Die Sorgen der britischen Handelskette Fopp sind auch eine Woche nach Bekanntwerden der finanziellen Probleme noch nicht ausgestanden. Der drittgrößte Fachhändler in UK ist so knapp bei Kasse, dass zuletzt nur noch Barzahlungen entgegengenommen wurden. Nun hat die Kette nach Informationen der BBC und der „Retail Week“ ihre Geschäfte am 29. Juni nicht geöffnet, Anrufe würden nicht entgegengenommen.
Nach der überraschenden Tagesschließung der 50 Fopp-Filialen am 22. Juni – angeblich wegen Inventurmaßnahmen – hatten die Geschäfte in den letzten Tagen davor zwar wieder geöffnet, doch Einkäufe waren nur in bar möglich. Und auf der Website des Händlers wurde der Verkauf ganz gestoppt. Offiziell soll es Schwierigkeiten mit dem Kredit- und Bankkartensystem geben, doch nach Hinweisen aus Mitarbeiterkreisen üben die Gläubigerbanken auf Fopp Druck aus, nur noch Zahlungen in Cash anzunehmen. Laut Beobachtern hatte sich die Kette mit Ursprung in Schottland Anfang des Jahres massiv übernommen, als sie die 67 Shops der insolventen Music-Zone-Kette aufkaufte.
Laut der „Times“ wird Fopp schon bald die Firma Ernst & Young zum Insolvenzverwalter bestellen. Chairman, Firmengründer und Hauptgesellschafter Gordon Montgomery hatte noch Anfang der Woche den Gang in die Insolvenz ausgeschlossen. Fopp-Mitarbeiter verrieten derweil der „Times“, dass sie ihre monatliche Gehaltszahlung am 30. Juni wohl nicht erhalten würden. Die BBC berichtet zudem von Schreiben an die Geschäftsleitungen vor Ort, in denen die Fopp-Zentrale über „temporäre Schließungen“ und Verhandlungen mit den Banken berichtet. Außerdem sollen die Schreiben Informationen zu den Modalitäten enthalten, wie die Geschäfte zu schließen und wohin die Schlüssel zu senden seien.
Paul Quirk, Vorstand des britischen ERA-Handelsverbands, macht den britischen Händlern derweil trotz der Probleme bei Fopp und den Gewinneinbrüchen bei HMV Mut: „Das britische Tonträgergeschäft auf den Einkaufsmeilen ist immer noch lebendig. Geht dagegen nach Deutschland, dort verzweifelt ihr auf der Suche nach einem Plattengeschäft in 1A-Lage, schaut auf den Sunset Boulevard in Los Angeles oder den New Yorker Broadway, dort findet ihr die großartigen Musikshops von einst einfach nicht mehr.“





