Das Kartellverfahren der EU gegen Apple und diverse Plattenfirmen zielt hauptsächlich auf die Tonträgerfirmen und nicht so sehr auf die iTunes-Macher. Ein Kommissionssprecher in Brüssel erklärte, die Kartellwächter wollen prüfen, ob die Labels Apple wettbewerbsfeindliche Bedingungen aufgezwungen haben.
Die Tatsache, dass es innerhalb der EU im iTunes Store unterschiedliche Preise für dieselbe Ware gebe, sei Apple nach derzeitigem Kenntnisstand von den Plattenfirmen aufgezwungen worden, sagte EU-Sprecher Jonathan Todd. „Unser Hauptaugenmerk gilt daher den Major-Plattenfirmen.“ Sprecher für Universal Music und EMI ließen inzwischen verlauten, man sei sich keiner Verletzung des Wettbewerbsrechts bewusst und werde der EU-Kommission bei den Ermittlungen entgegenkommen.
Die Aufsichtsbehörde hatte in der vergangenen Woche offizielle Beschwerdeschreiben verschickt, die in eine Kartellklage münden und zu Strafen von bis zu zehn Prozent des jährlichen Musikumsatzes führen können. Nicht namentlich genannt in der EU-Ermittlung sind die Urheberrechtsgesellschaften, doch laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ seien auch die Societies betroffen, da sie durch ihre territoriale Vergütungsstruktur zur Situation maßgeblich beigetragen haben: Weil es bei der Einführung von iTunes in Europa keine paneuropäische Lizenzregelung gab, sei Apple zu gesonderten Filialen in den einzelnen EU-Staaten gezwungen gewesen.
Die von der Kommission angeschriebenen Firmen haben bis Ende Mai Zeit, sich schriftlich in Brüssel zu melden. Sie können auch eine mündliche Anhörung beantragen. Beobachter gehen bereits davon aus, dass die Ermittlungen der EU weitreichende Konsequenzen für die gesamte Branche haben könnten, sollten die gewohnten Lizenzierungsstrukturen durch eine Kartellklage aufgebrochen werden.





