3/2006 15 news.biz Fachhändler reagieren auf den Vorstoß von Michael Haentjes München (ks) – Als Vorsitzender der Phonoverbände verriet Michael Haentjes der „Süddeutschen Zeitung“ kürzlich Zahlen zur Lage der Branche. Neben knappen Margen und den schlechten Rahmenbedingungen klagte Haentjes auch, dass es einen Tonträgerfachhandel praktisch nicht mehr gibt. Hier hätten es die Firmen inzwischen mit einem Oligopol der großen Elektromärkte zu tun. Mit seinen Äußerungen zum Fachhandel traf Haentjes offensichtlich einen Nerv – aus der Vielzahl der Reaktionen dokumentiert MusikWoche drei Stellungnahmen. Anzeige Aktuelle Bilder der Stars als interaktive Fotoshow? Nur im livepaper! www.musikwoche.de/livepaper Sehr geehrter Herr Haentjes, bezugnehmend auf Ihr Statement muss ich einfach Stellung nehmen. Selbst schuld, wer sich über das Oligopol der Elektrofachmärkte beschwert, wenn er diese doch selber gezüchtet hat. Die Industrie schreit hurra, wenn ein neuer Markt aufgemacht wird, und bekommt Dollarzeichen in den Augen. Öffnet jedoch ein Fachhändler mit ein bis zwei Mitarbeitern ein Geschäft, dann wird er mit Belieferung per Nachnahme und teilweise auch Nichtbeachtung konfrontiert. Dadurch ist auch bedingt, dass praktisch kaum noch ein Fachgeschäft existiert, weil er mehr für die CD bei der Industrie zu zahlen hat als der Fachmarkt. Machen Sie es doch umgekehrt. Lassen Sie doch die Umsatzriesen den höheren Preis zahlen und den Fachhandel den niedrigen. Wenn Margen bescheiden bleiben, hat es auch damit zu tun, dass die Industrie bei diesen Oligopolen in den Jahresgesprächen diese Margen reduziert, um im Geschäft zu bleiben. Ja, auch ich bin Kaufmann und entscheide durchaus mal, dass ich lieber etwas von meiner Marge abgebe, um einen Kunden zu halten. Aber ich frage mich jedes Mal, was wohl meine anderen vielen Kunden davon halten. Sie, die Industrie, sind doch die Quelle für den Handel und damit den Endverbraucher. Warum sind Sie nicht in der Lage, dann auch den Preis zu verlangen, den Sie haben wollen oder müssen? Ja, ich erzeuge jetzt den „Sturm der Entrüstung“ und das „milde Belächeln“ der „alten Hasen“ mit dem süffisanten Gedankengang: „Ja, wenn Sie wüssten“. „Try to walk in my shoes“ heißt auch, offen und direkt zu sein. Mein Kunde erfährt in einer Diskussion den Preis, den die Industrie von mir verlangt. Und bei einem kleinen Exkurs in Kalkulation und Kosten hat bisher jeder meiner Kunden den Endverbraucherpreis der CD, die er haben will, nachvollziehen können und bezahlt. Mit freundlichen und kooperativen Grüßen, Karsten Krämer, CDs am Goethe-Haus, Frankfurt/M. Legt seinen Kunden die Preiskalkulation offen: Karsten Krämer Lieber Michael Haentjes, interessiert haben wir Ihr Interview in der „SZ“ und die darauf Bezug nehmende Meldung auf musikwoche.de gelesen. Auch wir bedauern es, dass die aktuellen Marktdaten noch keinen Aufschwung vermelden. Das Tal der Tränen scheint, zumindest was den Gesamtmarkt angeht, tiefer als erwartet zu sein. Allerdings sollte auch nicht verschwiegen werden, dass einige Unternehmen sehr wohl positive Zahlen schreiben – die mehr oder minder große Nische lebt, wächst und gedeiht. Aufgehorcht haben wir, als Sie einen der Gründe für einen weiteren Umsatzrückgang im fehlenden Fachhandel ausmachten. Unsere Kunden bestätigen uns, dass die Uniformität der deutschen Handelskonzepte sie dazu gebracht hat, in den letzten Jahren kaum noch Musik zu kaufen. Ein Fachhandel mit moderner Ausrichtung hat auch in Deutschland eine Berechtigung, er kann und wird helfen, Umsatzrückgänge aufzufangen und neue Kunden zu erreichen. Nun stellt sich die Frage, wie dieser neue Fachhandel unterstützt werden kann. Grundlage ist immer eine aktive Zusammenarbeit zwischen Vertrieb und Handel. Dass ein neu gegründetes Fachgeschäft von der Firma edel nicht direkt beliefert wird, zeugt nicht von Vertrauen in den eigenen Markt. Wenn die Begründung lautet, die hausinterne Untersuchung einer Unternehmensberatung habe ergeben, dass kleine Kunden mehr Geld kosten als erwirtschaften, wird es amüsant. Finden wir zumindest. Beste Grüße, Carsten Wien & Marc Meyer, A&O Medien, Düsseldorf Nicht beliefert: Carsten Wien (l.) und Marc Meyer Lieber Herr Haentjes, es gibt ein paar einfache Lösungen: 1.) Unterstützen Sie die Gründung eines Fachhandelsverbandes, in dem die noch existierenden Fachhändler zusammengefasst werden können, ohne in Einkaufsgenossenschaften à la amm zu landen, die in erster Linie ihre Verwaltung bereichern. 2.) Unterstützen Sie die dann zu erfolgende Lobbyarbeit des Verbandes, Verkaufspreise unter HAP zuzüglich Mehrwertsteuer per Gesetz zu verbieten – dann haben auch kleinere Händler Chancen am Markt, der Service und die Beratung werden über Geizgeilheit und irreführende Werbung siegen können, und die Elektromarkt-Monokultur, die Sie ebenso stört wie uns, wird zurückgehen. 3.) Kommunizieren Sie mehr mit Leuten, die direkten Kontakt zum Verbraucher haben. Mit freundlichen Grüßen, Thomas Glück, Musikladen, Frankfurt/M. Fordert Unterstützung: Thomas Glück
Fachhändler reagieren auf den Vorstoß von Michael Haentjes
Als Vorsitzender der Phonoverbände verriet Michael Haentjes der „Süddeutschen Zeitung“ kürzlich Zahlen zur Lage der Branche. Neben knappen Margen und den schlechten Rahmenbedingungen klagte Haentjes auch, dass es einen Tonträgerfachhandel praktisch nicht mehr gibt. Hier hätten es die Firmen inzwischen mit einem Oligopol der großen Elektromärkte zu tun. Mit seinen Äußerungen zum Fachhandel traf Haentjes offensichtlich einen Nerv – aus der Vielzahl der Reaktionen dokumentiert MusikWoche drei Stellungnahmen.





