“Das Musikbusiness verliert seine Kunden, diese Entwicklung müssen wir stoppen“, erklärte Njara Zafimehy, President GERA-Europe, im Rahmen der GERA-Versammlung auf der Popkomm. Als einen Hauptgrund für sinkende Umsätze im Musikgeschäft nannte Zafimehy, der als Mitarbeiter der Handelsgruppe Fnac auch den französischen Handelsverband SDSD vertrat, die grassierende Piraterie. Er forderte: „Wir müssen die Preise für Musik reduzieren.“ Dies ginge nur mit vereinten Kräften, Hersteller und Händler müssten an einem Strang ziehen. Nur so ließe sich die Position der Musikindustrie, der Handelspartner und der Künstler wieder stärken. Zuvor hatten die Mitglieder der in der GERA-Europe organisierten Landesverbände die Lage in der Handelslandschaft erläutert.
Michael Huchthausen, Fachverbandsvorsitzender Tonträger im GDM, erklärte, dass die Zugewinne im Bereich DVD das Minus von gut zehn Prozent bei CD-Verkäufen nicht ausgleichen konnten: „Der deutsche Markt ist bei den Problemen mit CD-R-Piraterie und illegalen Downloads führend“, beklagte Huchthausen. Außerdem bemängelte er, dass die Kunden nicht bereit sind, die notwendigen Preise für CDs zu zahlen. Als weitere Vertreter des deutschen Handels nahmen HAMM-Geschäftsführerin Nina Krogmann, GDM-Geschäftsführer Dr. Heinz Stroh und GDM-Mitglied Hugo Heinzen am Meeting teil.
Der niederländische NVGD rechnet für das erste Halbjahr mit einem Minus von 14 Prozent, allerdings habe der nationale IFPI-Arm diese Zahl noch nicht bestätigt, berichteten Martin de Wilde, Hans Puls, Theo van Sloten und Hans Bousie. „Zwar boomt auch bei uns die DVD, allerdings sind die Preisspannen schlecht“, erklärte de Wilde. In den Niederlanden seien zudem rund doppelt so viele CD-Rs verkauft worden wie CD-Alben. Deshalb befürchtet er, dass manche Fachhändler ihre Geschäfte bald schließen müssen. Um dies zu verhindern, bereitet der NVGD ein Internetportal als gemeinsame Promotion-Plattform für den Fachhandel vor. Bereits bewährt hat sich das niederländische Fachhandels-System mit landesweit akzeptierten Geschenkgutscheinen. Auf diese entfallen laut de Wilde rund zehn Prozent des gesamten Umsatzes im Fachhandel.
Der britische Tonträgermarkt musste im ersten Halbjahr die ersten Umsatzrückgänge seit Jahren verkraften, erklärte Richard Cowan vom britischen BARD in Vertretung des kurzfristig erkrankten Vorsitzenden Bob Lewis. Noch sei unklar, ob es sich um eine Schwächephase des Marktes oder um den Anfang einer Krise handele. Auch in Großbritannien, so Cowan, klagen die Kunden über zu hohe CD-Preise. Gleichzeitig profitiere der Markt von anderen Formaten: Games erreichten rund 50 Prozent der Umsätze von CDs, und die Umsätze mit DVDs und Videos könnten sogar über die der CDs steigen.
Für den französischen Markt sprach Philippe Person vom SDSD von Umsätzen auf Vorjahresniveau. Er kritisierte, dass die vom nationalen Phonoverband SNEP gemeldeten Zuwächse von sieben Prozent nur auf Shipments basierten. Auch in Frankreich, wo SB-Märkte 55 Prozent aller Ton- und Bildträger verkaufen, boome die DVD. Allerdings sei der Wettbewerb sehr preisagressiv. Zudem diskutiere der Handelsverband mit der Regierung über eine mögliche Senkung der Mehrwertsteuer für Entertainment-Produkte. Ein entsprechendes Wahlversprechen hätte Präsident Jacques Chiracs bislang nicht eingelöst.







