Angesichts des immer stärker erodierenden Albummarkts in den USA versuchen Labels und Händler Antworten auf den Einbruch der Absatzzahlen zu finden. Die Lösungsansätze reichen dabei von Rabattaktionen bis hin zur völligen Umwandlung des Major-Geschäftsmodells. Auf das Album als wichtigste Cashcow der Branche ist nicht mehr lange Verlass, so die allgemeine Schlussfolgerung der aktuellen Entwicklung im größten Musikmarkt der Welt.
Der Absatz von physischen Alben sank im ersten Quartal um 20 Prozent, die Verkäufe von Einzeldownloads stiegen indes um 54 Prozent. Viele Labels haben daher bereits ihre Künstlerverträge modifiziert, berichtet die „New York Times“. Statt den Acts die Produktion eines Albums zu finanzieren, setzen Plattenfirmen in Einzelfällen nun zunächst auf eine oder zwei Singles, einen Klingelton und ein Video. Die Laufzeiten dieser Deals sind kürzer, die Vorschüsse geringer und die Arbeit der Labels verändert sich mit diesem Wandel.
„Für einige Genres und bestimmte Künstler werden Deals, die sich um ein Album drehen, bald der Vergangenheit angehören“, so Jeff Kempler, COO der Capitol Music Group. Sich an ein Geschäftsmodell zu klammern, bei dem eine physische Produktkonfiguration im Mittelpunkt steht, sei schädlich, weil die viele Kunden durch ihren Onlinekonsum gezeigt hätten, was sie wollen.
Bei EMI und auch bei der Warner Music Group gebe es daher Pläne, sich vom Albumkonzept zu verabschieden und für bestimmte Künstler eine Art Fanklubmodell zu verfolgen: In diesem Szenario würden Kunden eine bestimmte „Gebühr“ für die Musiker ihrer Wahl bezahlen und dafür nach und nach die neuesten „Produkte“ dieser Künstler erhalten. Der Fan würde damit quasi einen monatlichen Mitgliedsbeitrag entrichten und dafür mit Downloads, Klingeltönen, Videos, Handy-Anwendungen oder auch Tonträgern versorgt werden.
Auf diese Weise werde es nach Ansicht der Befürworter dieses Modells auch leichter, die Bindung zwischen Künstler und Fan aufrechtzuerhalten, weil man den gewohnten Veröffentlichungszyklen mit ihren zum Teil langen Pausen entkommen und stattdessen in kurzen Abständen immer wieder Neuheiten veröffentlichen kann. Entscheidend bei diesem Ansatz wird sein, wie viele Gelegenheitsmusikkäufer sich tatsächlich auf eine dauerhaft mit Kosten verbundene Bindung einlassen werden.
Denn allein der Verkauf von Einzeldownloads deckt die Kalkulationen der Majors nicht. Und im digitalen Geschäft werden zu wenig Bundles verkauft. Darum versuchen Onlinehändler wie iTunes diesem Trend entgegenzuwirken. Auch wenn Apple beim Einzeltitelverkauf nicht vom Standardpreis abweicht, so waren in den letzten Monaten immer wieder Preisaktionen bei Alben zu beobachten. Statt 9,99 Dollar gab es bestimmte Downloadpakete zwischen 5,99 und 8,99 Dollar. Betroffen waren dabei sowohl Katalogtitel als auch Neuveröffentlichungen.
Außerdem will es Apple seinen Kunden künftig leichter machen, Alben zu kaufen: Wer nach dem Kauf eines Songs später auch noch das zugehörige Album erwerben will, muss bislang für den Bundle-Preis die schon gekaufte Single noch einmal mitkaufen. Das soll künftig entfallen. Wiederkehrenden Kunden will iTunes in diesem Fall einen Preisnachlass auf den Albumdownload gewähren. Doch noch laufen dazu die Verhandlungen mit den Labels. Ende April laufen die Vertriebsverträge für iTunes aus und für die Majors wird es wohl in dieser Runde weniger um flexible Preise als um absatzfördernde Konditionen gehen.





