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Fusion der US-Digitalfunker steht vor Genehmigungsmarathon

Die geplante Fusion der Satellitenradioanbieter XM und Sirius schlägt in der US-Medienbranche hohe Wellen. Während die Wall Street den Zusammenschluss begrüßen würde, geben sich Wettbewerbshüter, Politiker und terrestrische Sender skeptisch.

Die geplante Fusion der beiden amerikanischen Satellitenradioanbieter XM und Sirius schlägt in der US-Medienbranche hohe Wellen. Während die Wall Street den Zusammenschluss sehr begrüßen würde, geben sich Wettbewerbshüter, Politiker und terrestrische Sender äußerst skeptisch. Die Fusion muss sowohl von der US-Medienaufsichtsbehörde FCC und vom Justizministerium genehmigt werden.

Doch schon vorher widmete sich der Justizausschuss des Repräsentantenausschusses dem Thema. Bei einer Anhörung in der vergangenen Woche versuchte Sirius-CEO Mel Karmazin die Abgeordneten davon zu überzeugen, dass eine Firmenhochzeit von XM und Sirius durchaus im Interesse der Konsumenten wäre. „Wir würden keinesfalls ein Monopol schaffen“, argumentierte Karmazin als Antwort auf den nahe liegenden Vorwurf der Politik, dass ein Merger in einem Markt mit zwei Firmen zu einer Alleinstellung führt.

Als Beleg für seine Sichtweise führte der Sirius-Chef und einstige Viacom-President an, dass Satellitenradio der „David unter den Goliaths“ des terrestrischen Radios sei und „wohl kaum als Gefahr im Audio-Entertainmentmarkt“ gesehen werde könne. Zudem konkurrierten Sirius und XM auch mit Internetradio und iPods. Deshalb seien auch die Befürchtungen, nach einer Fusion werde es zu Preiserhöhungen kommen, haltlos. „Wir konkurrieren schließlich mit kostenlosen Angeboten.“

Aber als Entgegenkommen will Karmazin den Wettbewerbshütern anbieten, die Preise für einen zu definierenden Zeitraum einzufrieren. Außerdem versicherte er, dass die vorhandenen Abonnenten der beiden Anbieter weiterhin ihre derzeit verwendeten Radioempfänger nutzen können. Doch die Ausschussmitglieder ließen sich vorerst noch nicht völlig überzeugen. Man habe erhebliche Zweifel, dass XM und Sirius die kartellrechtlichen Bedenken bei der FCC und im Justizministerium ausräumen können, sagte der demokratische Abgeordnete John Conyers zu Karmazin: „‚Vertrauen Sie uns‘ wird in diesem Fall nicht funktionieren. Sie haben noch ziemlich hohe Hürden zu überspringen. Finden Sie nicht?“

Diese Position vertritt auch der ehemalige US-Justizminister John Ashcroft, der inzwischen u.a. als Berater für die National Association of Broadcasters (NAB), die Interessenvertretung der traditionellen Radiosender, tätig ist. In einem Schreiben an seinen Nachfolger Alberto Gonzales und die Mitglieder der Rechts- und Handelsausschüsse in beiden Kammern des US-Parlaments plädierte Ashcroft dafür, die terrestrischen Radios nicht als Wettbewerber der Digitalfunker zu betrachten, weil sie kein gleichwertiges Produkt lieferten.

Fusionsbefürwortende Argumente kommen indes vom Marktforschungsinstitut Arbitron, das in den USA Radioquoten und -nutzung misst. Bei einer Umfrage unter knapp 470.000 Radiohörern im Herbst 2006 kam zutage, dass nur 5,6 Prozent der Hörer auch einen Satellitendienst nutzen. Die Nutzer von XM und Sirius hören zwar wesentlich mehr und länger Radio als andere – nämlich 33 Stunden pro Woche im Vergleich zu den 19 Stunden von UKW- und AM-Nutzern.

Doch erstaunlicherweise hören die Abonnenten der Digitalfunker ihr Satellitenangebot, für das sie rund 13 Dollar monatlich bezahlen, nur 14 Stunden pro Woche. Weitere elf Stunden widmen sie weiterhin terrestrischen Sendern, zusätzliche acht Stunden gehen auf das Konto von Onlineradio.

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