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EMI kurz vor Erhöhung seines WMG-Angebots

Im Übernahmepoker zwischen EMI und Warner Music scheint für beide Seiten die Finanzierung der Offerten ein entscheidender Faktor zu sein. Offenbar zweifeln beide Konzerne an der Liquidität des Konkurrenten. Doch Börsianer wären auch über noch viel höhere Summen kaum überrascht.

Im Übernahmepoker zwischen der EMI Group und der Warner Music Group (WMG) scheint für beide Seiten die Finanzierung der Kaufofferten ein entscheidender Faktor zu sein. Offenbar zweifeln beide Konzerne an der Liquidität des jeweiligen Konkurrenten.

Verbunden mit seinem letzten Angebot in Höhe von 320 Pence pro Aktie für den Kauf von EMI hatte das WMG-Management eine Bedingung nach London übermittelt: Zum Vertragsabschluss werde es erst dann kommen, wenn EMI sich zur Zahlung einer so genannten „inducement fee“ verpflichtet. Dieses „Anreizhonorar“ versteht man in New York als Rückversicherung – EMI überweist ein Prozent des vereinbarten Kaufpreises an Warner, sollte der Deal trotz einer gegenseitigen Übereinkunft doch noch scheitern.

Dies würde z.B. im Fall eines Vetos durch die Kartellwächter in Brüssel oder New York bedeuten, dass EMI dem Käufer Warner Music 46 Mio. Dollar (beim momentan vorliegenden Übernahmeangebot von 4,6 Mrd. Dollar) zahlen müsste, falls der Merger nicht zustande kommt. Gleichzeitig – und daran stößt sich das EMI-Management wohl am meisten – hätte diese Klausel aber auch zur Folge, dass die WMG erst dann die Sicherheiten für die versprochene Übernahmesumme vorlegen müsste, wenn die Fusion wasserdicht und von allen Regulierungsbehörden abgesegnet ist.

Für EMI-Aktionäre drängt sich also der Schluss auf: Die WMG pokert mit hohen Summen, die sie gar nicht hat. Doch inzwischen legten die Amerikaner nach und präsentierten in London einen Freibrief ihrer Finanziers. Die Investmentbanken Lehman Brothers und Goldman Sachs attestieren den Warner-Eignern darin die Liquidität für die 4,6-Mrd.-Dollar-Übernahme.

Um die WMG von ihren eigenen Geldquellen zu überzeugen, ließ EMI anschließend verlauten, wie man einen Kauf zu finanzieren gedenkt: Zwischen 1,7 und 2,8 Mrd. Dollar sollen mittels einer Kapitalerhöhung nach erfolgter Übernahme der WMG, deren Musikverlag Warner/Chappell für 1,8 bis zwei Mrd. Dollar verkauft werden soll, aufgebracht und die restliche Summe mit zusätzlicher Schuldenaufnahme gedeckt werden. Vor allem Fidelity, strategischer EMI-Investor mit 14,4 Prozent Unternehmensanteilen, soll ein Befürworter dieses Plan sein.

Unstrittig scheint jedoch, dass es kaum bei den derzeit auf dem Tisch liegenden 4,6 Mrd. Dollar bleiben wird. Am Wochenende berichtete der britische „Observer“, dass EMI sein Angebot von zuletzt 31 Dollar je WMG-Aktie schon sehr bald auf 33 Dollar erhöhen werde. Damit wäre der US-Major bereits 4,8 Mrd. Dollar wert. Doch bei Credit Suisse gehen die Analysten davon aus, dass sich die WMG-Mehrheitsaktionäre wohl erst bei 35 Dollar (5,1 Mrd. Dollar) zum Verkauf bewegen lassen werden.

In der letzten Wochen warnten manche Börsianer indes bereits davor, die Preisspirale zu überdrehen. Dies könnte unter Umständen den Sieger des Bieterkampfs letztlich zum Verlierer machen. Wer zu viel für den Mitbewerber zahlen muss, könne durch die hohen Finanzierungskosten seinen Aktionären auch mit den oft beschworenen synergetischen Einsparungen durch die Fusion keine verbesserten Zahlen mehr vorlegen. Der Cashflow des fusionierten Majors wäre durch unnötig hohen Schulden und Zinsen beeinträchtigt.

Nach Ansicht von Credit Suisse sind diese Preisregionen allerdings noch nicht erreicht. Selbst wenn Warner mit einem Angebot von 341 Pence pro EMI-Aktie (Kaufpreis: 4,9 Mrd. Dollar) zum Zuge käme und nur niedrig geschätzte jährliche Einsparungen von 230 Mio. Dollar durch den Merger realisieren könnte, würde die Übernahme den WMG-Aktionären einen Wertzuwachs von 25 Prozent bescheren.

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