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Fusionsgegner wollen EU überzeugen

Am zweiten Tag der Anhörungen vor der EU-Kommission in Sachen Sony Music und BMG kamen die Gegner der beiden Fusionskandidaten zu Wort. Dabei formte sich eine ungewöhnliche Koalition gegen die Elefantenhochzeit.

Am zweiten Tag der Anhörungen vor der EU-Kommission in Sachen Sony Music und BMG kamen die Gegner der beiden Fusionskandidaten zu Wort. Dabei formte sich eine ungewöhnliche Koalition gegen die Elefantenhochzeit. Neben der Interessenvertretung der Independent-Firmen, Impala, äußerten auch Vertreter von Apple Computer, Time Warner, der europäischen Händlervereinigung GERA, des International Music Managers Forum und des Downloaddienstes PlayLouder.com ihre Ansichten vor den Wettbewerbshütern. Wenig überraschend, dafür umso insistierender war die Argumentation von Impala, wonach ein Zusammenschluss der beiden Majors den Marktzugang für kleine und mittelständische Musikfirmen weiter verschlechtern würde. Impala unterstützt die Bedenken der EU gegen die Fusion, die sich vor allem auf eine befürchtete Preiskontrolle durch die Großkonzerne gründen. Zur Untermauerung dieser These berichtete Impala-Anwältin Isabelle Wekstein-Steg aus der Praxis: Vertriebsmitarbeiter der Majors würden regelmäßig im Handel die Preise der Konkurrenz überprüfen und wöchentliche Berichte an die Zentralen schicken. Die GERA legte ebenfalls Erkenntnisse vor, die belegen sollten, wie sich die Majors bereits heute bei den Preisen absprechen. Der Handelsverband warnte davor, dass diese Fusion die Vielfalt für die Konsumenten beeinträchtigen und künstlerische Innovation bremsen werde. Apple dagegen fürchtet, dass Sony BMG in Abstimmung mit Sonys Downloaddienst Connect den Wettbewerb im Bereich des Digitalvertriebs verzerren könnte. Diese Angst teilt auch Paul Saunders, Director von PlayLouder.com, der in Brüssel betonte, dass er von den Majors noch nicht eine Lizenz für sein Downloadportal erhalten hat. Time Warner hingegen, seit dem Verkauf von Warner Music ohne Musikgeschäft, wollte die Gegenargumente nicht vollends mittragen. Stattdessen wies man die EU-Kommission darauf hin, dass es im Zweifel schwer werde, tatsächlich Preisabsprachen nachzuweisen. Während Impala-Mitarbeiter festgestellt haben wollen, dass die Fragen der EU bei Sony Music und BMG für Nervosität gesorgt hätten, gaben sich die Konzerne selbst zuversichtlich. Wie ernst beide Unternehmen die EU-Anhörung nehmen, zeigt die Teilnehmerliste: Für BMG kamen Rolf Schmidt-Holtz (Chairman & CEO) und Michael Smellie (COO) nach Brüssel, für Sony Music Entertainment International reisten Rick Dobbis (President) und Jonathan Sternberg (Legal Counsel) an. Auch Vertreter der amerikanischen Wettbewerbshüter, der Federal Trade Commission, waren zugegen.

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