Mit einem über eine PR-Agentur verschickten Rundschreiben meldete sich Moritz Eggert am Abend des 4. Mai 2026 zu Wort. Darin äußerte der Komponist, der zu diesem Zeitpunkt noch als Präsident des Deutschen Komponist:innenverband (DKV) amtierte, Kritik am Verfahren rund um die anstehende Abstimmung zur Kulturförderung. Eggert bemängelte unter anderem eine Telefonaktion im Vorfeld der Mitgliederversammlung als nicht neutral: „Als Präsident des DKV bin ich erschüttert, auf diese Weise von eidesstattlich bezeugten Wahlmanipulationen der GEMA zu erfahren“, teilte Eggert in einem längeren Statement mit und forderte „den sofortigen Rücktritt der verantwortlichen Vorstände sowie des CEOs der GEMA, sowie unmittelbare Neuwahlen des gesamten Aufsichtsrats, da sie diese Manipulation gebilligt und in Auftrag gegeben haben müssen“.
BR-Klassik griff das Thema noch am 4. Mai auf und sprach dabei unter anderem von „fragwürdigen Methoden“ und einer mutmaßlichen Beeinflussung von Mitgliedern der Verwertungsgesellschaft.
Unklar war indes die Position von Moritz Eggert zu diesem Zeitpunkt. Schließlich hatte der Komponist bereits im März verkündet, sich im Mai 2026 nicht einer Wiederwahl als Präsident des Deutschen Komponistenverbands stellen und bis dahin „keinerlei Arbeit für den DKV mehr ausführen“ zu wollen. Nun aber diese Wortmeldung, die sich indes nicht auf den Onlineseiten des DKV findet, wo sich hingegen andere Vorstandsmitglieder zum Thema positionieren. Auf Nachfrage von MusikWoche, ob Eggert sich nun privat oder als DKV-Präsident geäußert habe, ließ der Komponist mitteilen, dass er „technisch in diesem Moment noch Präsident“ gewesen sei und somit auch als Präsident gesprochen habe. Die Neuwahlen zum Präsidium des DKV standen am 5. Mai bei einer Sitzung der Mitglieder des Verbands an. Da Ergebnis lag MusikWoche am Nachmittag noch nicht vor.
„Wir haben es hier mit einer seit längerem vorbereiteten Aktion zu tun, die einzig und allein darauf abzielt, die Mitgliederversammlung zu verunsichern und den Beschluss zur Neuordnung der Kulturförderung zu torpedieren.“ Eine Sprecherin der GEMA auf Nachfrage von MusikWoche.
Die GEMA wies den Vorstoß von Moritz Eggert davon unabhängig entschieden zurück: „Wir haben es hier mit einer seit längerem vorbereiteten Aktion zu tun, die einzig und allein darauf abzielt, die Mitgliederversammlung zu verunsichern und den Beschluss zur Neuordnung der Kulturförderung zu torpedieren“, teilt eine Sprecherin der Verwertungsgesellschaft auf Nachfrage von MusikWoche die Position des Vorstands um CEO Tobias Holzmüller mit: Die Aktion „soll davon ablenken, dass es konkrete Interessen gibt, die mit aller Kraft am Status Quo der aktuellen Förderung festhalten wollen“, ergänzt sie und erläutert noch einmal den Ansatz der Reformpläne zur Kulturföderung: „Mit der Neuordnung sollen die Fördermittel nicht nur einer kleinen Gruppe, sondern allen unseren Mitgliedern Chancen eröffnen. Auch wenn die Neuordnung für einige mit Einschnitten verbunden ist, so sind wir allen unseren Mitgliedern verpflichtet. Dafür stehen wir als Vorstand nach wie vor ein.“
In der Nacht auf den 5. Mai hatte die Verwertungsgesellschaft ihre Mitglieder zudem per Rundschreiben informiert, dass Aufsichtsrat und Vorstand der Organisation ihren Antrag zur Neuausrichtung der GEMA Kulturförderung auch aufgrund zahlreicher Mitglieder-Anträge teils nochmals angepasst und somit weitere Impulse in den Antrag von Aufsichtsrat und Vorstand der GEMA („Antrag 15“) integriert hätten und diese im Rahmen der Mitgliederversammlung in einem „Änderungsantrag zu TOP 15“ zur Abstimmung stellen zu wollen.
„Wir haben in den letzten Jahrzehnten in unserem Verein auch bei schwierigsten Konflikten letztlich immer einen für alle Seiten akzeptablen Lösungsweg gefunden“, schrieb der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand dazu: „Mit diesem aktuellen, nochmals auf Realisierungsprüfungen der von unseren Mitgliedern eingebrachten Änderungswünschen basierenden Antrag sollte nun auch bei dieser zukunftsweisenden Reform die Zustimmung aller Beteiligten möglich sein.“





