätte die Band ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert – einen besseren Anlass hätte man nicht finden können.“ Und Till Egelhoff ergänzt: „Die Police-SACDs bilden übrigens den Auftakt zu einer umfangreichen SACD-Kampagne im Printbereich, die dem Konsumenten das Format näher bringen soll. Die Kampagne wird die wichtigen Veröffentlichungen aus den Bereichen Pop, Klassik und Jazz beinhalten.“

Um dem Aufklärungsbedarf bei der SACD-Hybrid gerecht zu werden, fokussiert sich die Marketingkampagne vorrangig auf Anzeigen im Printbereich. So hat UMG unter anderem Anzeigen in „Die Zeit“, der „Süddeutschen Zeitung“, in „Tonart“ und „Audio“ geschaltet. Zudem nutzt UMG den 50.000 Eintragungen umfassenden Pool von Sting-Adressen für einen E-Mail-Aussand, und auch die TV-Kampagne für die begleitende DVD-Video von Police, „Every Breath You Take“, die vom 6. bis 15. April auf Sat.1 mit einem Mediavolumen von 120.000 Euro läuft, wird auf die SACD hinweisen. Danach soll die Deutschland-Tour der Rolling Stones den Verkauf der SACDs der Band beflügeln. „Mit der Veröffentlichung der 22 Titel in diesem Format sind wir sehr zufrieden. Die Abverkaufsquote der SACDs liegt bei rund 70 Prozent“, so Lamp.