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EMI weist neues Warner-Angebot zurück

3,07 Milliarden Euro sind der EMI-Spitze zu wenig. Diesen Betrag bot Warner Music für eine Übernahme des britischen Majors an. Doch der EMI-Vorstand lehnte die Offerte als zu niedrig ab.

260 Pence pro Aktie – also 2,08 Milliarden Pfund oder umgerechnet 3,07 Milliarden Euro – sind der EMI-Spitze zu wenig. Diesen Betrag bot die Warner Music Group (WMG) für eine Übernahme des britischen Majors an. Doch der EMI-Vorstand lehnte die Offerte als zu niedrig ab.

Am Freitagnachmittag, kurz vor Börsenschluss in London, wurde das Angebot aus New York bekannt, das die WMG allerdings an eine Reihe von Bedingungen geknüpft verstanden wissen will. Bevor man ein verbindliches Gebot abgeben werde, müsse EMI z.B. erst Einsicht in seine Bücher gewähren. Bei einer Vorstandssitzung am 2. März kam die EMI-Spitze allerdings schnell zu dem Entschluss, dass der von Warner vorgeschlagene Preis „in Anbetracht des Firmenwertes von EMI, den Synergiemöglichkeiten bei einem Zusammenschluss und den in Betracht zu ziehenden Risiken unangemessen ist“.

Es sei nicht im Sinne der Aktionäre, ein an Bedingungen geknüpftes Angebot zu prüfen, das anhaltende kartellrechtliche Unsicherheiten und inakzeptable betriebswirtschaftliche Risiken mit sich bringe, so der EMI-Vorstand. Stattdessen werde sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die eigenen Geschäfte auf Vordermann zu bringen.

Genau dies scheint aber der entscheidende Punkt im erneuten Fusionspoker zwischen den beiden kleineren Musikmajors zu sein. In New York will man sich auf keinerlei Roulette einlassen und Gewissheit über die tatsächliche Verfassung der EMI Group erlangen. Manche Beobachter befürchten bereits, dass EMI mit der Öffnung seiner Bücher deshalb so zögert, weil die Zahlen bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz Ende März noch schlechter ausfallen werden, als mit den letzten beiden Gewinnwarnungen angedeutet wurde.

Anonyme Insider suggerierten der „New York Post“, dass sich die EMI-Spitze wohl deshalb so ziert, weil manche Topmanager weniger das Interesse der Anleger als den Erhalt ihrer Arbeitsplätze im Sinn haben. Aus EMI-Kreisen war indes zu hören, dass die Ablehnung des WMG-Angebots eine korrekte Entscheidung gewesen sei, da dies viel zu vage gehalten gewesen sei. Außerdem gilt die vertiefte EU-Prüfung der Sony-BMG-Fusion aus EMI-Sicht als Stolperstein für einen möglichen Zusammenschluss mit Warner.

Jenseits des Atlantiks sind diese Vorbehalte indes nicht ganz so stark: Wenn die EU-Kommission schon die Marktsituation für Sony und BMG prüft, dann könne man ruhig auch EMI und Warner mit in die Prüfung einbeziehen, um so ein klareres Bild vom tatsächlichen Zustand des Musikgeschäfts zu erhalten, war aus Warner-Kreisen zu vernehmen.

Dennoch wird vermutlich der Preis das Zünglein an der Waage spielen, vermuten die Börsen-Profis. Richard Greenfield von Pali Research gab zu bedenken, dass selbst die von Warner gebotenen 260 Pence zu viel sein könnten. Diese Offerte liege nämlich nur 19 Prozent niedriger als das WMG-Angebot aus dem Sommer 2006. Gleichzeitig hätten sich aber die Cash-Flow-Erwartungen bei EMI seither um mindestens 25 Prozent verschlechtert.

Auf die Aktien der beiden Unternehmen hatte die jüngste Entwicklung die zu erwartenden Auswirkungen: Die EMI-Papiere zogen in London am Freitag um 4,45 Prozent auf 246,25 Pence an, während die WMG-Aktien mit einem Abschlag von 2,81 Prozent und einem Kurs von 19,03 Dollar ins Wochenende gingen.

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