Thomas M. Stein sagte, die Bundesregierung habe selbst zu dieser prekären Lage einen gewichtigen Teil beigetragen, weil sie seit Monaten nur Erklärungen abgebe, die zwar Hoffnung für den Musikmarkt produzierten, aber von Taten sei nichts zu spüren. Die Monate der Sprechblasen kosteten vielen auf dem Musikmarkt die Existenz, weil die Bundesregierung es scheinbar nicht schaffe, ein für den Sommer von Nida-Rümelin angekündigtes Konzept zur Förderung der Rock- und Popmusik vorzulegen. Außerdem gebe es aus der Bundesregierung Signale, dass die Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft in nationales Recht nicht mehr in dieser Legislaturperiode stattfinde. Das sei für die gesamte Musikwirtschaft prekär, so Stein.
Diese Versäumnisse kosteten den deutschen Tonträgermarkt wieder Milliarden von Euro an Umsatzverlusten. Der verheerende Flächenbrand der CD-Brennerei und das kostenlose Downloaden von Musik hätten einen so dramatischen Umfang angenommen, dass bei der Bundesregierung längst alle Alarmglocken hätten klingeln müssen. Schließlich bekämen auch andere Branchen durch Gesetzgebung und EU-Initiativen Hilfen zum Überleben.
Appell an den Bundestag
Stein appellierte an die Abgeordneten des Bundestags, die Initiative zu ergreifen, um die Ankündigung der Bundesregierung in Sachen Hilfe für den Musikmarkt einzufordern. Dazu gehöre das Exportbüro für Musik ebenso wie eine Förderung des Musiknachwuchses. Die Umsetzung der EU-Richtlinie müsse noch vor der Bundestagswahl am 22. September erfolgen.
In dieser schwierigen Zeit sei aber auch in der Musikbranche Solidarität gefordert, um die Interessen der Kreativen wie auch der Wirtschaft nachhaltig der breiten Öffentlichkeit klar zu machen. Stein bezeichnete Äußerungen von einigen Vertretern von Musikunternehmen als diskriminierend, wenn sie behaupteten, dass der drastische Umsatzrückgang auf dem deutschen Tonträgermarkt auf die mangelnde Qualität der Musikproduktionen zurückzuführen sei. Es gebe keine Kreativkrise. Das sei eine Beleidigung aller Autoren, Produzenten, Künstlerinnen und Künstler, die jeden Tag aufs Neue versuchten, mit ihrer Musik ein breites Publikum zu erreichen.
Musikstandort Deutschland gefährdet
Es werde heute mehr Musik gehört als je zuvor. Das Problem liege darin, dass immer seltener dafür gezahlt werde. Die Erfolge könne man an den Charts ablesen. Die Stückzahlen seien demgegenüber durch das CD-Brennen teilweise um über 50 Prozent eingebrochen. Die Tonträgerbranche müsse mit großer Einigkeit immer wieder darauf hinweisen, dass die CD-Brennerei und das kostenlose Downloaden aus dem Internet den gesamten Musikstandort Deutschland gefährdeten.
Stein warnte auch vor der Strategie, Musik länger in breitem Umfang kostenlos im Netz hörbar zu machen. „Die Musik von heute und gestern muss Geld verdienen, damit es die Musik von morgen geben kann.“ Die deutschen Tonträgerunternehmen hätten im letzten Jahr durch CD-Brennerei und Internetpiraterie Milliardenumsätze verloren, so Thomas M. Stein.






