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Gespräch mit Special D, Hoffnungsträger der Dance-Szene

Den Vorwurf, dass hinter Dance-Musik immer nur die gleichen, überalterten Produzenten stecken, entkräftet der 21-jährige DJ und Produzent Special D mit der eigenen Biografie. Dietmar Schwenger fragte den bereits auch international sehr erfolgreichen Künstler, wie er die Dance-Branche sieht.

musikwoche: Wie kommt man heute als junger Mensch zur Dance-Musik?

Special D: Als ganz junger Typ habe ich vor allem Metal gehört, Manowar, Iron Maiden und die ganz harten Sachen. Daraufhin hat meine Mutter mir Scorpions-CDs geschenkt, damit ich von diesem Trip runterkomme. Aber gewirkt hat erst eine Dance-Compilation von Gary D., die mir ein Kumpel vorgespielt hat, als ich 14 war.

mw: Aber sind heute nicht R&B vor allem in dieser Altersgruppe beliebter?

Special D: Das stimmt schon. Von all meinen Freunden gibt es vielleicht drei Leute, mit denen ich auf einen Rave gehen könnte. Der Rest steht vor allem auf Black Music. Und dieser Prozess schreitet weiter fort. Mein 16-jähriger Bruder kann bei Schulparties, wo ich noch ein gemischtes Programm aufgelegt habe, heute nur stundenlang nur noch Black spielen, ansonsten würde er den Floor killen. Aber ich hatte meine Leidenschaft zur Dance-Musik entdeckt und mich nicht etwa für das Genre entschieden, weil ich damit meine Miete bezahlen wollte, sondern weil meine Liebe zu dieser Musik von Herzen kam.

mw: Und wie sind Sie dann in die Branche gekommen?

Special D: Ich hatte schon früher in einer Band gespielt und auch unsere Schule hat Musikaktivitäten sehr gefördert. Schließlich habe ich zur Konfirmation meine erste Korg M1 Workstation bekommen und seither immer weiter gemacht. Über ein Praktikum bei einer Kabelfirma habe ich später die Jungs von Mental Madness kennengelernt und dabei ein paar Strippen hinter Pulten verlegt, auf denen ich heute meine eigenen Produktionen fahre.

mw: Ist es kreativ schwerer geworden, in dem Genre noch neue Sachen zu finden?

Special D: Nein, denn ich mache eh alles aus dem Bauch heraus. Dafür habe ich dann von Kontor, meinem neuen Label, zunächst auch Ärger bekommen, als ich ihnen mein erstes Album abgegeben und sie fanden, dass darauf zu viel Hardstyle vertreten sei. Das war ganz natürlich entstanden, weil ich momentan auch sehr viele harte Titel auflege und ich bei der Produktion mich nach dem gerichtet habe, was ich gefühlt habe. Aber dann hieß es, ich sei ja nun auch im Kinderkanal zu sehen und mache dann ein Album mit Hardstyle. Für mich war es jedoch kein Problem, stilistisch auch noch in andere Richtungen zu gehen.

mw: Wie beurteilen Sie die heutige Dance-Branche allgemein?

Special D: Da ist schon ziemlich viel festgefahren – sowohl bei den Produzenten als auch in der Industrie. Ich bin froh, mit den Leute hier im Norden echte Freunde gefunden zu haben, aber ich habe in der Szene auch ein paar fiese Typen kennen gelernt.

mw: Gab es da ein besonderes Erlebnis?

Special D: Mir ist noch der letzte Deutsche Dance Award in Erinnerung geblieben. Diese dort ausgetragenen Grabenkämpfe kann ich nicht nachvollziehen, wenn etwa so genannte kredible DJs gegen vermeintlich inkredibile Kollegen zu Felde ziehen. Ich fand es seltsam, warum ein Mark Spoon, unter welchem Rausch auch immer, dort so abgegangen ist, wo er doch in seiner eigenen Vergangenheit auch Superkommerzpop-Nummern wie „Kaleidoscope Skies“ gemacht hat. Das fand ich schon ziemlich hart. Und auch wenn sich nicht alle daran beteiligen – aber der Schnitt zwischen dem krediblen und inkrediblen Lager ist leider Gottes nun einmal da.

mw: Wie sehen Sie die Lage der Labels?

Special D: Die haben mit Sicherheit ein schweres Los – und das betrifft letztlich auch die Künstler. Die Firmen haben nur noch nach Hits und kommerzieller Musik geschaut und das hat die Szene kaputt gemacht. Denn in vielen Fällen geben sie für einen Track Vollgas, aber wenn dann der Follow-Up nicht mehr funktioniert, wird der Künstler sofort gedroppt. Das Business ist extrem schnelllebig und der Szene würde es gut tun, wenn wir mehr Acts wie Scooter hätten. Aber zu viele Produzenten haben auf Quantität statt Qualität gesetzt. Ich selbst habe zwar auch schon gecovert und habe nichts dagegen. Zuwider sind mir nur Produktionen ohne Gefühl, wo Beats am Anfang und Beats am Ende stehen und für den Mittelteil irgendein Thema rausgezogen und das dann auf Platte gepresst wird. Das konnte nicht gut gehen.

mw: Wie lautet Ihre Zukunftsprognose?

Special D: Dance wird auf jeden Fall bestehen bleiben und auch wieder größer werden. Denn es wird Leute geben, die das mit Köpfchen, Herz und Qualitätsbewusstsein machen. Ich selbst habe etwa meine DJ-Tätigkeit reduziert, um mehr Zeit fürs Studio zu haben. Das macht finanziell natürlich schon einen Unterschied, aber das ist es mir wert.