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Ex-Verleger will 100 Millionen Dollar von Bronfman

Warner-Boss Edgar Bronfman muss sich gegen eine ungewöhnliche Klage wehren. Der einstige Großverleger Dick Snyder verlangt von ihm 100 Millionen Dollar, weil er für seine Mitwirkung an der 2003 erfolgten Übernahme der Warner Music Group nicht entlohnt worden sei.

Warner-Music-Boss Edgar Bronfman jr. muss sich gegen eine ungewöhnliche Klage wehren. Der einstige Großverleger Dick Snyder verlangt von ihm 100 Millionen Dollar, weil er für seine Mitwirkung an der Übernahme der Warner Music Group (WMG) im Jahr 2003 nicht entlohnt worden sei.

Der heute 73-jährige Snyder war bis 1994 CEO des Verlagshauses Simon & Schuster. Im Winter des Jahres 2001 hätten er und Bronfman sich auf der Karibikinsel Antigua kennengelernt, wobei Bronfman Snyder um Unterstützung bei potenziellen Übernahmen ersucht habe. Das zumindest behauptet Snyder in einem Schreiben an Bronfman, das er am 10. April verbunden mit der Bedingung übersandte, Bronfman solle sich bis spätestens heute, dem 24. April, zu einer gütlichen Einigung verpflichten. Ansonsten werde er, Snyder, Klage einreichen.

Bekannt wurde diese Korrespondenz nun über die „New York Post“, die ausgiebig aus dem Snyder-Brief zitiert. Darin unterstellt der Verleger Bronfman mangelnde kaufmännische und wirtschaftliche Fachkompetenz. Ein Mensch mit Bronfmans Erfolgsgeschichte hätte einen Deal in dieser Größenordnung nicht alleine vollbringen können. Der Erbe des Seagram-Imperiums habe sich daher auf den Rat Snyders gestützt, ihn gerne als „Consigliere“ bezeichnet und ihm ein angemessenes Honorar zugesichert, sollte es zu einem Geschäft kommen.

Nach der Übernahme der WMG von Time Warner habe sich Bronfman dieser Verpflichtung jedoch entzogen, so der Vorwurf. Allerdings, so scheint es, mangelt es Snyder an Beweisen für seine Behauptungen. Er selbst gibt zu, nicht direkt am Abschluss des WMG-Deals beteiligt gewesen zu sein. Dieser sei jedoch seine Idee gewesen und er sei es gewesen, der die Verhandlungspartner an einen Tisch gebracht hatte. Es gab allem Anschein nach auch nie einen Arbeits- oder Beratervertrag zwischen Bronfman und Snyder. Alle E-Mails oder sonstigen Dokumente, die eine Geschäftsbeziehung der beiden belegen könnten, seien nach Aussage Snyders von WMG-Mitarbeitern vernichtet worden.

Warum Snyder erst jetzt seine Forderungen stellt, ist indes unklar. Im Warner-Lager hat man dafür nur Kopfschütteln übrig. Snyder sei ein Wichtigtuer, der sich hartnäckig im Bronfman-Umfeld aufgehalten habe, ohne jemals als Macher in Erscheinung getreten zu sein. Sein Beitrag zur Übernahme sei bis heute niemandem bekannt. „Dick Snyders Forderungen sind Unfug und entbehren jeglicher Grundlage“, erklärte Bronfmans Anwalt Orin Snyder, der mit seinem Namensvetter nicht verwandt ist. Wegen des Verdachts auf Erpressung wurde der Fall bereits an die Staatsanwaltschaft von Manhattan weitergereicht.

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