Die ersten Reaktionen auf den neuen Downloadservice Urge, den MTV Networks in enger Kooperation mit Microsoft entwickelt hat, bleiben verhalten. Mit dem Service, der zunächst nur in einer Beta-Version zusammen mit dem Windows Media Player 11 verfügbar ist, geht man zwar neue Wege der Musikvermarktung, doch die Revolution des Digitalgeschäfts – zumal eine, die die Vormachtstellung von Apple und iTunes gefährden könnte – blieb aus.
Urge wartet zwar mit einer Vielzahl an inhaltlichen und redaktionellen Wegweisern durch den Musikdschungel auf, doch was die Nutzungsbedingungen und Preise betrifft, unterscheidet sich Urge nicht von bestehenden Angeboten wie Yahoo!, RealNetworks, Napster oder AOL. Einzeldownloads kosten 99 Cent, ein auf den Rechner beschränktes All-you-can-eat-Abo knapp zehn Dollar und die tragbare Subskription 15 Dollar.
MTV und Microsoft setzten daher auf eine zielgruppengerechte Kundenansprache und Bedienelemente, die das Entdecken von neuer Musik erleichtern sollen. So bietet Urge z.B. Dutzende Playlists von Prominenten oder aus MTV-Sendungen. Damit diese auch genutzt werden, bewirbt die Sendergruppe ihr neues Downloadangebot auf allen ihren Kanälen – MTV, VH1, Country Music TV oder MTV2 erreichen in den USA gemeinsam monatlich 165 Mio. Zuschauer. Doch deren Musikaffinität ist angesichts der schrumpfenden Programmanteile für Videoclips nach Ansicht von Beobachtern fraglich. Zudem dürften viele der Jugendlichen, auf die Urge zugeschnitten ist, längst ihre Bezugskanäle für Musik erschlossen haben – ob legal oder nicht.
„Momentan sehe ich Urge nicht als ernste Bedrohung für iTunes und den iPod“, erklärte Joe Wilcox von Jupiter Research bereits. Vor allem die Tatsache, dass es sich bei Urge noch um eine unfertige Vorabversion handelt und dass die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, wie unzureichend das Zusammenspiel von Microsoft-Software mit den Windows-kompatiblen Digitalplayern oft ist, lässt die Experten abwartend auf den Einstieg von MTV ins Downloadgeschäft reagieren.
Microsoft und MTV betonten jedoch, dass mit dem Software-Update zu Windows Media 11 alles viel nahtloser funktionieren soll. Erst nach Abschluss der Testphase will MTV entscheiden, ob es auch internationale Ableger von Urge geben soll.





