Recorded & Publishing

Erste Reaktionen der Label-Seite zum Gipfeltreffen mit dem BKM

Kurz nach der Gesprächsrunde mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und zahlreichen Vertreter:innen der Musiklabels meldet sich die Recorded-Seite mit ersten Einschätzungen, Abwägungen und Wünschen zu Wort. Mit dabei: Stimmen von BVMI, VUT und Staatsakt.

Am 12. März 2026 lud Wolfram Weimer zu einer Gesprächsrunde rund ums Musikstreaming mit Verbänden und Unternehmer:innen aus dem Recorded-Geschäft ins Kanzleramt. Der Kulturstaatsminister kündigte bereits im Anschluss an, bald einen Runden Tisch mit Musikschaffenden, der Label-Seite und Streamingdiensten einberufen zu wollen – quasi einen Berliner Musikdialog zum Streaming. Inzwischen sammelte MusikWoche erste Wortmeldungen aus dem Kreis der Teilnehmenden ein.

So heißt es beim Bundesverband Musikindustrie (BVMI), dass man den Dialogprozess grundsätzlich begrüße, zugleich aber anmahne, dass „marktwirtschaftliche Gegebenheiten und unternehmerische Perspektiven in der Debatte stärker einbezogen werden“ sollten. Bislang, so heißt es aus Berlin, sei zum Beispiel weitgehend unberücksichtigt geblieben, dass laut einer Studie des BVMI die Zahlungen der Musikindustrie an Künstler:innen zwischen 2010 und 2022 um 132 Prozent gestiegen seien. Musikstreaming habe der gesamten Musikbranche neue Impulse gegeben, von denen „in erheblichem Maß auch professionell Musikschaffende“ profitieren würden.

Große Runde mit konstruktiven Beiträgen: ein Blick hinter die Türen beim Streaming-Gipfel der Recorded-Branche am 12. März im Kanzleramt in Berlin. Foto: BKM, Photothek, Trutschel

„Wir hatten heute erstmals die Möglichkeit, dem Kulturstaatsminister unsere komplexe und auf diversen partnerschaftlichen Beziehungen aufgebaute Branche in der Tiefe zu erklären“, kommentiert der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke: „Dass er diesen Raum geschaffen und dadurch einen offenen und konstruktiven Austausch ermöglicht hat, begrüße ich sehr.“ Drücke ergänzt: „In zentralen Bereichen, wie beispielsweise dem Thema Streaming-Fraud und den Herausforderungen durch die Entwicklung und Nutzung generativer KI sowie auch der grundsätzlichen Notwendigkeit, Marktwachstum zu stimulieren und die Sichtbarkeit von lokalem Repertoire zu stärken, bestand unmittelbare Einigkeit.“

Auch eine „zentrale Herausforderung“, die indes laut Drücke „bislang in der Debatte nicht ausreichend berücksichtigt wurde“, sei zur Sprache gekommen: „Es kann heute potenziell jeder Mensch ein weltweites Publikum erreichen. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist enorm, professionell Musikschaffende treffen auf Amateure und es wird immer noch nicht von allen verstanden, dass der Upload von Musik allein noch keinen Hit macht“, fasst der BVMI-Vorstandschef zusammen. „Für eine professionelle Karriere bedarf es starker Partnerschaften, die Künstlerinnen und Künstler freiwillig eingehen und die sie dabei unterstützen, in diesem komplexen Umfeld hör- und sichtbar zu sein.“

Laut Drücke scheinen „marktwirtschaftliche Prinzipien“ in der Debatte um die Vergütung aus dem Musikstreaming „zunehmend unter Druck zu geraten“: „Aus unserer Sicht ist gerade mit Blick auf die zunehmende Durchdringung des Musikmarktes durch generative KI entscheidend, dass wir uns einem gemeinsamen Verständnis der ökonomischen Realitäten unserer Branche nähern und betrachten, wer in Musik investiert und entsprechend ins unternehmerische Risiko geht – auch das muss Teil einer ‚Fairness-Debatte‘ sein. Gerade diesen Dialog wollen wir mit dem Kulturstaatsminister weiterführen, um das Wachstum zu fördern, an dem die gesamte Branche partizipiert.“

Beim VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmer:innen befürwortet man ebenfalls, dass die Politik sich des Themas Musikstreaming annimmt, und dabei auch die Perspektive der Independent-Branche hört. „Wenn Regulierung sinnvoll sein soll, muss sie auf einem echten Verständnis der Marktmechanismen beruhen“, heißt es es beim VUT: „Für uns ist klar: Das derzeitige Modell der Streaming-Abrechnung gehört auf den Prüfstand.“ Wenn man auch künftig „musikalische Vielfalt statt Einheitsbrei“ wolle, brauche es „eine faire und transparente Vergütung im Streaming“.

„Das derzeitige Modell der Streaming-Abrechnung muss hinterfragt werden“, unterstreicht VUT-Vorstandsmitglied Verena Bößmann: „Angemessene Vergütung fängt nicht bei der Verteilung eines zu kleinen Kuchens an. Dafür brauchen wir nutzungsbasierte Vergütungsmodelle, Transparenzanforderungen an die Plattformen und nachvollziehbare Auskünfte gegenüber Rechteinhabern.“ Für Bößmann ist dabei klar: „Nur wenn wir alle einer Vergütung zugrundeliegenden Informationen transparent einsehen können, haben wir auch eine Möglichkeit den Markt aktiv zu gestalten und die Bedingungen zu verbessern.“

Staatsakt-Labelmacher Maurice Summen berichtet auf Nachfrage von MusikWoche von einer lebhaften Auseinandersetzung: „Wenn es um den Wunsch nach ausreichender Transparenz der DSPs und ein entschiedeneres Vorgehen gegen User-Fraud geht, herrschte großer Konsens zwischen den anwesenden Vertreter:innen der Indies und Majors – sofern man dieses alte Begriffspaar in einer Welt, in der die wahren Majors längst die börsennotierten Plattformen sind, überhaupt noch bemühen möchte“, fasst Maurice Summen die Stimmung beim Streaming-Gipfel zusammen. „Allen in der Runde ist an einem weiteren Wachstum des Musikmarktes in Deutschland gelegen. Darum haben wir uns als VUT-Labels gegenüber dem Staatsminister für Kultur und Medien weiterhin für das User-Centric-Vergütungs-Modell ausgesprochen.“