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Filesharing im Grundstudium

Studenten an US-Universitäten gelten aus Sicht der Musikindustrie als die fleißigsten und somit schädlichsten Filesharer. Um das umsatzgefährdende Treiben einzudämmen, geht die Branche erstaunliche Koalitionen ein. Subventionierte Online-Abonnements sollen die P2P-Jünger von illegalen Downloads abbringen.

dossier.napster an us-unis New York – Studenten an US-Universitäten gelten aus Sicht der Musikindustrie als die fleißigsten und somit schädlichsten Filesharer. Um das umsatzgefährdende Treiben einzudämmen, geht die Branche erstaunliche Koalitionen ein. Subventionierte Online-Abonnements sollen die P2P-Jünger von illegalen Downloads abbringen. Warum US-Studenten billige Downloads bekommen Filesharing im Grundstu 43/2004 9 napster an us-unis.dossier „Musikbranche zerrt Teenager vor Gericht!“ – „Student zahlt 4500 Dollar in außergerichtlicher Einigung!“ Solche Schlagzeilen häufen sich in den USA in den letzten Monaten. Dass sich die Alltagspiraterie im Internet nachhaltig negativ auf die Umsätze der Musikindustrie auswirkt, bezweifelt kaum noch jemand. Die Methoden, mit denen man gegen das illegale Tun in Peer-to-Peer- Netzwerken (P2P) vorgeht, sind jedoch nicht immer besonders populär. Der amerikanische Tonträgerverband, die Recording Industry Association of America (RIAA), setzt knallhart auf Abschreckung: Wer urheberrechtlich geschützte Musik ohne Lizenz im Internet verfügbar macht, kommt vor den Kadi. Dieses Vorgehen hat dem Verband bislang ziemlich viel schlechte Presse eingebracht, zumal bisweilen auch Minderjährige unter den Verdächtigten waren. Doch im Büro von RIAA-President Cary Sherman in Washington, D.C., zeigt man sich von der abschreckenden Wirkung dieser Null- Toleranz-Strategie überzeugt. Noch vor einem Jahr habe die Lage wesentlich bedenklicher ausgesehen: „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, meint Sherman. „Vor einem Jahr nahm ille- 3 dium Foto: dpa/picture alliance 10 43/2004 dossier.napster an us-unis gales Filesharing noch stark zu, P2PDienste wurden allgemein als ‚legitim‘, cool und risikofrei angesehen – von Eltern genauso wie von Politikern.“ Diese Einstellung habe sich nicht zuletzt durch die Aufklärungsarbeit und vor allem die harte Haltung der Musikindustrie deutlich verändert. „Heute ist der Verkehr auf einem der größten P2P-Netze stark zurückgegangen, und das, obwohl wir immer mehr Breitbandanschlüsse bekommen.“ Auch habe die Öffentlichkeit erkannt, dass es gesetzeswidrig ist, sich in Tauschbörsen mit Musik zu versorgen. Stattdessen hätten Musikfans gelernt, welche Sicherheitsrisiken mit der Nutzung von Filesharing- Systemen verbunden sind. Studenten im Visier der Industrie Dennoch sieht Sherman keinen Grund, die Zügel schleifen zu lassen. Erst am 31. September gingen wieder 762 neue Klagen an P2P-Sünder raus. Wie schon bei den vorherigen Klagewellen, hat die RIAA auch diesmal wieder eine Zielgruppe besonders im Visier: Studenten. 32 der 762 Filesharer – oder 4,2 Prozent – hätten sich über die Hochgeschwindigkeitsnetze ihrer Universitäten ins Internet eingewählt und so ihre Copyright-Vergehen verübt. Zu welcher soziodemografischen Gruppe die restlichen 730 P2P-Sünder gehören, verriet die RIAA nicht. Stattdessen machte sich der Verband in seinen Pressemitteilungen zuletzt immer wieder die Mühe, alle Universitäten aufzulisten, an denen man Studenten beim Filesharing erwischt hat. Die RIAA ließ in den letzten Monaten nichts unversucht, um den Eindruck zu erwecken, dass besonders die Computer- Netzwerke von Universitäten und die Tauschbereitschaft der Studenten einen hohen Anteil am illegalen P2P-Verkehr haben. Dabei fällt jedoch auf, dass der Anteil der Klagen, die sich gegen Studenten richten, insgesamt unter zehn Prozent liegt. Für Außenstehende stellt sich deshalb die Frage, warum die RIAA bei ihrem PR-Feldzug gegen das P2P-Phänomen nicht gleich auch noch andere Zielgruppen wie zum Beispiel Rentner, Besserverdienende, alleinerziehende Mütter, BMWFahrer oder Hundebesitzer in ihre Piraterie- Analyse einbezieht. Die Lobby-Arbeit des Verbandes und persönliche Kontakte zu Wirtschaft, Politik und Bildungssystem scheinen dabei eine große Rolle zu spielen. Und dieses Vorgehen trägt erste Früchte: Mehr als 20 Colleges und Universitäten haben sich inzwischen freiwillig bereit erklärt, ihren Studenten Zugang zu legalen Downloadangeboten zu gewähren. Während sich diese Bildungseinrichtungen als leuchtende Beispiele für den lobenswerten Umgang mit dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter heranziehen lassen, stellt die RIAA alle anderen Unis, an denen sie weiterhin P2P-Sünder ausmacht, öffentlich an den Pranger. Schulen, die sich dem Kampf gegen Online-Piraterie angeschlossen haben, bleiben indes von RIAA-Klagen verschont. Der größte Lieferant für Downloads an Unis ist derzeit Napster, aber auch RealNetworks und Apple haben dieses Terrain für sich entdeckt. Zudem haben sich in den USA inzwischen sogar Spezialfirmen für die digitale Medienversorgung an Schulen herausgebildet. Auf diese Weise machen sich unter anderem Firmen wie Cdigix, MusicRebellion oder Ruckus einen Namen. Besonderes Augenmerk verdient allerdings der erste Deal, den Napster mit Universitäten geschlossen hat: Die Pennsylvania State University, oder kurz Penn State, war die erste und zugleich eine namhafte Universität, die ihren Studenten einen eigenen Napster-Zugang vermittelte. Seit November 2003 können Studierende an Penn State kostenlos aus dem vollen Napster-Katalog auswählen. Sie haben die gleichen Nutzungsrechte wie reguläre Abonnenten des Dienstes, die immerhin 9,95 Dollar netto pro Monat für das Angebot bezahlen. Das bedeutet, sie können beliebig viele Titel auf ihren Rechnern anhören und für einen bestimmten Zeitraum speichern. Für das Brennen der Songs auf CD fallen jeweils 99 Cents an. Doch dank der Kooperation zwischen der Uni und Napster sparen Penn-State-Schüler im Jahr rund 120 Dollar an Abo-Gebühren. Napster an die Unis! Bei über 17.000 so genannten On-Campus- Studenten – also denjenigen Kommilitonen, die in den Wohnungen auf dem Uni-Gelände wohnen – sind das hoch gerechnet über zwei Mio. Dollar Jahresumsatz, die Napster dabei im ersten Testlauf durch die Lappen gingen. Ab dem Wintersemester, das erst vor wenigen Tagen begonnen hat, sind jedoch auch die restlichen Studenten von Penn State an dem Modellversuch beteiligt. Insgesamt greifen nun rund 83.000 Studierende auf die Napster-Datenbank zu – ohne monatliche Abokosten. Zudem bekommen Universitätsangestellte das Napster-Abo für 6,95 statt 9,95 Dollar. Das alles ergäbe einen Jahresumsatz von mindestens zehn Mio. Dollar – mehr als Napster derzeit pro Quartal erwirtschaftet. Für eine Firma, die Arbeiten gut zusammen: Penn-State-Präses Graham Spanier (l.), Napster-Mann Larry Linietsky Zeigt null Toleranz für Gesetzesbrecher, aber Verständnis für die studierende Jugend: RIAA-President Cary Sherman 43/2004 11 napster an us-unis.dossier sich gerade von ihrem rentablen Software- Arm Roxio trennt und versucht, künftig als reiner Online-Musikvertrieb in die schwarzen Zahlen zu kommen, scheint das eine reichlich überhöhte Marketingausgabe zu sein. Doch Napster beteuert, dass die Uni-Deals das Ergebnis nicht belasten. Aber wer bezahlt dann für die Musik, fragt man sich. Die Universitäten? Im laufenden Semester beträgt die IT-Gebühr für Penn-State-Studenten 175 Dollar, 15 Dollar mehr als vor einem Jahr. Die Uni-Verwaltung betont jedoch, dass diese Steigerung nichts mit dem Napster-Abkommen zu tun hat, sondern lediglich die allgemein gestiegenen Technikkosten abdecken soll. „Es wird keine zusätzliche Steigerung aufgrund des Napster-Vertrags geben“, so die offizielle Penn-State-Verlautbarung. „Das ist möglich, weil die Kosten, die der Universität dadurch entstehen, sehr gering sind.“ Wie gering, verrät Penn State nicht. „Dies ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit Napster und der Musikindustrie.“ Und in der Tat: Die Beziehungen zwischen Penn State und der Musikbranche sind sehr eng. RIAA-President Cary Sherman und Graham Spanier, der President der Universität, kennen sich gut. Beide sitzen als Chairmen im Joint Committee of the Higher Education and Entertainment Communities. Dieser Ältestenrat mit dem etwas sperrigen Namen hat sich zur Aufgabe gemacht, den „unangemessenen Gebrauch von P2P-Filesharing-Technologien an Universitäten zu verringern“. Gleichzeitig sollen die zum Teil unterschiedlichen Interessen der Bildungsinstitute und der Entertainmentbranche unter einen Hut gebracht werden. Ende August legte dieses Komitee im Repräsentantenhaus Bericht über seine bisherige Arbeit ab. Darin zeigte man sich erfreut über die Entwicklung und befand, es sei im Interesse aller Beteiligten, dass immer mehr Schulen dem P2P-Missbrauch den Kampf ansagen. In diesem Bericht kam auch zu Tage, dass die Musikbranche die Sonderabkommen mit den Download-Diensten bezuschusst. Eine industrieweite Arbeitsgruppe namens Campus Action Network (CAN) steckt hinter diesen Bemühungen. Ins Leben gerufen wurde CAN von Andrew Lack, einst Chef von Sony Music Entertainment, nun CEO bei Sony BMG. Wie viel Geld CAN insgesamt locker macht, um das Penn-State-Modell tragfähig zu machen und dabei auch noch den Rechteinhabern ihren Anteil zukommen zu lassen, ist nicht bekannt. Doch Lack und Sherman bezeichnen CAN als Wegbereiter für legale Downloads an Universitäten. Als Türöffner zu den Bildungsanstalten fungiert dabei Penn-State-Präses Spanier. Zuschüsse von der Musikbranche Spanier werden schon länger höhere politische Ambitionen nachgesagt; da schadet es seiner Karriere sicher nicht, wenn er sich bei der einflussreichen Entertainment- Lobby beliebt macht. Ein weiteres Bindeglied zwischen den Welten stellt Barry K. Robinson dar. Der Jurist sitzt mit Spanier und Sherman in besagtem Komitee und übt in Personalunion zwei wichtige Funktionen aus: Einerseits ist Robinson als Senior Counsel für Corporate Affairs bei der RIAA maßgeblich an der Klagewelle gegen P2P-Nutzer mitbeteiligt. Zugleich ist er als Kurator Emeritus im Bord of Trustees bei Penn State gelistet. Vor seinem Engagement bei der RIAA war Robinson hauptberuflich für das US-Handelsministerium tätig. Diese Verbindungen zeigen, welche Sonderstellung die Universität 3 Studenten bekennen: „Ich bin schuldig“ Ames/Lawrence (ml) – 901 Songs hat Josh Madden im Internet zugänglich gemacht. Natürlich ohne Lizenz. Dabei kam ihm die RIAA auf die Schliche, und sie hat ihn nun wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Laut US-Gesetz können die Rechteinhaber in diesem Fall mindestens 750 Dollar Schadensersatz pro Titel verlangen. Madden zog es vor, sich außergerichtlich zu einigen, und bezahlte als Vergleichssumme 4500 Dollar. „Ich bin schuldig. Da hilft kein Drumherumreden. Ich wusste, dass es illegal ist.“ Aber der Student an der Iowa State University findet, dass er und seine Kommilitonen zu Unrecht als Zielscheibe benutzt werden. Das Studium ist teuer, selten haben Schüler das Geld, um sich einen Rechtstreit mit der Musikindustrie leisten zu können. Da bleibt nichts anderes, als sich zu stellen. Genauso erging es Charli Johnson. Sie war eine von 18 Studenten an der Kansas University, die im Juli von der RIAA mit der Realität konfrontiert wurden. 592 Songs hatte die junge Frau über P2P-Netze der Internet-Welt zugänglich gemacht. Auch Johnson entzog sich dem Gerichtsverfahren über einen Vergleich. Teil der Abmachung mit der RIAA ist, dass sie nicht verraten darf, wie teuer sie das Online-Vergnügen zu stehen kam. Ihre Eltern standen für sie gerade, „nachdem meiner Mutter klar wurde, wie viele CDs ich für sie gebrannt hatte“. Obwohl sie mit einem blauen Auge davon gekommen ist, bezweifelt Charli Johnson, dass die Klagen dem Filesharing ein Ende bereiten werden: „Ehrlich gesagt kenne ich niemanden, der nicht downloadet. Ich glaube nicht, dass sich andere Menschen nun davon abhalten lassen.“ Mit blauem Auge davongekommen: Filesharer Charli Johnson (l.) und Josh Madden Hinterließ ihrem Nachfolger Cary Sherman ein aufgeräumtes Haus: Hilary Rosen, Ex-Präsidentin der RIAA 12 43/2004 dossier.napster an us-unis im Neuenglandstaat genießt. Doch obwohl sich nicht schlüssig belegen lässt, dass Sony BMG und die anderen Majors die Kosten für das Napster-Experiment tragen, bleibt ein fader Beigeschmack – auch bei den Penn-State-Studenten. Sie fürchten, dass über kurz oder lang doch sie selbst die Rechnung für das RIAA-Umerziehungsprogramm bezahlen müssen. Viele fragen sich auch, warum sie künftig für ein Angebot zur Kasse geboten werden, dass nicht alle Studenten nutzen wollen. Doch vorerst dürfen sie von dem Sonderangebot profitieren. Indes gilt in der RIAA-Strategie nicht gleiches Recht für alle: Von den über 20 Institutionen, die mittlerweile vergünstigte Downloads von diversen Anbietern beziehen, gilt nur noch die University of Rochester im Bundesstaat New York als ähnlich privilegiert wie Penn State. Dort setzte sich Dekan Charles E. Phelps für das Napster-Projekt ein. Er ist – man ahnt es bereits – Mitglied im selben Joint Committee wie Spanier, Robinson und Sherman. Für Napster-Mann Larry Linietsky sind diese Spezialvereinbarungen natürlich hoch willkommen. Im freien Wettbewerb hinkt man dem Download-Marktführer Apple weit hinterher. Junge Kunden dazuzugewinnen, die später hoffentlich voll bezahlen, kann da nur von Vorteil sein. „Dieser Deal zeigt, wie ernst wir das Thema nehmen“, so der Senior Vice President of Business Development. „Wir wollen den Studenten die Welt der legalen Downloads eröffnen. Sie sind die anspruchvollsten Musikkunden des Landes.“ Schon deshalb könne man von einer Win-Win-Situation sprechen. Andere Universitäten, die sich auf Druck der RIAA und des Joint Committee auch zum legalen Download bekennen, kommen schon nicht mehr ganz so günstig davon. So dürfen die 20.000 Studenten der Cornell University in Ithaca, im Bundesstaat New York, Napster zwar auch kostenlos nutzen, doch die Uni zahlt dabei 200.000 Dollar Gebühr für ein Jahr. Dies wird indes keine Auswirkungen auf die IT-Kosten haben, denn ein gönnerhafter und gleichwohl anonymer Ehemaliger übernimmt die Rechnung für die Ivy-League-Schule. Etwas kostspieliger wird die Angelegenheit für die Studierenden an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee: Für das gesamte akademische Jahr (neun Monate) zahlen die 11.000 Kommilitonen 16 Dollar; Fakultätsmitglieder bekommen den Zugang zur Napster-Datenbank für 6,95 Dollar pro Monat. Ähnliche Rabatte erhalten auch die anderen Universitäten. Doch mit den Preisnachlässen allein ist es für die Schulen meist nicht getan: Da Napster seine Datenbank den Unis für deren Netzwerke zur Verfügung stellt, müssen die IT-Experten dort zusätzliche Server und die nötige Software installieren. Angeblich ist das pro Schule mit Kosten in sechsstelliger Höhe verbunden. An der Wright State University in Ohio gibt man jedoch zu, dass Sony Music einen großen Teil dieser Ausgaben übernommen hat. Im Fall von Vanderbilt jedenfalls zeigte sich Aileen Atkins, Senior Vice President of Business Affairs bei Napster, „begeistert, dass sich eine weitere vornehme Institution“ dazu entschlossen habe, ihre Schüler mit Hilfe von Napster in „die aufregende Welt der legalen Musikdownloads“ einzuführen. Die Neigung zur offenbar noch viel aufregenderen Welt der illegalen Downloads hatte Anfang des Jahres dazu geführt, dass sieben Vanderbilt-Studenten von der RIAA verklagt wurden. Nicht für die Schule lernen wir… Für Vanderbilts PR-Chef Michael Schoenfeld ist der Napster-Deal eine willkommene Alternative. Statt sich auf Dauer mit den Klagen der Industrie herumschlagen zu müssen, setzt man lieber auf das Sonderangebot. Und diesem Beispiel folgen immer mehr Institutionen. Klagen gegen Studenten sind alles andere als gute Werbung. Schließlich stehen Universitäten untereinander im Wettbewerb – wer den jungen Kunden und ihren zahlenden Legal vor dem Computer: An der Penn State können Studenten ohne schlechtes Gewissen Musik aus dem Netz fischen; Napster und die ehrwürdige Institution gingen eine Kooperation ein 43/2004 13 napster an us-unis.dossier Eltern das bessere Angebot macht, gewinnt. Und zur bildungsbürgerlichen Rundumversorgung scheinen nun mal auch Downloads zu zählen. „Es gibt nur wenige Dinge im Leben der Studenten, die wichtiger sind als Musik“, meint Penn- State-President Spanier dazu. „Jede Schule, die vor dieser Tatsache die Augen verschließt, tut ihren Schülern keinen guten Dienst.“ Nun fragen sich erste Kritiker, welcher Ausbildungskanon vom Zugang zu Download-Angeboten profitiert. Und warum sollten Universitäten ihren Studenten diese Dienstleistung quasi zwangsweise verordnen? „Ich finde es langsam ein wenig verdächtig, was dort vorgeht“, meint Luke Kenley, Senator aus dem Bundesstaat Indiana. „Studenten sind in diesem Sinne gewissermaßen ein gefangenes Publikum, mit dem man Geld macht. Eine College- Ausbildung ist schon teuer genug ohne all die Sondergebühren. Besonders wenn diese für alle verpflichtend sind.“ Aber die Schulen stekken in der Zwickmühle: Entweder sie willigen in die Sonderabkommen ein und nehmen dabei in Kauf, dass die Studiengebühren indirekt die Musikbranche finanzieren, oder sie laufen Gefahr, in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit Urheberrechtsvergehen genannt zu werden. Dabei ist derzeit nicht abzusehen, ob die Erziehungsmaßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen. Die Netzwerkadministratoren an den betroffenen Unis sind skeptisch, ob sich die Studenten auf Dauer von eDonkey, KaZaA & Co. trennen werden. Um aber genau das zu gewährleisten, haben einzelne Schulen ihre eigenen Methoden erarbeitet. An der University of California in Los Angeles und an der University of Florida in Miami beispielsweise haben Software-Experten unabhängig voneinander Systeme ent wickelt, mit denen sich P2P-Tauscher im Uni-Netzwerk identifizieren lassen. In Miami scannt das System Icarus alle Dateien, die im internen Netzwerk bewegt werden. Sollte es sich dabei um geschütztes Material handeln, sperrt Icarus automatisch den Internetzugang des jeweiligen Computers. Beim ersten Mal wird die Leitung für 15 Minuten gekappt, beim zweiten Mal für fünf Tage. Bevor der Missetäter wieder zurück ans Netz gelassen wird, muss er diverse Belehrungen über sich ergehen lassen. An der UCLA verfährt man mit dem „Automated Copyright Notice System“ nach einem ähnlichen Muster. Und das Konzept scheint zu wirken: In Miami wurden mit Hilfe von Icarus am ersten Einsatztag 1500 Filesharer enttarnt, in den Monaten danach weitere 2500 „Ersttäter“. 400 P2PNutzer ließen sich ein zweites Mal auf die Schliche kommen, nur sieben wagten auch noch einen dritten Versuch. Der brachte eine 30-tägige Internetsperre und einen Eintrag im Academic Record mit sich. Bislang sind keine „Vierttäter“ aufgetaucht. Nun will die Universität ihr System sogar kommerziell vermarkten. Denn wenn die Hochschule die P2P-Sünder noch vor der RIAA entdeckt, so das Kalkül, dann spart sich nicht nur der betreffende Student eine satte Strafe, sondern auch die Universität bleibt von schlechter PR verschont. Aber dieses Problem sieht die RIAA ohnehin gelassen: „Wir haben in vier Jahren ein Drittel unseres Umsatzes verloren“, argumentiert der kämpferische Cary Sherman. „Wenn Sie ums Überleben kämpfen, kümmern Sie sich eben weniger um die eigene Beliebtheit.“ Er will weiter machen wie gehabt. „Die Studenten-Community versteht unsere Botschaft schon. Auch wenn wir mit unseren Klagen inzwischen seltener in den Massenmedien berücksichtigt werden, so besetzen wir doch sicher die Headlines in lokalen Blättern und vor allem in Studentenzeitungen.“ Magnus Lauster Wer beliefert wen? Cdigix (Ctrax und Clix) Subventioniert die Universitäten: Sony-BMG-Chef Andrew Lack

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