Recorded & Publishing

Fifield folgt Warner ins EMI-Abseits

Nach Warner Music hat nun auch Jim Fifield einen Rückzieher gemacht. Der ehemalige EMI-CEO wird kein Gebot für seinen einstigen Arbeitgeber abgeben. Unterdessen empfiehlt die EMI-Spitze ihren Aktionären energisch die Annahme der Terra-Firma-Offerte.

Nach der Warner Music Group (WMG) hat nun auch Jim Fifield einen Rückzieher gemacht. Der ehemalige CEO der EMI Group wird innerhalb der vom britischen Take-over-Panel gesetzten Frist kein Gebot mehr für seinen einstigen Arbeitgeber abgeben. Ihm sei die Zeit davon gelaufen, ließ Fifield wissen, der nach eigenen Angaben kurz vor einem Angebot für EMI stand.

Er habe zusammen mit seinem Managementteam, das aus Sam Glover und einer Reihe nicht namentlich genannter früherer EMI-Kollegen besteht, an der Finanzierung eines Barangebots gearbeitet, das bedeutend höher gewesen wäre als die 265 Pence plus Schulden, die der Private-Equity-Investor Terra Firma vorgelegt hatte. In London ist man offenbar erleichtert über den Rückzug von Fifield. Die EMI-Leitung verschickte am 18. Juli mehrere E-Mails an ihre Aktionäre, in denen sie diesen einerseits energisch zur zügigen Annahme der Terra-Firma-Offerte rät, und gleichzeitig die vagen Avancen von Fifield diskreditiert. Im EMI-Vorstand habe man „erhebliche Zweifel“ an Fifields Plänen und stelle die Glaubwürdigkeit seines angeblichen Übernahmeangebots in Frage.

Wie die WMG behält sich auch Fifield das Recht vor, wieder in den Poker um die britische Firma einzusteigen, sollte binnen der nächsten sechs Monate ein weiterer Kaufinteressent bei EMI oder Terra Firma ein Angebot hinterlegen. Laut der EMI-Spitze habe Fifield jedoch keinerlei Buchprüfung bei den Briten betrieben.

Derweil dringen nun gerüchteweise Einzelheiten über den Rückzug der WMG an die Öffentlichkeit. Die Mehrheitsgesellschafter des US-Majors hätten zwar ohne Weiteres die Gelder für ein Gebot von 300 Pence pro Aktie oder mehr aufbringen können, doch sie seien nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass dies in einem weiterhin schrumpfenden Tonträgermarkt wirtschaftlich wenig sinnvoll gewesen wäre. Warner habe im Stillen versucht, einen Käufer für EMI Music Publishing zu finden, berichtet die „New York Times“. Dieser Schritt wäre notwendig gewesen, um die Kartellwächter gnädig zu stimmen. Doch es hatte sich kein Kaufinteressent gefunden, der Warners Preisvorstellungen erfüllen konnte.

Nun gehen Beobachter davon aus, dass die WMG im Lauf der kommenden Monate versuchen wird, Terra Firma die Tonträgersparte von EMI abzukaufen. Dabei ist noch völlig unklar, welche Pläne die Buy-out-Experten für den britischen Major haben. Geschäftsführer Guy Hands soll zwar bereits über Headhunter Führungspersonal für das EMI-Tagesgeschäft suchen, doch laut Reuters-Informationen könnte der derzeitige CEO Eric Nicoli noch länger am Ruder bleiben, um das reprivatisierte Unternehmen abseits der Wankelmütigkeit der Börse in ruhigeres Fahrwasser zu navigieren.

Mehr zum Thema