Recorded & Publishing

Europäer fahren auf Digitalmusik ohne DRM ab

Die Musikbranche sollte sich weniger Gedanken über illegale Downloader und den Einsatz von Digital Rights Managements (DRM) machen, findet Berlecon Research. Die Marktforscher haben im Rahmen eines EU-Projekts herausgefunden, dass Onlinekunden nur richtig geködert sein wollen.

Die Musikbranche sollte sich weniger Gedanken über illegale Downloader und den Einsatz von Digital Rights Managements (DRM) machen, findet Berlecon Research. Die Marktforscher haben im Rahmen eines EU-Projekts herausgefunden, dass Onlinekunden nur richtig geködert sein wollen. Viele Internetnutzer, die schon einmal Musik in den diversen Downloadshops gekauft haben, seien dabei oft enttäuscht worden. Laut Berlecon liegt dies vor allem daran, dass die Kunden nicht hinreichend über DRM und die damit verbundenen Nutzungsbeschränkungen informiert sind. „Dieses Informationsdefizit führt häufig zu Problemen“, erläutert Nicole Dufft, Senior Analyst bei Berlecon. „Kunden erwarten, dass sie digitale Musik auf CD brennen, tauschen und auf verschiedenen Geräten nutzen können. Sie sind verwirrt und verärgert, wenn technische Systeme sie daran hindern.“

Berlecon empfiehlt daher den Anbietern digitaler Musik, ihre Informationspolitik deutlich zu verbessern. „Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Zufriedenheit der Kunden zu erhöhen“, so Dufft. Bei einer repräsentativen Umfrage im Februar unter 4852 Internetnutzern in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Schweden, Ungarn und den Niederlanden fand Berlecon heraus, dass 69 Prozent der Europäer ihren Computer und 40 Prozent ihren MP3-Player zum Abspielen oder Speichern von Musik nutzen. Dabei ist nicht das Internet die wichtigste Quelle für die Dateien, sondern mit Abstand die CD, von der Nutzer ihre Musik rippen. Ein Drittel der europäischen Nutzer von Digitalmusik hat bereits in einem der verfügbaren Onlineshops eingekauft.

Zudem bemerkenswert: 64 Prozent derjenigen, die im Internet neue Musik entdeckt haben, kauften anschließend eine CD des Künstlers; 16 Prozent kauften sogar noch weitere Musik des Interpreten. „Das sollte Ansporn genug für die Musikindustrie sein, das Auffinden neuer Musik im Internet zu vereinfachen, zum Beispiel, indem sie den legalen Tausch von Musikdateien ermöglicht und Empfehlungssysteme unterstützt“, findet Dufft. „Wir empfehlen den Anbietern auch, sich nicht allein auf junge Nutzergruppen zu fokussieren, sondern sich vor allem auch an ältere Internetnutzer zu richten. Wir haben herausgefunden, dass vor allem über 40-Jährige Geld für digitale Musik und CDs ausgeben, nachdem sie neue Künstler im Internet entdeckt haben.“

Der Report „Digital Music Usage and DRM“ ist ein Teil des EU-Projekts INDICARE, das finanziell von der EU-Kommission unterstützt wird.

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