“Das haben wir inzwischen gelernt“, meinte der Vorstandsvorsitzende Jack White in seiner Eröffnungsrede: „Lieber bescheiden zu sein und am Ende des Tages mit guten Zahlen zu überraschen.“ Angesichts der Zahlen für 2001 und fürs erste Quartal 2002 konnte White in aller Bescheidenheit eine erhebliche Expansion, steigende Gewinne und die Auszahlung einer Dividende ab 2004 prognostizieren. Im laufenden Jahr soll der Umsatz zweistellig wachsen und der Nettogewinn bei mehr als einer Million Euro liegen. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen schloss das Jahr 2001 mit einem Plus von rund 44.000 Euro ab, in 2000 lag der Fehlbetrag noch bei minus 1,9 Millionen Euro. Vor allem die puertorikanische Tochtergesellschaft Vidal Investment Inc. trug mit einem Geschäftsvolumen von 24,9 Millionen Euro zur Steigerung des Konzernumsatzes von 3,8 Millionen in 2000 auf 29,8 Millionen Euro in 2001 bei.
Auch im ersten Quartal 2002 trotzte die Jack White AG dem Börsentrend und legte beim Umsatz – von 6,6 Millionen auf 6,8 Millionen Euro – und Gewinn noch weiter zu. So stieg das Konzern-Nettoergebnis von minus 480.000 Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum auf ein Plus von 243.000 Euro. Und Jack White, der als Kostensenkungsmaßnahme rückwirkend zum 1. Januar 2001 sein Vorstandsgehalt um 25 Prozent gekürzt hat, rechnet mit weiteren Steigerungen; Grundlage für die optimistischen Prognosen sei vor allem die sehr erfolgreiche Positionierung der Jack White Productions AG in den USA: „Das enorme Potenzial, das in unserer Tochtergesellschaft HoT JWP und dem US-Label Empire steckt, gepaart mit unserer BMG-Vertriebskooperation, wird den gesamten Konzern mitreißen.“ Dazu beitragen sollen einige hochkarätige neue HipHop-Produktionen, die dem Unternehmen schon Schlagzeilen wie „Jack White setzt auf Black Music“ eingebracht haben: So geht White beim neuen Album der Calhouns aus Atlanta von einer Erstauslieferung von bis zu 100.000 Exemplaren aus; am Debütalbum des Rappers Truck Turner wirkt die fünffache Grammy-Gewinnerin Alicia Keys mit, und am 20. August will HoT JWT via BMG mindestens 200.000 Exemplare des Albums „Big Tray Deee feat. Dr. Dre And Snoop Dogg“ in die Läden stellen. HipHop-Superstar Nelly wird seinem Freund und Kollegen Blueface auf dessen Debütalbum unter die Arme greifen, so dass auch hier die Verkaufserwartungen hoch sind.
Dazu Jack White zu den versammelten Aktionären: „Dr. Dre und Snoop Dogg sind absolute Megastars der aktuellen HipHop-Szene. Namen wie Alicia Keys, Dr. Dre oder Nelly sind Ihnen vielleicht noch nicht so geläufig, aber glauben Sie mir: Es sind die Michael Jacksons, Paul McCartneys oder Joe Cockers der heutigen Zeit.“ Doch White will den Konzern „unabhängig von kurzfristigen Trends und Strömungen in der Musikbranche“ machen und betont deshalb die Breite des musikalischen Repertoires, das vom HipHop über den Schlager bis hin zum jungen Pianisten-Wunderknaben Mark Ehrenfried reicht. Und zur Unabhängigkeit trage auch die „vielseitige Auswertung unseres Katalogs“ bei, der nach einigen Zukäufen rund 30.000 Titel umfasse; angestrebt seien 75.000 Lizenzen. Dass die Musikindustrie in 2001 „ein schwieriges Jahr“ hinter sich gebracht habe, ist für White „kein Grund zur Besorgnis, denn die Ursache für diese Rückgänge war – nach jahrelangen Steigerungsraten – in erster Linie der Mangel an Top-Hits“, wie es sie noch 2000 von Britney Spears, Santana und anderen gab. Wohl auch um seine Zuversicht zu unterstreichen, sicherte der Vorstandsvorsitzende zu, dass er seinen Vertrag mit der AG um weitere fünf Jahre verlängern werde.






