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Gebhardt: DVDs, Downloads und mobile Musik bringen die Wende

Die Schussfahrt ins Umsatztal ist gebremst. Mit nur noch vier Prozent Minus bei einem Gesamtumsatz von rund 1,74 Mrd. Euro kann die deutsche Branche langsam wieder aufatmen. Hauptursachen für die Trendwende sind laut Verbändechef Gerd Gebhardt die Musik-DVD, das Downloadgeschäft und der Verkauf von Klingeltönen.

Die Schussfahrt ins Umsatztal ist gebremst. Mit voraussichtlich nur noch vier Prozent Minus bei einem Gesamtumsatz von rund 1,74 Mrd. Euro kann die deutsche Musikbranche langsam wieder aufatmen. Hauptursachen für die Trendwende sind laut Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, die Musik-DVD, das Downloadgeschäft und der Verkauf von Klingeltönen. Mindestens zehn Mio. Musik-DVDs seien ersten Hochrechnungen der Verbandsstatistiker zufolge im Jahr 2004 verkauft worden. Das wäre ein Wachstum von fast 27 Prozent, im Jahr 2003 hatte sich der Absatz von Musik-DVDs bereits auf 7,9 Mio. Einheiten verdoppelt.

Zudem trägt auch der digitale Vertrieb über das Internet zur Stabilisierung der Musikwirtschaft bei. „Wir haben im vergangenen Jahr zwischen zehn und zwölf Mio. Tracks im Netz verkauft“, so Gebhardt. Bei Preisen zwischen 99 Cents und 1,50 Euro pro Song ist also für 2004 mit einem Downloadumsatz zwischen zehn und 18 Mio. Euro zu rechnen. Und die Absatzzahlen wachsen schnell. „Es könnte sein, dass sich das 2005 verdoppelt“, prognostiziert der Verbändechef, der nicht zuletzt durch den IFPI-Bericht zum Digitalgeschäft Rückendeckung erhielt.

Der „Digital Music Report 2005“ des weltweiten Dachverbands der Tonträgerbranche konstatiert: Die Verbraucher erkennen, dass kommerzielle Downloadangebote eine qualitativ attraktive und vor allem legale Alternative zur digitalen Datenversorgung per P2P-Tauschbörsen sind. Deshalb hätten Anbieter wie Musicload oder die deutsche Filiale des iTunes Music Store inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad. Dies lasse auf weiterhin steigende Umsätze im Downloadgeschäft hoffen.

Der dritte Stützpfeiler der Markterholung ist der Verkauf von Klingeltönen. „Das ist ein Markt, der im Moment auf die fünf Mio. Titel abzielt“, analysiert Gebhardt, der auch in diesem Segment mit einer Verdopplung des Absatzvolumens im laufenden Jahr rechnet. Da künftig immer mehr Mobiltelefone auch mit Speichern für Musikdateien ausgeliefert werden, werden auch mobile Songdownloads über breitbandige Mobilfunknetze das bisher schon lukrative Klingeltongeschäft ergänzen.

Die Zahlen für das Jahr 2004, die der Bundesverband am 9. März vollständig präsentieren wird, seien zwar noch kein Grund zum Feiern, findet Gebhardt, „aber wir haben die Talsohle durchschritten“. Im Jahr 2003, als die Tonträgerwirtschaft 1,82 Mrd. Euro umsetzte, betrug der Rückgang noch dramatische 19,8 Prozent. Insgesamt verlor die deutsche Branche seit der Jahrtausendwende etwa 40 Prozent ihrer Umsätze. Doch diese hohen Verlustquoten der letzten Jahre konnten deutlich verringert werden, im laufenden Jahr sei mit einer Stagnation des Geschäfts zu rechnen. „2006 geht es dann wieder aufwärts“, prophezeit Gebhardt.

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