Recorded & Publishing

Französische Firmenfamilie Yoyaku expandiert nach Deutschland

Im Herbst 2025 schlitterte Objects Manufacturing in die Insolvenz. Inzwischen hat Benjamin Belaga das Ruder beim Berliner Presswerk übernommen und gliedert die Fertigungs-Aktivitäten in sein Firmennetzwerk mit Label, Vertrieb, Shop und Booking ein. Im Gespräch mit MusikWoche berichtet er von der Geschichte von Yoyaku und seinen weiteren Plänen.

“Yoyaku wurde vor etwas mehr als zehn Jahren in Paris gegründet“, berichtet Benjamin Belaga. Heute sei er der alleinige Eigentümer der Muttergesellschaft, habe aber Partner:innen für verschiedene Teilbereiche des Unternehmens. So leitet zum Beispiel Tracy Bakala die unter dem Namen Interwave firmierende Booking-Agentur, während seine Frau Eleonore Levai Belaga die angeschlossene Kunstgalerie Chapelle XIV führt. Sebastien Belguise gründete die Firma einst mit und verantwortet weiterhin die Geschicke des heutigen Yoyaku-Plattenladens im 18. Arrondissement von Paris.

Der Name Yoyaku stamme aus dem Japanischen, berichtet Benjamin Belaga: „Ich bin auf einer Japanreise mit einem Künstler auf Tournee auf dieses Wort gestoßen.“ Yoyaku könne je nach Kontext Reservierung, Verabredung oder Booking bedeuten: „Das ergab für uns von Anfang an Sinn.“ Die ersten Schritte machte man einst mit dem Verkauf von Schallplatten in Paris-Belleville – „buchstäblich auf einer ehemaligen Parkfläche“, wie Belaga ausführt: „Es war anfangs kein klassischer Plattenladen, sondern eher eine Abholstelle für Schallplatten nach Terminvereinbarung.“

Parallel dazu habe man eine Booking- und Management-Agentur aufgebaut. „Wir haben begonnen, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, deren Karriere wir fördern wollten; daraus entwickelten sich Labelgründungen, Veröffentlichungen und der Eigenvertrieb einiger Platten. Schritt für Schritt kamen weitere Geschäftsbereiche hinzu: der Plattenladen, der Vertrieb, Label-Services und später die Chapelle XIV in Paris.“ All das sei aus praktischen Erfordernissen entstanden und daraus, „zur richtigen Zeit die richtigen Menschen“ getroffen zu haben. „Die einzelnen Bereiche waren von Beginn an eng miteinander verknüpft: Ein Label braucht einen Vertrieb, der Vertrieb benötigt gute Beziehungen zu den Läden, Künstler brauchen ein passendes Umfeld, und Plattenläden benötigen ein solides Sortiment. Es handelt sich zwar um unterschiedliche Aufgabenbereiche, doch in unserer Welt ergänzt sich das alles hervorragend.“

Auch heute noch stehe bei Yoyaku die Verbindung zwischen Artists, Labels, Läden, Vertriebspartnern und Sammlern im Mittelpunkt: „Wir konzentrieren uns auf unabhängige elektronische Musik sowie die ­Vinyl-Kultur und entwickeln Tools, die dieses Ökosystem unterstützen.“

Yoyaku beschäftigt derzeit in Frankreich ein Team von mehr als 15 Mitarbeitenden im Bereich Label und Vertrieb. Bei Interwave sind rund zehn Personen über verschiedene Städte in Europa verteilt tätig. Hinzu kommen nunmehr rund zwölf Mitarbeitende im Berliner Team, das sich indes laut Belaga noch im Aufbau befinde. 

Kurtezy als neuer ­Vertrieb

Die Gelegenheit, bei Objects einzusteigen, habe sich durch den Kontakt zu Jeremy Guillot ergeben: „Jeremy ist der ursprüngliche Gründer des Presswerks und kennt das Projekt von Grund auf“, weiß Benjamin Belaga: „Er informierte mich über die Situation, ich kam nach Berlin, und wir besprachen, was wir gemeinsam auf die Beine stellen könnten. Das passte hervorragend zu unseren bestehenden Verbindungen nach Deutschland und zu unserem Wunsch, das physische Standbein unserer Tätigkeit zu stärken.“

Jeremy bleibe ebenso wie ein Großteil des ehemaligen technischen Teams auch weiter mit an Bord: „Diese Kontinuität ist entscheidend, denn das Fachwissen in einem Presswerk ist sehr spezifisch – es geht um Galvanik, Pressvorgänge, Qualitätskontrolle, Logistik, Maschinen und Materialien. Das ist nichts, was man einfach so ersetzen kann“, unterstreicht Belaga.

Deutschland sei für Yoyaku kein gänzliches Neuland, betont Belaga, schließlich habe man sich schnell international aufgestellt. Auch wenn Frankreich die unternehmerische Basis bilde, so würden doch nur rund 30 Prozent der Geschäftstätigkeit auf den Heimatmarkt entfallen und der Rest aufs internationale Geschäft.

„In Deutschland gibt es bereits starke, etablierte Vertriebsunternehmen, und das respektieren wir. Wir treten nicht mit der Absicht an, irgendjemanden zu ersetzen.“ Benjamin Belaga, Yoyaku.

Um das Deutschlandgeschäft aufzubauen, sei er nach zuvor 15 Jahren in Paris Anfang des Jahres nach Berlin gezogen: „Ich bin nun vor Ort, um beim Aufbau der Strukturen zu helfen und die Entwicklung eng zu begleiten.“ Zu dieser Entwicklung gehört auch der Aufbau eines neuen Tonträgervertriebs, der unter dem Namen Kurtezy laufen soll und schrittweise wachsen soll.

„Unser Ziel ist es, eine direktere Verbindung zwischen Produktion, Lagerhaltung, Vertrieb, Labels, Künstlern und Plattenläden zu schaffen“, sagt Belaga, der den bestehenden Wettbewerb zahlreicher unabhängiger Musikvertriebe hierzulande im Blick hat: „In Deutschland gibt es bereits starke, etablierte Vertriebsunternehmen, und das respektieren wir“, sagt Belaga: „Wir treten nicht mit der Absicht an, irgendjemanden zu ersetzen.“ Über Yoyaku Distribution in Paris arbeite man bereits mit rund 500 unabhängigen Labels zusammen und beliefere im Rahmen der B2B-Aktivitäten weltweit mehr als 400 gewerbliche Einkäufer und Plattenläden: „Zudem kooperieren wir bereits mit über 30 Berliner Labels und insgesamt rund 50 deutschen Labels. Kurtezy werde sich auf den professionellen Vertrieb konzentrieren, auf Plattenläden und Großhändler, nicht auf das D2C-Geschäft: „Wir ziehen es vor, dass die Platten über die bestehenden Berliner Shops vertrieben werden, da diese ein wesentlicher Bestandteil der Kultur sind.“

Objects Manufacturing wieder am Start – Erste Berichte über den Aufbau eines neuen Schallplatten-Presswerks in Berlin gab es bereits 2022, 2023 nahm Objects Manufacturing dann den Betrieb auf. „Wir hatten einen wirklich guten Lauf“, blickt Firmenmitbegründer Jeremy Guillot auf Nachfrage von MusikWoche auf die Anfangszeit zurück. „Bis September 2025 haben wir monatlich zwischen 22.000 und 26.000 Schallplatten gepresst, und der Betrieb lief wie am Schnürchen.“ Was die Unternehmung aber letztlich zu Fall brachte, seien Fragen der Finanzierung gewesen: „Eine Finanzierungsrunde, auf die wir gesetzt hatten, platzte in letzter Minute; angesichts dessen und der laufenden Kreditrückzahlungen blieb uns einfach kein Spielraum mehr. Wir mussten Insolvenz anmelden.“  Mit Yoyaku habe man schon Monate vor diesen Ereignissen zusammengearbeitet: „Sie waren stets zufrieden mit unserer Qualität und Kommunikation, auch wenn sie den Großteil ihrer Aufträge aus Kostengründen an ein größeres Presswerk in Osteuropa vergaben“, erinnert Jeremy Guillot. Als dann die Insolvenz eintrat, habe er sich an Benjamin Belaga gewandt: „Eigentlich nur, um offene Aufträge zu klären und die ausstehenden Zahlungen zu regeln. Doch aus diesem Gespräch entwickelte sich etwas völlig Neues. Er sah eine Chance, wo viele andere nur ein Problem gesehen hätten, und entschied sich, voll einzusteigen.“

Man habe das Team und das aufgebaute Know-how halten können, während Belaga IT-Kenntnisse einbrachte: „Dadurch konnten wir einige Tools zur Qualitätskontrolle optimieren und unsere internen Abläufe stärker automatisieren“, berichtet Jeremy Guillot: „Seit Februar 2026 sind wir wieder am Start, und worauf ich ehrlich gesagt am meisten stolz bin: Die meisten unserer Kunden sind uns treu geblieben“. Man habe in dieser Phase unglaubliche Unterstützung erfahren.

Bei Objects Manufacturing betreibe man zwei Pheenix-Alpha-Pressen und fertige in zwei Schichten täglich rund 3000 Schallplatten: „Dabei stützen wir uns auf das Yoyaku-Netzwerk mit etwa 500 Labels sowie auf unsere eigenen Direktkunden – von Major-Labels mit Sonderprojekten über Independent-Labels bis hin zu Vertrieben jeder Größe“, ergänzt Jeremy Guillot. Zudem fertige man Stamper für sechs weitere Presswerke in Europa und Asien: „Diese vielfältige Mischung ist genau das, was das Tagesgeschäft für uns so spannend macht.