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EMI soll auch Interesse an Universal und Sony BMG haben

Die anhaltende Ungewissheit und die immer neuen Gerüchte über die Zukunft von EMI und Warner Music hat an den Börsen in New York und London nur für minimale Kursveränderungen gesorgt. Doch selbst wenn die Übernahme von Warner platzen sollte, habe EMI genügend andere Investitionsziele, heißt es.

Die anhaltende Ungewissheit und die immer neuen Gerüchte über die Zukunft von EMI und Warner Music hat an den Börsen in New York und London nur für minimale Kursveränderungen gesorgt. Während die EMI-Aktie nach den Spekulationen zu einem möglichen Gegenangebot der Warner Music Group (WMG) um ein Prozent auf 272,5 Pence kletterte, gab das WMG-Papier um 0,76 Prozent auf 26,13 Dollar nach. Eine verbesserte Kaufofferte von EMI blieb bislang aus, offenbar wollen die Briten die Einsätze im Fusionspoker nicht zu hoch treiben.

Doch selbst wenn die Übernahme von Warner platzen sollte, habe EMI genügend andere Investitionsziele, heißt es in Großbritannien. Die „Times“ will aus dem EMI-Umfeld erfahren haben, dass Chairman Eric Nicoli auf der Suche nach einem Deal auch nicht davor zurückschrecken würde, Gebote für die Universal Music Group (UMG) oder für Sony BMG abzugeben. Und gar so unwahrscheinlich ist ein Scheitern des Geschäfts mit der WMG nicht: Warner-CEO Edgar Bronfman jr. wird ein großes Ego und ein nicht minder großer Ehrgeiz nachgesagt. Bei einem Zusammenschluss der beiden kleineren Majors würde er gerne am Ruder bleiben.

Fraglich bleibt bei den Gerüchten um die Investitionsalternativen der EMI Group allerdings neben kartellrechtlichen Bedenken die Finanzierung. Das erste Gebot für Warner betrug 4,23 Mrd. Dollar – das sind rund 20 Prozent mehr als die WMG im Geschäftsjahr 2005 umgesetzt hatte. Als voraussichtliches Höchstgebot für Warner gelten allgemein 4,9 Mrd. Dollar – also etwa 40 Prozent mehr als der letzte Jahresumsatz. Legt man diese Messlatten an die Jahresumsätze der beiden großen Majors an, ergeben sich schnell astronomische Summen, die für EMI schwer zu finanzieren sein dürften.

Die UMG wäre bei dieser theoretischen Hochrechnung nach dem Jahresumsatz von 6,3 Mrd. Dollar zwischen 7,6 und 8,8 Mrd. Dollar teuer, Sony BMG trüge mit seinen Jahreseinnahmen von knapp 4,3 Mrd. Dollar einen Preiszettel von 5,1 bis 6,0 Mrd. Dollar. Doch beide Konzerne gelten derzeit offiziell ohnehin als unverkäuflich.

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