Der Frage, ob auch dem mobilen Musikbusiness eine Gefahr durch Piraterie droht, ging das Beratungsunternehmen MusicAlly auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Ist die Napsterisierung von mobiler Musik unvermeidbar?“ kürzlich in London nach. Die Lage präsentierte sich dabei ähnlich wie in Deutschland: Die Beteiligten der Mobilfunkindustrie wie Ed Kershaw, Head of Music Vodafone Global Content Services, und Gerard Grech, Head of Music Orange World, sehen optimistisch in die Zukunft und sind überzeugt, Filesharing mit Kopierschutzmaßnahmen wirksam unterbinden zu können: „Die Napsterisierung hätte bereits stattfinden können, aber wir haben aus den Erfahrungen mit dem Internet eine Menge gelernt“, so Kershaw. Die Plattenfirmen fürchten jedoch um ihre Einnahmen.
So meinte Barney Wragg, Vice President Universal Music’s eLabs, es sei unvermeidlich, dass die technische Entwicklung auch im mobilen Bereich Filesharing ermöglichen werde: „Wir müssen schnell reagieren, um zu verhindern, dass uns die Situation entgleitet.“ Durch neue DRM-Systeme wie Janus von Microsoft sollen in Zukunft die Inhalte durch Verschlüsselung zwar wesentlich wirksamer als bisher geschützt werden. Die meisten Beteiligten sehen das Problem jedoch realistisch – es wird immer jemanden geben, der es schafft, DRM-Systeme zu knacken und der Branche womöglich ebenso herbe Umsatzverluste zu bescheren wie einst Napster-Gründer Shawn Fanning.
Aber, so Michael Bornhäuser, Präsident und Chief Executive des DRM-Herstellers SCD: „80 Prozent der Leute wollen einen bequemen Weg, um Musik herunter zu laden, legal zu kopieren und mit Freunden zu tauschen.“ Ähnlich sah es auch Reidar Wasenius, Senior Project Manager Nokia Multimedia: „Worüber wir hier sprechen ist Technologie, wir müssen uns aber auf die Psychologie konzentrieren. Es wird immer Hacker geben. Doch für die Mehrzahl der Leute sind Einfachheit und Unkompliziertheit die entscheidenden Faktoren.“ Wragg blieb skeptisch, vor allem angesichts immer neuer Endgeräte, die ideale Voraussetzungen für Piraten liefern.
So stellte Nokia-Chef Jorma Ollila auf einer Produktpräsentation in Helsinki das Nokia 7610 vor, ein Handy mit integriertem MP3-Player. Handys werden immer mehr zu Multimedia-Computern, auf denen bald Software funktionieren könnte, die bislang nur auf dem heimischen PC läuft. Und je einfacher und nutzerfreundlicher Downloads aufs Handy werden, umso mehr wächst die Gefahr, dass Inhalte illegal verbreitet werden. Das Fazit der Londoner Diskussionsrunde: Absolute Sicherheit kann es nicht geben.





