Recorded & Publishing

„Für eine europäische Politik zu Gunsten der Musikindustrie“

Im folgenden dokumentiert musikwoche.de den Wortlaut der Rede von Prof. Dr. Jürgen Becker, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Chefsyndikus der GEMA beim deutsch-französischem Expertengespräch, das am 20. Januar im Rahmen der Midem in Cannes stattfand.

“Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, Sie im Namen der in der deutschen Autorengesellschaft GEMA zusammengeschlossenen Komponisten, Textdichter und beider Verleger hier in Cannes zu einem deutsch-französischen Expertengespräch mit dem Thema „Eine Europäische Politik zu Gunsten der Musikindustrie“ begrüßen zu dürfen. Der Zeitpunkt und Ort eines solchen Dialogs von Experten beider Länder über die europäische Förderung des Musiklebens ist wie ich meine gut gewählt: Zum einen reisen wir zum ersten mal aus Deutschland zu unseren französischen Freunden nach Cannes und müssen kein Geld tauschen; die währungspolitische Einigung in Europa ist also weitgehend vollzogen, und es stellt sich folglich mit besonderem Nachdruck auch die Frage, wie es denn mit einer gesamteuropäischen Perspektive gegenüber der von uns so geschätzten europäischen Kulturvielfalt bestellt ist, und ob insbesondere auch hier im Bereich der europäischen Musikkultur alle Möglichkeiten des Ausgestaltens und Förderns auf europäischer Ebene ausgeschöpft sind. Und zweitens: die MIDEM war stets als ein international renommiertes Messeforum auch der Ort, an dem die Interessen aller, die für den Bereich des Musiklebens und der Musikindustrie national und in Europa Verantwortung tragen, artikuliert und – wenn möglich auch – zusammengeführt werden.

Wir haben also gute Voraussetzungen, das Ziel unseres deutsch-französischen Gesprächs, das immer auch ein europäisches Ziel ist, zu erreichen, und ich darf dieses Ziel gleich zu Beginn unseres Treffens vor Augen führen.

Die Umsetzung des EU-Programms „Kultur 2000“ haben die Erwartungen der Musikverantwortlichen in den Mitgliedstaaten nicht erfüllt. Deshalb hat die Europäische Kommission einen Beratungsprozess mit Musikexperten initiiert und auf verschiedenen Dialogforen weiter vorangetrieben. Deutsche und französische Musikexperten spielen eine wichtige Rolle bei der Verständigung auf ein künftiges europäisches Förderprogramm, das geeignet sein soll, die Entwicklung der Musikbranche und des Musiklebens auf europäischer Ebene und somit den Austausch der Musikkulturen in Europa effektiv zu unterstützen. Unser heutiges Treffen soll also dazu dienen, gemeinsame Positionen der deutschen und französischen Musikexperten zu formulieren, um von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten den Beschluss musikalischer Pilotförderprojekte zu erreichen. Diese Pilotförderprojekte sollen schließlich ein europäisches Förderprogramm für den musikalischen Sektor vorbereiten, das nach Ablauf des Programms „Kultur 2000“ einsetzen soll.

Lassen Sie mich aus Sicht der Autorengesellschaften in Europa noch folgendes hinzufügen: Die Komponisten und Autoren in Europa haben sich frühzeitig der Verantwortung für ein dicht zu knüpfendes musikkulturelles Netzwerk gestellt und durch eigene Initiativen den Austausch regionaler und natonaler Musikrepertoires befördert. So hat die deutsche Autorengesellschaft GEMA hier gemeinsam mit ihrer französischen Schwestergesellschaft SACEM Zeichen für eine europaweite kulturelle Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Musik gesetzt. Beide Gesellschaften gründeten 1996 den „Fonds pour la Musique“ zur Förderung des Austausches des zeitgenössischen musikalischen Schaffens. Diese erfolgreiche Förderaktivität, der sich inzwischen auch die Autorengesellschaften anderer europäischer Länder angeschlossen haben, konnte inzwischen zahlreiche Projekte der Begegnung von Musikkulturen in Europa fördern.

Und gerade im Sinne einer solchen musikalischen Begegnung in Europa, die die Menschen im Zeichen der Musik zusammenführt, wünschen sich die Musikautoren die Unterstützung der Europäischen Union. Die Europäische Union kann hier durch fördernde Rahmenbedingungen zu einer vitalen Entfaltung der Musikkulturen in Europa beitragen.

Ich freue mich auf einen intensiven deutsch-französischen Dialog im Interesse der Fortentwicklung der europäischen Musikkultur und wünsche unserem Expertengespräch einen erfolgreichen Verlauf. Vielen Dank.“