Recorded & Publishing

Gang Go setzt auf digitale DJ-Bemusterung

Im Ringen um die digitale Bemusterung versteht sich das Kölner Dance-Label Gang Go Music als Pionier. Nun zieht die Agentur MFN-Networx nach, während Jörg Böhm, Geschäftsführer von Plattenmann.de vor Euphorie warnt.

“Die Gegner der digitalen Bemusterung hoffen immer noch darauf, dass irgendwann alles wieder besser wird. Da kann ich nur sagen: Wake up!“ beschwor jüngst Gang-Go-Chef Gottfried Engels auf dem von musikwoche präsentierten Fachpanel beim DJ Meeting in Oberhausen. Als Reaktion auf die veränderte Lage in der Branche hatte Gang Go bereits im vergangenen Jahr ein System programmiert, das den schnellen MP3-Versand an die DJs im label-eigenen Pool ermöglicht. Mit der gleichzeitigen Reduzierung auf nur noch 600 DJs, die erst in einem zweiten Schritt auch noch Vinyl-Maxis erhalten, „müssen, können und werden wir Kosten sparen“, erklärt Engels, der diese Form der Bemusterung „from the studio direct to your club“ nennt.

Als Erfolg für dieses Vorgehen führt er an, dass einige der auf diese Weise versandten Titel bereits in den Dance-Charts aufgetaucht sind. Statt auf MP3 setzt die Agentur MFM-Networx, die ebenfalls digitale Promotion anbietet, auf WMA-Dateien. Sie sieht darin neben wegfallenden Kosten für Herstellung, Logistik, Lagerhaltung, Verpackung oder Porto auch Promotion-Vorteile: „Wir können viel flexibler auf Bewertungen reagieren, die in Echtzeit auf unserem System einsehbar sind. Flops können dadurch komplett vermieden werden, wodurch die Finanzkraft kleiner Labels steigt“, verspricht Michael Eisele, Geschäftsführer von MFM. Jörg Böhm, Geschäftführer der Agentur Plattenmann.de, bremst die Euphorie: „Natürlich klingen die Kostenvorteile der digitalen DJ-Bemusterung verlockend. Leider dürfen die meisten DJs keine von MP3 gebrannten CDs spielen, weil die GEMA hierfür eine um 30 Prozent erhöhte Gebühr verlangt. Nach unseren Untersuchungen akzeptieren die DJs MP3s nur, wenn die Alternative lautet, dass sie ansonsten gar keine Musik mehr erhalten.“ Aber auch Böhm verschließt sich nicht vor neuen Technologien. Seine Firma arbeitet seit November 2001 mit einem Online-Voting. „Wir haben sehr gute Erfahrung mit Online-Promotion als Teil eines Gesamtkonzeptes gemacht. Aber ohne Vinyl geht es nicht.“