Zwei Tage früher als geplant veröffentlichte die EMI Group ihre Bilanz für das am 31. März beendete Geschäftsjahr. Die Befürchtungen, die in den beiden Gewinnwarnungen aus dem Frühjahr zum Ausdruck kamen, wurden dabei bestätigt. Die Briten machten Verluste in dreistelliger Millionenhöhe.
Unterm Strich blieb netto ein Verlust von 287 Millionen Pfund (420 Millionen Euro) in der Bilanz. Im Jahr davor hatte EMI noch 90 Millionen Pfund Gewinn gemacht. Der Gesamtumsatz des Konzerns schrumpfte um 13,1 Prozent auf 1,8083 Milliarden Pfund (2,646 Milliarden Euro), der vom EMI-Management angegebene eigentliche Basiswert (underlying revenue) liegt mit 1,7515 Milliarden Pfund (2,563 Milliarden Euro) sogar 15,8 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der negative Jahresabschluss kann durchaus als ein Indiz für die plötzliche Eile von Chairman John Gildersleeve gesehen werden, das aktuelle Angebot der Privatinvestoren von Terra Firma anzunehmen: Die Umsatzausfälle bewegen sich nach den Gewinnwarnungen zwar im Rahmen der Erwartungen, doch angesichts weiterhin schwieriger Marktbedingungen und schnell sinkender Erträge scheint die Konzernspitze offenbar möglichst zügig einen Deal machen zu wollen.
„Es war ein schwieriges Jahr für die EMI Group“, versuchte CEO Eric Nicoli die Lage zu erklären. „Vor allem wegen der sich verschlechternden Marktumstände, die die gesamte Tonträgerbranche erfasst haben.“ Damit zeigt Nicoli auch auf, wo der Schuh bei EMI tatsächlich drückt: Die Sparte EMI Recorded Music kam im letzten Geschäftsjahr nur noch auf Umsätze in Höhe von 1,3786 Milliarden Pfund (2,017 Milliarden Euro) – ein Rückgang um 17 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern, Sondereinflüssen und Abschreibungen (Ebita) betrug nur noch 44,9 Millionen Pfund – 68,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Dadurch verringerte sich die operative Marge der Tonträgersparte von einst 8,7 auf nun nur noch 3,3 Prozent.
Die Verlagsabteilung EMI Music Publishing indes konnte ihr Geschäft bei einem Gesamtumsatz von 429,7 Millionen Pfund (629 Millionen Euro) um 2,4 Prozent steigern. Das Ebita stieg um 4,2 Prozent auf 105,6 Millionen Pfund, die operative Marge des Musikverlags kletterte damit von 25,1 auf 26,3 Prozent. Positive Randnotiz: Die Umsätze aus dem Digitalgeschäft betrugen im letzten Jahr 164,2 Millionen Pfund. Das sind 46,5 Prozent mehr als im Geschäftsjahr davor und entspricht knapp zehn Prozent der Gesamtumsätze.
Auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahl spiegelt diesen Geschäftsverlauf wieder: Bei EMI Recorded Music sank die Anzahl der Beschäftigten im letzten Jahr um 15 Prozent auf weltweit 4818, die Verlagssparte konnte ihre Belegschaft mit 640 Angestellten stabil halten. Die Trennung von gut 850 Mitarbeitern ist auch einer der die Bilanz am stärksten belastenden Posten. Die Restrukturierung des Unternehmens taucht mit Kosten von 191,5 Millionen Pfund in der Endabrechnung auf. Zudem schlug sich die vollständige Übernahme der japanischen Niederlassung mitsamt den zugehörigen Immobiliendeals belastend in den Büchern nieder.
Interessant sind auch die Umsatzzahlen in den einzelnen Marktregionen. Der von EMI oft als Problemfall genannte nordamerikanische Markt trug mit 554,3 Millionen Pfund 14,6 Prozent weniger zum Gesamtumsatz der EMI Group bei. Noch stärker war indes der Einbruch im britischen Heimatmarkt, wo die Einnahmen um 17 Prozent auf 289,1 Millionen Pfund zurückgingen. Im restlichen Europa büßte EMI 8,3 Prozent Umsatz ein und nahm nur noch 578,2 Millionen Pfund ein. In Asien erwirtschafteten die Briten 319 Millionen Pfund (minus 6,7 Prozent).






