Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, wendet sich in „Spiegel online“ gegen eine Kultur-Flatrate, wie sie der US-Professor Terry Fisher und Attac-Mitbegründer Oliver Moldenhauer vorschlagen. Diese sollte ein alternatives Refinanzierungsmodell für die Entertainment-Industrie sein – siehe musikwoche-Dossier in Heft 22/2004. Gebhardt formulierte darauf in musikwoche Heft 24 sieben Thesen, die er nun für „Spiegel online“ aktualisierte. Er sieht die Flatrate zunächst als Enteignung der Rechteinhaber, die seiner Ansicht nach selbst entscheiden können müssen, „ob, von wem und zu welchen Bedingungen ihre Musik genutzt wird“. Außerdem fehle die Rechtsgrundlage. Da die Künstler ein Exklusivrecht genössen und somit alle nationalen Urheberrechtsregelungen geändert werden müssten, sei die Flatrate kaum durchsetzbar. Gebhardt befürchtet außerdem, dass die Flatrate die Zukunft der Branche zerstört, da „legale Online-Dienste keine Chance mehr“ hätten und mindestens 20 von ihnen schließen müssten. Schließlich findet Gebhardt die Flatrate ungerecht. Eine pauschale Vergütung nutze nur den Internetpiraten und bitte unbeteiligte Bürger zur Kasse.
Der Vorschlag des Harvard-Professors Terry Fisher, eine supranationale Behörde einzurichten, die per Marktforschung die tatsächlichen Downloadzahlen bestimmt und so einen Verteilungsschlüssel erstellt, ist für Gebhardt „ein Treppenwitz“. Es sei wenig vorstellbar, dass ausgerechnet eine solche „Superbehörde heute noch ungekannten Ausmaßes“ der Anarchie des Netzes begegnen und dies transparenter machen könne. Gebhard wirft darüber hinaus die Frage auf, welche Vergütung für die urheberrechtlich geschützten Güter im Netz denn überhaupt angemessen sei. Er bekräftigt nochmals, der Kampf gegen Musikpiraterie im Internet müsse „mit allen rechtlichen und technischen Mitteln“ geführt werden“. Dieser sei dabei keineswegs aussichtslos, denn erste positive Wirkungen seien schon eingetreten. Gebhardt zufolge liegt „die Zukunft des Musikgeschäfts darin, dass – wie bisher auch – für Musik gezahlt wird“. Sein Fazit: „Wer hört, zahlt – wer nicht hört, zahlt nicht.“ Es gelte, die Möglichkeiten individueller Abrechnung im Internet zu nutzen.






