Recorded & Publishing

Fnac setzt sich für das Kulturgut Musik ein

Die französische Handelskette Fnac nutzte die diesjährige Midem zu einer Demonstration: In ihrem Outlet in der Innenstadt von Cannes senkte Fnac die Mehrwertsteuer für CDs auf den für Bücher und andere Kulturgüter üblichen ermäßigten Satz.

“Da es sich beim Tonträger um ein Kulturgut handelt, fordert Fnac als europäische Handelsmarke eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Tonträger“, warb die Kette im Rahmen der Midem. Im Rahmen dieser Aktion wies Fnac vom 18. bis zum 23. Januar in der Filiale in Cannes für CD-Alben nur die ermäßigte Mehrwertsteuer von 5,5 Prozent für Bücher und andere Kulturgüter aus, und nicht den in Frankreich üblichen Satz von 19,6 Prozent. Damit beschritt das Unternehmen zwar im Rahmen der Midem Neuland, nicht aber im seit Jahren andauernden Kampf der Handelskette um eine Steuersenkung: Vergleichbare Aktionen führt Fnac bereits seit zehn Jahren anlässlich des so genannten Fête de la Musique am 21. Juni durch.

Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht: Nach Firmenangaben steigen die Umsätze der Fnac-Tonträgerabteilungen aus diesem Anlass um jeweils 140 bis 170 Prozent. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Handelskette, unterstützt von nationalen Branchen- und Handelsorganisationen, im Fest der Musik außerdem eine umfangreiche Dokumentation mit zahlreichen Argumenten für eine Steuersenkung: So würde eine geringere Mehrwertsteuer auf CDs dem Staat nach Analyse von Fnac zunächst Einnahmeverluste in Höhe von rund 680 Millionen Euro bescheren. Allerdings sei im Tonträgergeschäft nach einem solchen Schritt innerhalb von drei Jahren mit Umsatzuwächsen von 40 Prozent zu rechnen. Dadurch würde die Staatskasse allein rund 380 Millionen Euro auffangen können. Nach dieser Rechnung gingen dem französischen Staat demnach über drei Jahre jeweils rund 100 Millionen Euro verloren – laut Fnac der Gegenwert von ungefähr 15 Autobahnkilometern. In Frankreich sammelte die Branche zudem bereits einmal positive Erfahrungen mit einer Steuersenkung: Bis zum Jahr 1987 fielen Tonträger noch unter den Abgabesatz für Luxusgüter in Höhe von 33,3 Prozent, nach einer Anpassung auf den damaligen Mehrwertsteuersatz von 18,6 Prozent stiegen die Umsätze der Branche im folgenden Jahr um 36 Prozent und bis Ende 1991 gar um 91 Prozent. Als Fachhandelskette dominiert Fnac den französischen Markt, gefolgt von der Lagardère-Gruppe, zu der unter anderem die französischen Virgin Megastores zählen. Den größten Anteil am Tonträgergeschäft haben in Frankreich allerdings nach wie vor die SB-Märkte, die rund 55 Prozent des Markt abdecken.