Recorded & Publishing

GermanSounds vor dem Aus?

Die Zukunft des deutschen Musikexportbüros GermanSounds scheint ungewiss. Wie im Rahmen der Midem bekannt wurde, steht die Finanzierung des 2004 gegründeten Büros für das neue Jahr noch nicht.

Die Zukunft des deutschen Musikexportbüros GermanSounds scheint ungewiss. Wie im Rahmen der Midem bekannt wurde, steht die Finanzierung des 2004 gegründeten Büros für das neue Jahr noch nicht. „Die öffentliche Finanzierung war nur der Anschub für das Projekt, jetzt muss die Wirtschaft das allein weiterführen“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ den CDU-Politiker Steffen Kampeter, Obmann im Haushaltsausschuss der Union-Bundestagsfraktion. Er glaube nicht, dass es weitere öffentliche Mittel für GermanSounds gebe. 2004 und 2005 steuerte die Bundesregierung rund zwei Drittel des Etats bei, der mit 350.000 Euro beziffert wird.

Harte Worte fand Verbändechef Michael Haentjes. „Ich würde sagen, vergesst es. Es gibt genug Firmen, die den Export ihrer Künstler selbst organisieren können und dies auch machen“, sagte der edel-Chef laut „dpa“. Das Musikgeschäft wachse nicht durch Exportbüros, sondern durch Kreativität. Der Verband ist an GermanSounds beteiligt, die laufenden Kosten bestritten aber GEMA und GVL.

Auf Seiten der GEMA bekennt man sich jedoch nach wie vor zum Musikexportbüro. „Wir wollen natürlich sehen, was mit dem Geld gemacht wurde, aber grundsätzlich sind wir weiter bereit, das Büro mitzutragen“, bekräftigte Vorstandssprecher Prof. Dr. Jürgen Becker. Und auch der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen will an der Einrichtung festhalten. Für die meisten kleinen und mittleren Musikfirmen, sei eine Exportinstanz unverzichtbar, um auf internationaler Ebene eine Chance zu haben, urteilt der VUT und fordert auch für die Zukunft ein Engagement der Politik. „Deutsche Bands brauchen Tour-Unterstützung im Ausland. Sollte das wegfallen, wäre der Schaden für den Livesektor ungeheuerlich“, mahnt Rosita Kürbis, Projektdirektorin von GermanSounds.

Auch Dieter Gorny, Executive Vice President von MTV Europe, hält ein Aus der Musikexportförderung für einen „schweren Fehler“. Die europäischen Nachbarländer seien Deutschland bei diesem Thema „um mindestens fünf Jahre voraus“, sagte Gorny gegenüber dem „Handelsblatt“. GermanSounds-Geschäftsführer Peter James forderte im Gespräch mit dem Wirtschaftsblatt ein klares Bekenntnis zum Exportbüro, auch auf Seiten der Politik. Beispielsweise Kostenzuschüsse bei Auslandskonzerten seien im Ausland üblich, stünden hierzulande allerdings nicht zur Verfügung.